Weniger Bewerber und mehr Lehrstellen

Ein Trend setzt sich fort: Im Landkreis Meißen wollen die Unternehmen wieder mehr ausbilden, doch etliche Lehrstellen werden wohl nicht besetzt werden.

Im Juli steigt die Zahl der Arbeitslosen. Erwartungsgemäß, sagt Jörg Kunze, Vizechef der Agentur für Arbeit in Riesa. Die „großen Ferien“ seien dafür der wichtigste Grund: Nach dem Ende des Schuljahres meldeten sich viele Schulabgänger erst einmal arbeitslos, bevor sie im Herbst ins Studien- oder Berufsleben starteten. Im Landkreis Meißen, dem Gebiet für das die Riesaer Agentur zuständig ist, lag die Arbeitslosenquote Ende Juli bei 5,9 Prozent – 0,1 Prozent höher als einen Monat zuvor. 7.447 Menschen waren im Landkreis arbeitslos gemeldet.

450 davon sind im Jugendalter: dem Alter, in dem auch die Berufsausbildung ansteht. Das neue Ausbildungsjahr beginnt Anfang August. Allerdings seien längst noch nicht alle Lehrverträge unterschrieben, heißt es von der Arbeitsagentur. Für die Vermittlung in Ausbildung sei der Stand von Ende Juli nur eine Momentaufnahme.

Allerdings eine, an der sich ein Trend ablesen lässt. Die Unternehmen wollen wieder mehr Lehrstellen besetzen, finden dafür aber immer weniger Interessenten.Bis Ende Juli haben sich bei der Riesaer Arbeitsagentur insgesamt 1.514 Mädchen und Jungen als ausbildungssuchend gemeldet. Das sind 135 Bewerber weniger als noch im Vorjahr. Es sind geburtenschwache Jahrgänge, die jetzt die Schulzeit abschließen. Das trifft die Arbeitgeber der Region hart, die auf neue Mitarbeiter angewiesen sind. Sie meldeten der Agentur bis Ende Juli 1.496 freie Lehrstellen: 51 mehr als noch ein Jahr zuvor.

Ende Juli zählte die Riesaer Agentur noch 375 jugendliche Lehrstellen-Bewerber ohne unterschriebenen Ausbildungsvertrag. Nur eine Momentaufnahme: Dieses Bild wird sich in den nächsten Wochen voraussichtlich noch deutlich ändern. Nicht nur, weil manche Ausbildungen erst im September oder Oktober beginnen. Auch das Angebot an freien Lehrstellen ist noch groß – mit 660 Plätzen weit größer als die Zahl der noch unversorgten Bewerber.

„Das Angebot ist breit gefächert und insbesondere in den Berufen Verkäufer, Kaufmann im Einzelhandel, Zerspanungsmechaniker, Metallbauer sowie Fachkraft für Lagerlogistik sind noch viele freie Stellen gemeldet“, so Jörg Kunze. Aus dem „Arbeitgeber-“ ist ein „Bewerbermarkt“ geworden. Wer noch in diesem Jahr eine Ausbildung beginnen wolle, aber noch keine Zusage habe oder nicht genau wisse, wie es beruflich weitergehen solle, setze sich am besten mit den Berufsberatern der Arbeitsagentur in Verbindung. Dort könne man Bewerber oft auch noch kurzfristig vermitteln.

Gute Chancen bietet offenbar aber auch der Markt für reguläre Arbeitsplätze. Die Arbeitgeber im Landkreis meldeten der Agentur im Juli 671 neue offene Stellen – etwas mehr als im Vormonat, allerdings auch etwas weniger als noch ein Jahr zuvor. Gute Chancen auf Einstellung gibt es in der Region vor allem im verarbeitenden Gewerbe, im Handel und im Gesundheits- und Sozialwesen.