Meißens Stadträte wagen mehr Kultur

Mit der Zustimmung zum Nachtragshaushalt ebnen die Stadträte auch den Weg für die Bestellung eines Kulturreferenten in der Verwaltung. Dessen Fehlen wird seit Jahren beklagt.

Mehr Kultur wagen: Das könnte für Meißen ein Motto des Jahres 2019 werden. Der Stadtrat machte mit der Zustimmung zum Nachtragshaushalt auch einen Weg für die Schaffung der Stelle eines Meißner Kulturreferenten frei.

Eine solche gab es bereits vor Jahren. Sie wurde jedoch abgeschafft, als die Stadt in Finanzschwierigkeiten geriet und vor der Zwangsverwaltung stand. Der Haushaltskonsolidierung fiel auch die zentrale Koordination der kulturellen Aktivitäten durch die Stadtverwaltung zum Opfer.

Nach Jahren mit „schlanker“ Verwaltung plant die Stadt nun allerdings eine Neueinstellungs-Welle. Teil des Nachtragshaushalts sind knapp 19 neue Stellen in verschiedenen Ämtern der Verwaltung. Darunter könnte auch der Posten eines Kulturreferenten oder einer Kulturreferentin sein, sind sich die Stadträte aller Fraktionen einig.

In den Planungen der Verwaltung war eine solche Stelle nicht vorgesehen. Dafür schlugen erst die Stadträte der Fraktion Grüne/Linke/SPD die Bresche. Die reine Forderung nach einer Aufstockung des Stellenplans für kulturelle Zwecke münzten sie schließlich in eine Forderung um, die alle Stadträte mittragen konnten: Bis April soll im städtischen Amt für Stadtmarketing, Kultur und Tourismus – das bislang keinen „Nur-Kultur“-Beauftragten hat – Aufgabenkritik gehalten werden. Daraus werde hervorgehen, ob die Einrichtung einer Kulturreferenten-Stelle notwendig sei. Später soll auch eine umfassende Aufgabenkritik aller Ämter der Stadtverwaltung folgen.

Die Aufstockung des Stellenplans sei an vielen Stellen gerechtfertigt, betonten Räte aller Fraktionen in der Debatte über den Nachtragshaushalt. Jedoch nicht an allen: Die Stadtverwaltung könne zum Beispiel nicht schlüssig begründen, warum es im Büro des Oberbürgermeisters künftig einen Mitarbeiter für „strategische Steuerung“ geben müsse. Diese Stelle wird nun vorerst gesperrt. Ergibt die Aufgabenkritik, dass die Bestellung eines Kulturreferenten sinnvoll ist, soll das eingeplante Geld stattdessen für diesen Posten verwendet werden. Alle Stadträte stimmten diesem Vorgehen zu.

Heinz Gleisberg (Linke), einer der dienstältesten Meißner Stadträte, erinnerte daran, dass die Abschaffung der städtischen Kulturverwaltung vor Jahren eine Notwendigkeit gewesen sei. Nun sei es jedoch geboten, der Kultur mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Die Stadt Meißen schmücke sich schließlich auch mit dem Attribut, eine „Kulturstadt“ zu sein.

So argumentieren auch die Mitglieder der Bürgerinitiative „Bürger für Meißen – Meißen kann mehr“, die im Mai erstmals ihre Vertreter zur Stadtratswahl antreten lässt. Ute Czeschka von der Initiative machte in einem Redebeitrag deutlich, was ein Meißner Kulturreferent ihrer Meinung nach leisten soll. Nicht nur Feste und Märkte organisieren oder die Veranstaltungen der städtischen Einrichtungen abstimmen: Der Kulturreferent oder die Referentin müsse auch die „Stadtteilkultur“ in den Blick nehmen und vernetzen – etwa die soziokulturellen Vereine, die viele der kulturellen Freizeitangebote in der Stadt unterhalten.