Ideengeber geht in ein Jubiläumsjahr

Das Meißner Hahnemannzentrum feiert 2019 sein 25-jähriges Bestehen. In diesem Jahr wird unter anderem um die Gründung einer Stiftung verhandelt.

Wie doch die Zeit vergeht! Die friedliche Revolution von 1989 ist schon knapp 30 Jahre her. 1994 beschloss dann eine Gruppe von Meißnern, das Andenken des in der Stadt geborenen Homöopathie-Begründers Samuel Hahnemann (1755 – 1843) zu ehren: Sie gründeten den Verein „Meißner Hahnemannzentrum“. Das ist nun 25 Jahre her. 2019 wird im Meißner Hahnemannzentrum also ein Jubiläumsjahr.

Vereinsvorsitzender Helge Landmann schlägt den großen Bogen, wenn er schildert, was das Hahnemannzentrum heute ausmacht. Zum einen der fachliche Austausch über die Homöopathie, zum anderen ein politisches Anliegen: „Wir verstehen uns auch als Ideengeber und gesellschaftliches Labor.“ Modelle der Homöopathie ließen sich auf das Miteinander der Menschen übertragen. Da spiele etwa das Prinzip der Polarität eine große Rolle – und Polarität bestimme die heutige Gesellschaft. Das Hahnemannzentrum könne ein Ort der Kur sein: ein Raum für Gespräch, Verständigung und Ausgleich.

Polarität und Politik finden sich im Programm der diesjährigen Meißner Hahnemanntage, dem ersten Höhepunkt im 2019er Veranstaltungskalender des Vereins. Vom 5. bis zum 7. April treffen sich Homöopathen aus ganz Deutschland in Meißen. Zur Eröffnungsveranstaltung am Freitagabend und zur Geburtstagsfeier für Samuel Hahnemann am Samstagabend sind auch interessierte Laien willkommen.

Den Auftakt setzt am 5. April ab 19.00 Uhr ein „unterhaltsames Abendgespräch“ im Restaurant Vincenz Richter. Da soll es ums Politische gehen. Helge Landmann: „Wir wollen Menschen zusammenbringen und Austausch anregen.“ Laut Programm macht an dem Abend Hahnemann Schule zum Thema „Die Notwendigkeit, alte Denkmuster zu überprüfen“.

Die Förderung der Kultur ist ein weiteres Anliegen der Vereinsmitglieder. Dafür laden sie zu Aktionen wie dem „Frühlingsspaziergang“ ein. Mit Interessierten begeben sie sich am 27. April auf eine Wanderung durch die linkselbischen Täler. Die Tour führt zu Kulturdenkmalen wie Schloss Siebeneichen und Schloss Scharfenberg und soll an das Wirken der romantischen Dichter in dieser Gegend erinnern.

Das Meißner Hahnemannzentrum betreut zudem ein eigenes Kulturdenkmal. Der Verein hat seinen Sitz auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Heilig Kreuz. Die Restaurierung der Klosterruine beschäftigte die Mitglieder über Jahre. Danach planten sie, ein Veranstaltungshaus für Kurse und das Kulturangebot des Vereins zu bauen – und erlebten dabei Rückschläge. Obwohl das Startkapital per Crowdfunding beisammen, alle Pläne und Voruntersuchungen geschrieben und sogar das erste Material gekauft waren, scheiterte im vergangenen Jahr der Baustart. Der Verein bekam keinen Bankkredit, weil mit der Stadt als Verpächterin des Klostergeländes keine Einigung über die Eintragung einer Grundschuld zustande kam.

Der Bau des neuen Veranstaltungshauses sei nun erst einmal hintan gestellt, sagt Vereinsvorsitzender Helge Landmann. Stattdessen konzentriere man sich auf das einfacher Machbare. Zunächst soll das bestehende Veranstaltungs- und Bürohaus neben der Klosterruine saniert werden.

Auch in seinem 25. Jahr kämpft das Hahnemannzentrum mit Problemen. Das Kurs- und Kulturangebot ist für den Verein finanziell überlebenswichtig – und dafür braucht es geeignete Räume. Der Erhalt der Klosterruine zehrt dagegen an der Leistungsfähigkeit. Die Hoffnung, sich mit der Stadt auf Strukturen zu einigen, die Ausgewogenheit und mehr Aktionsfreiheit bieten, haben die Mitglieder nicht aufgegeben. Sie schlagen nun vor, eine Stiftung für das Kloster Heilig Kreuz zu gründen.

Diese könnte alle Belange und Aufwendungen für den Erhalt der Klosterruine bündeln, während der Verein sich weiter um Hahnemann-Erbe, Homöopathie-Kurse und Kulturangebote kümmert. Noch im Februar soll zwischen Stadt, Landkreis und Hahnemannzentrum über diese Idee verhandelt werden.

Das runde Jubiläum des Hahnemannzentrums wird im Herbst begangen. Um den „Tag des offenen Denkmals“ Anfang September ist eine Festwoche geplant. Sie soll nicht nur dem Rückblick dienen, sondern auch einen Generationswechsel deutlich machen, erklärt Helge Landmann. „Die Gründer sind älter geworden. Es ist an der Zeit, dass sich jüngere Mitglieder stärker einbringen.“

Die „Jugend“ des Vereins – und nicht die langjährigen Vorstände – solle zum Beispiel die Verhandlungen um die geplante Stiftungsgründung vorantreiben. Man setze auf neue Gesichter, neue Ideen und neuen Schwung. Die Zeiten seien günstig, auch wenn oder gerade weil sie politisch so bewegt seien, sagt Landmann. „In Meißen erleben wir doch eine große Mobilisierung der Bürgerschaft. Dadurch können auch neue Mitglieder in unseren Verein hineinwachsen.“