Die Hebamme kehrt auf den Domplatz zurück

Der Burghof zwischen Albrechtsburg und Dom ist Kulisse für die Meißner Burgfestspiele Foto: Neue Burgfestspiele/Schneider

Das Programm für die Meißner Burgfestspiele 2019 steht. Im Juni wird am Dom wieder Theater gespielt, musiziert und gefeiert.

Kann bitte jemand 15 Tage feinstes Sommerwetter bestellen? Manuel Schöbel wäre glücklich, wenn das gelänge. Ausgebuchte Vorstellungen bei den Meißner Burgfestspielen wären garantiert – und Schöbel, Intendant der Landesbühnen Sachsen, und sein Schauspielensemble steuern schließlich einen erklecklichen Teil zu dessen diesjährigem Programm bei.

Vom 16. bis zum 30. Juni werden die Festspiele stattfinden. Neue Theaterinszenierungen stehen diesmal nicht auf dem Spielplan – dafür aber wohlbekannte, die ihre Zugkraft schon in den vergangenen Jahren bewiesen haben.

Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ zum Beispiel: Die Landesbühnen-Inszenierung mit Tom Quaas in der Titelrolle hat nun schon seit mehreren Jahren ihr Publikum. So hätten es auch die Meißner Theaterfreunde geplant, die sich vor fünf Jahren für das Wiederaufleben der Burgfestspiel-Tradition auf dem Domplatz einsetzten und dabei unbedingt den Hofmannsthal-Klassiker im Programm haben wollten, erinnert sich Manuel Schöbel: „Die haben uns gesagt: 'Wir brauchen den Jedermann.'“ Die Landesbühnen Sachsen kamen diesem Wunsch nach und besorgten eine Freiluft-Inszenierung eigens für die prächtige Domplatz-Kulisse. In diesem Jahr sind zwei Aufführungen angesetzt.

Im vergangenen Jahr kam dann ein Stück dazu, dass sich der Landesbühnen-Intendant für die Burgfestspiele sehnlich gewünscht hatte. Denn ein reizvoller Zug der Theateradaption von Ingrid Eberts Historienroman „Das Geheimnis der Hebamme“ ist es, dass sie zu Teilen auch auf dem Meißner Burgberg spielt. Der Erfolg der „Hebammen“-Romane ließ sich im vergangenen Jahr dann auch auf die Meißner Burgfestspiele übertragen. In diesem Jahr wird es drei Aufführungen von „Das Geheimnis der Hebamme“ geben.

Die 2018er Burgfestspiele seien die bislang erfolgreichsten gewesen, blickt Ann-Kristin Böhme, die Leiterin des Meißner Theaters, zurück. „Das war unser bisher besucherstärkstes Jahr.“ Ist das Wetter hold, will man in diesem Jahr die Zahlen halten oder ausbauen.

Das Programm der 15 Festspiel-Tage am Sommerbeginn hat zumindest noch weitere Höhepunkte: Der Leipziger Thomanerchor wird am 28. Juni in Meißen gastieren, der Schauspieler Tom Pauls zeigt am 24. Juni erstmals sein „Däschdlmäschdl auf Sächsisch“ in der Stadt.

Musikalisch haben die Burgfestspiele in diesem Jahr allerdings einen schweren Verlust zu verkraften. Der plötzliche Tod von Domkantor und Festspiel-Mitorganisator Jörg Bräunig riss eine große Lücke. Der berentete Domkantor Joachim Jänke hat Bräunigs Aufgaben nun vorerst übernommen. „Das Programm des Eröffnungskonzerts hat noch Jörg Bräunig konzipiert“, sagt er. „Ich übernehme jetzt die Einstudierung und die musikalische Leitung.“ Bei den „Hymns of Praise“ am 16. Juni wird nicht nur der Meißner Domchor auf der Bühne stehen. Das Konzert ist eine Gemeinschaftsproduktion mit dem Domchor Naumburg.

Neues trägt in diesem Jahr der Freundeskreis des Meißner Theaters bei. Die Mitglieder des Vereins waren es, die die „neuen“ Meißner Burgfestspiele 2015 mit aus der Taufe hoben. Seither organisierten sie Jahr für Jahr einen „Bürgerfestzug“ vom Theater zum Domplatz. „Inzwischen sind wir auf dem Domplatz angekommen“, sagt Vereinschefin Renate Fiedler. Also wird es in diesem Jahr erstmals ein Bürgerfest auf dem Domplatz geben. Unter dem auf die Historien-Hebamme bezogenen Namen „Marthes Fest“ setzt es am 16. Juni den offiziellen Startpunkt der Burgfestspiele. Gäste in historischen Kostümen sind gern gesehen, der Eintritt ist frei.

Der Vorverkauf für die Theateraufführungen und Konzerte der Neuen Burgfestspiele hat begonnen. Nähere Informationen gibt es auf der Internetseite www.neue-burgfestspiele-meissen.de