Aus Fleisch- wird Pflanzen-Produktion

Morten Brandt, Geschäftsführer der Maricann GmbH, Vorbesitzer Wolle Förster und Maricann-Prokurist Josef Späth (v.l.) mit einem Büschel Hanf vor der neuen Trocknungsanlage in Naunhof  Foto: meeco Communication Services

Das Areal des ehemaligen Schlachthofs in Naunhof hat neue Besitzer. Ein kanadisches Unternehmen will hier Hanf für medizinische Zwecke anbauen und verarbeiten.

Es kann Schmerzen stillen, Appetit anregen, die Lebensqualität verbessern: In der Medizin wird Cannabis gerade als Therapeutikum entdeckt. Spätestens seit der Stoff in Deutschland zu medizinischen Zwecken genutzt werden darf, ist Hanfanbau hierzulande auch offiziell eine Wachstumsbranche. Zum Beispiel im Landkreis Meißen: Hier soll die ehemalige Großfleischerei im Ebersbacher Ortsteil Naunhof zum „Europäischen Hanf-Kompetenz-Center“ werden.

Es sind ehrgeizige Pläne, die das kanadische Unternehmen Maricann jetzt bekannt macht. Für 3,4 Millionen Euro hat es das zehn Hektar große Schlachthof-Areal zwischen Meißen und Radeburg gekauft. Vorbesitzer war der Dresdner Multi-Unternehmer und Nachtclub-Betreiber Wolle Förster. 13 Jahre lang hat er versucht, Interessenten für die Industrie-Immobilie zu finden. „Potentielle Käufer hatten plötzlich kein Geld mehr, einer musste ins Gefängnis, mal ist einer kurz vor Vertragsunterzeichnung gestorben. Wieder ein anderer hat den Vertrag unterschrieben, sich aber nicht beim Notar gemeldet“, berichtet Förster.

Anders nun bei Maricann, dem Unternehmen, das sich bereits in Kanada der Herstellung von Cannabis-Produkten widmet. Für Naunhof kündigt Maricann Großes an: bis 2020 Investitionen von rund 25 Millionen Euro und mittelfristig bis zu 200 Arbeitsplätze in der Hanf-Verarbeitung. Gesucht würden neben pharmazeutischem Personal auch Verwaltungsfachkräfte, Mechaniker, Logistiker, Elektriker und Computerspezialisten, so Morten Brandt, Geschäftsführer von Maricann.

Dabei soll es in Naunhof zunächst vor allem um den Anbau und die Weiterverarbeitung von Hanf für frei verkäufliche Cannabis-Produkte gehen. Zum Produktionsstandort gehören die entsprechenden Anbauflächen für Hanf. Schon im April seien die Pflanzen auf einem fast 170 Hektar großen Areal nordwestlich von Dresden angepflanzt worden, heißt es von Maricann. Die Ernte beginne im August.

Geplant sei aber auch der Import von getrockneten Hanfblüten aus Kanada. Sie sollen dann in Naunhof zu medizinischen Cannabisprodukten weiterverarbeitet werden. Eine entsprechende Zertifizierung der Europäischen Arzneimittelagentur liege bereits vor, so die Maricann-Vertreter. Die Naunhofer Immobilie bietet auch, was es sonst noch braucht, um das importierte Hanfmaterial zu verarbeiten: sichere Lagerkapazitäten. Ein Teil des ehemaligen Schlachthofs soll dafür zu einer Art „Hochsicherheitstrakt“ ausgebaut werden.

Außerdem plane man, das erworbene Areal auch für den Anbau von Hanf mit höherem Wirkstoffgehalt zu nutzen. Aus diesen Pflanzen werden die medizinischen Cannabis-Produkte gefertigt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat aktuell ein neues Vergabeverfahren für den Anbau solcher Pflanzen in Deutschland gestartet. Maricann beteiligt sich an dieser Ausschreibung und hofft auf einen Zuschlag.

Gibt es den, will das Unternehmen die stärker wirkstoffhaltigen Pflanzen in den Räumen des ehemaligen Schlachthofs anbauen. Diese seien optimal für die Zucht geeignet, sagt Maricann-Prokurist Josef Späth. Je nach Wachstumsstand ließen sich in ihnen Licht und Temperatur regeln. Auch hier sollen hohe Sicherheitsstandards gelten. Geplant sei unter anderem eine Videoüberwachung. Neben der Produktion wolle man in Zukunft in Naunhof auch Forschung in Sachen Cannabis-Nutzung betreiben.