Wenn Handwerker mit Designern arbeiten

... entstehen Innovationen. Die Meißner Kreishandwerkerschaft will das Miteinander fördern - auch um kreativen Nachwuchs für das Handwerk in der Region zu halten.

Das Handwerk im Landkreis Meißen ist eine Macht, die Probleme hat. Fast 4.000 Betriebe mit rund 22.000 Beschäftigten: „Wir sind der größte Arbeitgeber der Region“, sagt Kreishandwerksmeister Peter Liebe. Allerdings geht den Unternehmen der Nachwuchs aus. Immer weniger Lehrstellen lassen sich besetzen. 20 Prozent der Handwerksazubis werfen noch vor Ausbildungsende das Handtuch. 25 Prozent derer, die durchhalten, scheiterten in den Abschlussprüfungen, sagt Peter Liebe. Dazu komme die Landflucht aus der Region in die Großstädte. „Wir liegen eingeklemmt zwischen Dresden und Leipzig – und dorthin wandert die Jugend, die auch in unseren Handwerksbetrieben Chancen hätte.“

Den Kopf in den Sand stecken hilft nicht. Die Kreishandwerkerschaft der Region Meißen (KHS) hat sich zur Selbsthilfe entschieden. Um die Branche im Landkreis attraktiver zu machen, will sie den Handwerksunternehmen einen Kreativitätsschub anbieten. Neue Ideen entwickeln, ausprobieren und bis zur Marktreife bringen: Dazu will man interessierte Handwerker mit Designern zusammenbringen, sie umfassend beraten und in einer „Probierwerkstatt“ tüfteln lassen.

„WIR – Wandel durch Innovation in der Region“ heißt das etwas sperrig. Mit einem Konzept unter diesem Titel hat sich die KHS um Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung beworben. Die erste Runde hat es bereits genommen. Unter über 100 eingereichten Vorschlägen wurde der Riesaer mit 31 anderen ausgewählt: Bis Ende Oktober ist nun Zeit, das Vorhaben durchzuplanen. Zum Jahresende werden im Ministerium unter den 32 verbliebenen die zwölf Konzepte ausgewählt, die dann in den nächsten Jahren mit finanzieller Förderung umgesetzt werden. Jens-Torsten Jacob, Geschäftsführer der KHS, rechnet sich gute Chancen aus. „Unter allen Einreichungen haben wir die einzige, die sich mit dem Thema Handwerk beschäftigt.“

Die potenziellen Partner für die Umsetzung hat man sich bereits ins Boot geholt. Zuerst den Verband „Kreatives Sachsen“. Seine Mitglieder sind Kulturschaffende, Designer, Filmemacher, Internetspezialisten aus dem ganzen Freistaat – also genau die Leute, mit denen die Handwerker aus der Region neue Produktideen entwickeln und umsetzen können. Das „Kreative Sachsen“ bringt tüftelnde Handwerker mit den passenden Kulturspezialisten zusammen. In den Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz, aber auch in Regionen wie dem Erzgebirge funktioniere das bereits, so Josephine Hage von dem Verband.

Die in Riesa ansässige Berufsakademie möchte Schulungen und Fortbildungen für die Handwerker anbieten. Fachliches Know-how sei in Betriebswirtschaft, Recht und Marketing sei wichtig, um neue Produkte erfolgreich an den Markt zu bringen, sagt Andreas Barth von der Staatlichen Studienakademie.

Ganz praktische Unterstützung für die Produktentwicklung soll es künftig am Riesaer Qualifizierungszentrum in der Alleestraße geben. „Wir können hier eine 'offene Werkstatt' einrichten, in der die Ideen umgesetzt werden“, so die Leiterin Sybille Stenzel. Möglich sei es auch, Maschinen auszuleihen oder spezielle Lehrgänge und Kurse anzubieten.

Ähnliche „offene Werkstätten“, in denen Neues entwickelt wird, gibt es derzeit in Großstädten. Zum Beispiel in Dresden und Leipzig: Aus Leipzig kommen die Projektpartner, die das Vorhaben für den Landkreis mit wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Expertise begleiten. Die Conoscope GmbH berät mittelständische Unternehmen zum Thema Innovation. Professor Utz Dornberger begleitet an der Leipziger Universität Gründer. Er verweist darauf, dass das Meißner Konzept für den Bedarf in der Region entwickelt werde. „Der Anstoß muss von den Beteiligten vor Ort kommen. Sie müssen sagen, was sie hier benötigen.“

Das wollen die Konzeptentwickler unter anderem bei der ersten „Innovationskonferenz“ der Region erfahren. Dazu laden sie am 31. Mai nach Riesa an die Berufsakademie ein. Bei der Konferenz will man den Besuchern das Vorhaben vorstellen, Beispiele zeigen, wie „Innovationsnetzwerke“ in anderen Regionen funktionieren und in Workshops ergründen, welche Ziele die Beteiligten im Landkreis Meißen haben.