Neuer Fotoband zeigt einen Tag in Meißen

Frisch gedruckt ist der neue Bildband "Meißen. Zeitläufe". Die Fotografen Olaf Fieber, Holger Münzberg, Doc Winkler, Christin Schöne und Claudia Hübschmann (v.l.) stellten ihr Werk vor wenigen Tagen vor. Foto: Grau

Acht Fotografen haben am 14. Mai von 0 bis 24 Uhr Alltagsszenen der Stadt in Bildern festgehalten. Ergebnis ist das Buch "Meißen.Zeitläufe".

Was kommt heraus, wenn sich acht Fotografen Zeit nehmen? Ein Bildband wie „Meißen.Zeitläufe“. Olaf Fieber erklärt die Idee hinter dem neuen Meißen-Buch: „Jeder von uns hat sich 24 Stunden Zeit genommen – nicht für das touristische, sondern das alltägliche Meißen.“ Und so ist die Stadt in dem Buch zu sehen. Auf knapp 200 Seiten und in rund 200 Fotos zeigt sie ihre vielen, ganz alltäglichen Gesichter. Meißen an einem ganz normalen Wochentag von 0 bis 24 Uhr.

Doch der Reihe nach. Auf die Idee einer fotografischen Bestandsaufnahme des Meißner Alltagslebens kam Olaf Fieber durch einen amerikanischen Bildband. In den USA hatten in den 1980er Jahren Fotografen einen Tag lang ganz unterschiedliche Szenen an Orten im ganzen Land festgehalten. Zusammen ergaben sie ein beeindruckendes Panorama: Bilder vom Leben eines Landes in ungewohnter Fülle.

„Ähnliche Fotobände gibt es jetzt auch von anderen Ländern und von Städten“, sagt Fieber. Ein Alltagsporträt einer Kleinstadt von der Größe Meißens sei seinem Wissen nach aber noch nirgendwo probiert worden. „Die Idee dazu ist also vor etwa einem Jahr geboren worden.“ Fieber sprach Fotografen-Kollegen an. Daniel Bahrmann, Claudia Hübschmann, Pepe Kirchhoff, Matthias Lehmann, Holger Münzberg, Christin Schöne und Uwe Winkler alias "Doc Winkler" sagten zu. Zu acht wählten sie den 14. Mai 2014 für ihr Foto-Experiment aus: „einen ganz normalen Mittwoch“.

Von 0 bis 24 Uhr waren sie an diesem Tag mit ihren Kameras in Meißen unterwegs. Seine Fotomotive wählte sich jeder selbst. Die einzigen Bedingungen: Keine gestellten Szenen, keine Touristen-Postkarten-Motive. „Sicher 1.500 Bilder“ haben die acht an jenem 14. Mai 2014 aufgenommen, sagt Olaf Fieber. Sie hatten auf Straßen und Plätzen, in Geschäften, Werkstätten, Schulen, Kneipen fotografiert.

„An dem Tag war uns noch nicht klar, dass wir einen Bildband herausbringen wollen.“ Nach der Durchsicht der Aufnahmen dann aber schon. „Wir haben ausgewählt, was unseren Eindruck von Meißen wiedergibt.“ Die gut 200 Bilder, die es in nun das Buch geschafft haben, sind chronologisch geordnet. Sekundengenau haben die Verfasser den Zeitpunkt der Aufnahme festgehalten. Der Meißner erfährt, in welcher Straße der Fotograf unterwegs war. Für alle „Zugereisten“ beschreibt ein kurzer englischer Titel den Inhalt des Bildes.

Der Rest bleibt der Phantasie des Betrachters überlassen. „Da kann man sich ganze Geschichten erspinnen“, sagt Olaf Fieber und hat damit Recht. Man sieht die Meißner bei ihrem alltäglichen Tun, die Straßen mit ihrem Alltagsgesicht. Wohin mag die Frau mit ihrem Hund wohl unterwegs sein? Worüber reden die Gäste am Kneipentresen gerade? Ob die Stadtführerin mit der Touristengruppe wohl einigermaßen trocken durch den Gewitterschauer kam? Der angeblich so eintönige Alltag lässt Raum für Gedankenflüge.

Das Vorwort zum Fotoband schrieb der Leiter der Albrechtsburg, Uwe Michel. Meißen sei reich an Außergewöhnlichem und außergewöhnlich Gewöhnlichem, sagt er. Es sei eine liebenswerte Stadt. Und die außergewöhnlich-gewöhnlichen Bilder von Meißen, das seine Bewohner oft gar nicht liebenswert finden, scheinen den Meißnern dann doch zu gefallen. Als vor wenigen Tagen die ersten Exemplare von „Meißen. Zeitläufe“ auf dem Meißner Heinrichsplatz verkauft wurden, scharte sich schnell eine Traube von Neugierigen und Käufern um den Stand.

750 Exemplare haben die acht Fotografen mit Unterstützung des Kuratoriums „Rettet Meißen – jetzt“ drucken lassen. Einige davon hat sich die Stadtverwaltung gesichert, die das neue Buch an Freunde und Gäste Meißens verschenken will. Die restliche Auflage wird in Meißner Buchhandlungen und im Internet zum Preis von 19,95 Euro pro Buch verkauft.