Möglichkeit zur Bebauung soll geprüft werden

Wie weiter mit dem Gelände des früheren Kohlelagerplatzes in Meißen-Triebischtal? Neben dem geplanten Bürgerpark befürworten Stadträte dort auch den Bau von Wohnhäusern.

Was mit dem ehemaligen Kohlelagerplatz im Triebischtal geschehen soll, hatten Meißens Stadträte eigentlich schon festgelegt. Das Gelände wird zum Bürgerpark – und Ideen zu dessen Gestaltung gibt es auch schon. Junge Landschaftsarchitekten aus dem In- und Ausland hatten beim internationalen Lenné-Wettbewerb Pläne für das Areal an der Triebisch gemacht.

Doch nun haben die Stadträte das Vorhaben wieder infrage gestellt. Sie beauftragten die Stadtverwaltung auf Antrag der ULM/FDP-Ratsfraktion zu prüfen, ob auf der Fläche neben dem Bürgerpark auch Wohnhäuser gebaut werden können. Vor dieser Entscheidung wurde allerdings deutlich, dass dieses Ansinnen auch auf Widerstand stößt.

Die Fraktion von ULM und FDP sehe die Möglichkeit der Wohnbebauung als Ergänzung zum geplanten Park: Das machte Holger Metzig (ULM) vor der Entscheidung deutlich. Allerdings ließ er auch keinen Zweifel, dass die Stadträte, die hinter dem Antrag stehen, den Hausbau auf dem Kohlelagerplatz auch wollen. Meißen habe Zuzug. „Die Stadt braucht junge Familien – und für die ist die Lage im Triebischtal wirklich günstig: nah zur S-Bahn, nah am Stadtwald.“ Natürlich müsste auf dem Grundstück der Hochwasserschutz beachtet und nach Altlasten gesucht werden. „Aber das sind keine unüberwindlichen Hindernisse.“ Wenn man den Bau des Bürgerparks mit dem von Wohnbebauung verbinde, könne man mehr für das Triebischtal erreichen.

Diese Überzeugung habe er bei Gesprächen mit Bewohnern des Stadtteils gewonnen, sagt Metzig. Die Triebischtaler wollten eine weiter als bislang gefasste Nutzung des Geländes. Und noch etwas betont der ULM-Stadtrat: Neue Wohnhäuser und der Bürgerpark sollen sich nicht ausschließen. „Wir wollen in einem städtebaulichen Wettbewerb Ideen zur Bebauung entwickeln lassen und sie mit den Ideen für den Park aus dem Lenné-Preis-Wettbewerb verbinden.“

Dass sich Park und Wohnen an der Stelle überhaupt vereinbaren lassen, bezweifeln die Gegner des Beschlusses. Unter anderem Ingolf Brumm von der Initiative „Bürger für Meißen“: „Der Bürgerpark soll ein soziokultureller Treffpunkt werden. Dort könnte auch der Platz für die Ausrichtung einer Landesgartenschau sein. Das Gelände schreit nach einer Mehrfachnutzung, aber nicht für Wohnbebauung.“ Sollte sich der Park wie gewünscht zum Treffpunkt auch der jungen Bewohner des Stadtteils entwickeln, seien Konflikte mit Mietern oder Wohnungseigentümern unmittelbar benachbarter Häuser vorprogrammiert. Zumal auch unter den Antragstellern kursiere, dass auf dem Areal eher exklusive und damit hochpreisige Wohnungen angeboten werden sollten.

Die Bürgerinitiative habe bereits einige Ideen, was im künftigen Triebischtaler Bürgerpark zu finden sein sollte. Zum Beispiel ein Naturlehrpfad, den auch die benachbarte Triebischtal-Oberschule nutzen könnte, eine Badestelle am Fluss, Spazierwege und Treffpunkte. „Verschenken wir nicht diese einmalige Chance“, fordert Ingolf Brumm. „Im Triebischtal gibt es auch noch an anderen Orten Platz für Wohnbebauung.“

Die Sorge der Bebauungs-Gegner ist es, dass mit der nun beschlossenen Prüfung bereits der Weg zum Hausbau geebnet wird. „Ein Prüfauftrag scheint ja nicht weh zu tun“, sagt zum Beispiel Grünen-Stadtrat Heiko Schulze. „Aber tatsächlich ist damit eine politische Entscheidung verbunden. Wenn die Bebauung möglich wird und zustande kommt, ist das eine Absage an alle Pläne zur Landesgartenschau und an die Planungen des Lenné-Preises.“ Befürworter meinen dagegen, dass die Ergebnisse des Lenné-Wettbewerbs nicht absolut zu stellen seien. „Es gibt ja noch andere Ideen für das Gelände“, so zum Beispiel Nico Riefling von der CDU.

Ob die von der exklusiven Wohnbebauung allerdings umsetzbar ist, ist längst nicht erwiesen. Gegenüber von Kaufland und Jutespinnerei sei das eine Illusion, so die Gegner. „Da geht kein Investor ran“, meint etwa Matthias Rost von der SPD. Oberbürgermeister Olaf Raschke befürwortet unterdessen die Prüfung, betont aber deren offenen Ausgang. Angesichts von Hochwasserschutz und möglichen Altlasten sei keinesfalls sicher, dass auf dem Gelände überhaupt Wohnungen errichtet werden dürfen.

Das Vorhaben, dem Triebischtal einen Bürgerpark zu geben, ist Teil der aktuellen Meißner EFRE-Vorhaben: Dieses Projekt würde finanziell von der EU gefördert. Der OB berichtet von Abstimmungen mit den für die Fördermittel-Vergabe zuständigen Stellen. Dort wolle man nun bald Klarheit, was die Stadt Meißen auf dem ehemaligen Kohleplatz vorhat. Die Prüfung diene dazu, alle Möglichkeiten auf ihre Umsetzbarkeit zu testen.

Und wenn sich dabei doch herausstellen sollte, dass auf dem Gelände Häuser gebaut werden dürfen? „Dann diskutieren wir wieder“, sagt Linken-Stadtrat Lutz Thieme. Und ob sich der Stadtrat dann gegen Begehrlichkeiten von Immobilien-Entwicklern entscheiden würde, ist offen.