Votum für Erweiterung des Franziskaneums

Bei ihrer jüngsten Klausursitzung einigten sich die Meißner Stadträte zu Themen wie der Schulentwicklung. Auch der geplante Plossenausbau wurde besprochen.

Die alljährliche Klausursitzung der Meißner Stadträte ist die Veranstaltung, bei der traditionell die „langen Linien“ der Stadtentwicklung abgesteckt werden. Vor wenigen Tagen hatten die Räte, Amtsleiter der Stadtverwaltung und Geschäftsführer der städtischen Gesellschaften bei der Zusammenkunft im tschechischen Leitmeritz allerdings auch einige Themen auf der Tagesordnung, die in Meißen schon aktuell für Wirbel sorgen.

Sorgen um die Zukunft des städtischen Gymnasiums Franziskaneum trieben bereits im Sommer 2018 Lehrer, Schüler und Eltern zu Protestbekundungen ins Rathaus. Der Planungen zu Sanierung bzw. Ausbau der Plossenauffahrt führten zu Bürgerversammlungen, diversen Anträgen im Stadtrat und waren nicht zuletzt auch eines der bestimmenden Themen im Wahlkampf um das Oberbürgermeister-Amt. Dass die Meinungen zu diesen Themen auch unter Stadträten weiterhin auseinandergehen, ist zu vermuten. Bei den Debatten der Klausursitzung sei es „ebenso offen wie emotional“ zugegangen, teilte die Stadtverwaltung im Anschluss mit.

Ergebnisse gab es aber auch. Zum Beispiel in Sachen der in Meißen dringend benötigten Gymnasial-Schulplätze. Weil der Andrang aufs Gymnasium die derzeitigen Kapazitäten des Franziskaneums wohl dauerhaft übersteigen wird, hatten die Stadträte im vergangenen Jahr den Bau eines zweiten städtischen Gymnasiums ins Spiel gebracht. Von dieser Idee verabschieden sich die Räte nun offenbar.

Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile habe sich die Mehrheit für eine Erweiterung am derzeitigen Standort des Franziskaneums ausgesprochen, heißt es nach der Klausur. Bei der Planung des künftigen Ausbaus der Schule wolle man auch Grundstücke in der unmittelbaren Umgebung einbeziehen. „Zu den möglichen Nutzungsvarianten sind weitere Gespräche mit den Grundstückseigentümern und dem Denkmalschutz vorgesehen“, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Sanierung von „Haus B“ des Franziskaneums, der Weinbergschule, soll 2020 begonnen werden. Dabei, so der Wille der Räte, soll sich die Stadt zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten offen halten.

Die seit mittlerweile zehn Jahren avisierten Baumaßnahmen an der Plossenauffahrt sind ein Dauerbrenner der Meißner Stadtpolitik. Planung und Bau liegen in den Händen des Landesamts für Straßenbau und Verkehr, dennoch wird um die Position der Stadt gestritten: „Sanierung bei Beibehaltung des derzeitigen Straßenquerschnitts“ oder „Ausbau“ ist die Grundfrage des Konflikts.

Nach der Klausur scheint zumindest unumstritten, dass die zwischen 90 und 170 Jahre alten Stützbauwerke der Straße sanierungsbedürftig sind. Darüber hinaus müssten Verkehrssicherheit und Nutzungsbedingungen auch für Fußgänger und Radfahrer maßgeblich verbessert werden. Dabei setzt man nun wohl erneut auf die bislang festgelegte Ausbauvariante mit einem gemeinsamen 2,75 Meter breiten Geh- und Radweg stadtauswärts, einer sechs Meter breiten Fahrbahn und einem 1,25 Meter breiten Radfahrschutzstreifen in Richtung Neumarkt. Zusätzlich ist ein 2,50 Meter breiter Gehweg zwischen kleinem Plossen und Gellertstraße geplant. Verbreitert wird die Fahrbahn in der Plossenkurve. „Die Eingriffe am Steilhang sollen auf ein Mindestmaß beschränkt werden“, so der Tenor nach der Klausur.

Den Streit zwischen „Nur-Sanierern“ und Ausbauwilligen beendet das keinesfalls. Schon jetzt hat sich die Bürgerinitiative „Bürger für Meißen“ zu Wort gemeldet, die das Thema unter anderem in den OB-Wahlkampf 2018 brachte. Der jetzige Stadtrat solle nicht mehr darüber entscheiden, fordert Dr. Walter Hannot von der Initiative. Das sei Sache der im Mai neu zu wählenden Meißner Räte. Die noch amtierenden Räte wollen allerdings schon im März weitere Beschlüsse zum Bau am Plossen fassen.