Beratung für das "Problemfeld" Kita

Berichte von Eltern aus einer Meißner Kita machen deutlich, unter welch starkem Druck Erzieher stehen. Die Stadt baut nun eine Fachberatung auf, die Probleme verringern soll.

In der Meißner Kita „Zwergenmühle“ haben die Eltern die Nase voll. Bei der Stadtratssitzung Ende Juni machte der Elternratsvorsitzende Andreas Winter dem Ärger Luft. In der „Zwergenmühle“ herrsche offensichtlich Personalnot. Weil Erzieher fehlten, hätten schon im vergangenen Dezember Kinder nicht in der Kita betreut werden können. Gespräche mit der Stadtverwaltung hätten kaum Besserung gebracht. „Die Personalsituation ist gleichbleibend schlecht oder wird schlimmer.“ Krankenstand und Ausfallquoten unter den Kita-Mitarbeitern seien hoch. Bei bis zu 25 Kindern in einer Gruppe sei gezielte Förderung kaum möglich. Ausflüge kämen nur noch selten zustande, da die benötigte Anzahl an Betreuern nur schwer aufgebracht werden könne.

Die Stadt habe bislang kaum etwas unternommen, um dem Mangel abzuhelfen, so Andreas Winter. „Warum wird das Thema nicht ernst genommen?“ Das Thema werde ernst genommen, sagt die seit wenigen Monaten amtierende Leiterin des Meißner Familienamts, Daniela Schliwa. Allerdings auf eine andere Weise, als es sich wohl die Eltern der Kinder aus der „Zwergenmühle“ vorstellen. Die Stadt stellt nicht mehr Erzieher ein, sondern will die bereits angestellten dabei unterstützen, die Betreuung gut zu organisieren.

Denn: „Der geforderte Personalschlüssel wird in den Einrichtungen eingehalten – auch in der 'Zwergenmühle'“, sagt Daniela Schliwa. Allerdings, so räumt der zuständige Bürgermeister Markus Renner ein, gebe es auch „Tagesspitzen“: etwa dann, wenn viele Kinder zu betreuen sind, bei den Erziehern aber der Krankenstand hoch ist. „Wir wollen den Umgang mit solchen Situationen verbessern“, so Renner.

Dazu gibt es sei Anfang Juli in der Stadtverwaltung eine „Fachberatung Qualität in Kindertagesstätten“. Andrea Beger bietet hier künftig Kita-Erziehern Unterstützung. Das sei keine am grünen Tisch erdachte Maßnahme. Tatsächlich setze man damit einen Wunsch der Erzieher um, sagt Familienamts-Chefin Daniela Schliwa. Bei Gesprächen mit den Kita-Mitarbeitern sei immer wieder gefordert worden, dass die Stadt die Kindertagesstätten auf diese Weise berate.

Andrea Beger war bisher im Meißner Landratsamt Ansprechpartnerin für die Trägerorganisationen von Kindertagesstätten. Sie weiß, dass der Gesetzgeber Maßnahmen verlangt, mit denen die Erzieher fachlich weitergebildet werden. Doch es komme eben auch auf die Umsetzung in die Praxis an. „Und da ist man immer im Spagat zwischen den gesetzlichen Anforderungen, den Gegebenheiten des Personalschlüssels und dem eigenen Anspruch an die Qualität der Kinderbetreuung.“

Es ist nun an Andrea Beger, mit den Mitarbeitern der Meißner Kitas jenen Spagat zu üben. Schulungen für Kita-Leiter und Erzieher organisieren, zu Fragen der Organisation beraten, Erfahrungsaustausch zwischen den Kitas ermöglichen: Das seien Aufgaben der neuen Fachberatung. Ein Thema, das Erziehern unter den Nägeln brenne, sei zum Beispiel die Integration. Kinder mit und ohne Behinderungen sollen gemeinsam betreut werden. Dazu braucht es aber Mitarbeiter, die auch in Methoden der Heilpädagogik qualifiziert seien. Der Personalschlüssel in den Meißner Kitas mag also nominell eingehalten werden. In der Praxis bleiben jedoch die Anforderungen hoch und die Erzieher schwer gefordert.

Könnte die Stadt, wenn sie wollte, denn überhaupt zusätzliche Erzieher für ihre Kitas bekommen? Wohl nicht auf die Schnelle. Das ist auch zu spüren, wenn neue Kindertagesstätten eröffnet werden. Für die neue Kita auf dem Kalkberg, die zum Jahresende fertig werden soll, werden schon jetzt Erzieher gesucht. Derzeit liefen die Einstellungsgespräche, berichtet die zukünftige Leiterin der Einrichtung, Therese Kayser. Insgesamt brauche man etwa zehn Erzieher. Bewerbungen gibt es, doch einige werden auch Lücken in den Personalstand anderer Meißner Kitas schlagen. Einige Mitarbeiter aus bestehenden Kitas wollen an das neue Haus wechseln.