Will Meißen doch den "Tag der Sachsen"?

Bisher lehnte die Stadt eine Bewerbung um das Landesfest ab. Nun gab es aber offenbar ein erstes Gespräch mit dem zuständigen Kuratorium.

In diesem Jahr findet der „Tag der Sachsen“ in Torgau statt. Vom 7. bis zum 9. September werden in der nordsächsischen Stadt rund 300.000 Besucher erwartet. Hunderte Vereine aus dem ganzen Land präsentieren sich. Händler, Schausteller und Künstler unterhalten die Besucher.

Ob auch Meißen ein solches Großereignis ausrichten könnte? Bisher kannte die hiesige Stadtpolitik darauf vor allem eine Antwort: Nein – weil Meißen keinen „Tag der Sachsen“ wolle. Der Aufwand sei groß, der Nutzen dagegen eher klein. Die Stadt brauche kein Fest für drei Tage, sondern deutlich langfristiger wirkende Attraktionen, mit denen sich Besucher locken ließen.

Deutet sich nun aber eine Kehrtwende an? Zumindest trafen sich jüngst Vertreter von Stadt und Meißner Gewerbeverein mit dem Präsidenten des „Tag-der-Sachsen“-Kuratoriums, Dr. Matthias Rößler, zu einem Gespräch. Dabei wurden Möglichkeiten ausgelotet, das Landesfest nach Meißen zu holen. Mit am Tisch saßen auch der Meißner Landrat Arndt Steinbach und die CDU-Landtagsabgeordnete Daniela Kuge.

Ein Fazit des Treffens: Die Stadt brauche viel zeitlichen Vorlauf. Schon drei Jahre vor einem „Tag der Sachsen“ beginnt für die interessierten Kommunen das Bewerbungsprozedere. Bevor offiziell der Hut in den Ring geworfen wird, müsste auch in Meißen intern die Bereitschaft abgeklärt und per Ratsbeschluss festgehalten werden. Der nächste mögliche Termin, zu dem die Stadt das Fest ausrichten könnte, wäre das Jahr 2022. In Stadtverwaltung und Gewerbeverein wird aber offenbar noch weiter in die Zukunft gedacht: Auch das Jahr 2029, in dem Meißen sein 1.100-jähriges Bestehen feiert, wäre ein passender Anlass für einen „Tag der Sachsen“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

Größter Streitpunkt vor einer Bewerbung werden vermutlich die zu erwartenden Kosten sein. Städte, die den „Tag der Sachsen“ ausrichten, bekommen dafür zwar vom Freistaat finanzielle Unterstützung. Einen Teil der Kosten müssen sie aber auch allein erwirtschaften. Es braucht Geld aus der Vereinsförderung, aber auch aus Parkgebühren, Standgebühren für Händler und Schausteller oder dem Verkauf von Souvenirs. Eine klare Angabe, wie viel Geld Meißen für einen „Tag der Sachsen“ bräuchte, gibt es nicht. Die „Eigenmittel-Quote“ sei bisher von Stadt zu Stadt unterschiedlich gewesen, erfuhren die Vertreter Meißens: Es käme da auf das Zusammenspiel aller beteiligten Akteure an.

Auf alle Fälle erwarteten Meißen einige Ausgaben. Ausrichter-Städte müssen unter anderem für genügend Parkplätze und für die Sicherheit der Festbesucher sorgen. Aufwand macht auch die Koordination von hunderten ehrenamtlichen Helfern. Die bisherigen Ausrichter gründeten oft schon lange vor dem eigentlichen Festtermin städtische Projektbüros, in denen die Fäden der Organisation zusammenliefen.

Dass die Frage nach einem „Tag der Sachsen“ in Meißen nun wohl ernsthaft gestellt wird, zeigen Anfragen in bisherigen Ausrichter-Städten. Haben sie vom Landesfest profitiert? Ja, sagt zum Beispiel Jesko Vogel, der Oberbürgermeister von Limbach-Oberfrohna, das 2016 Gastgeber war. Die Fest-Organisation habe dem Gemeinschaftsgefühl in seiner Stadt deutlichen Auftrieb gegeben. Der Oberbürgermeister der 2017er Gastgeber-Stadt Löbau sieht das Fest ebenfalls positiv: Es habe seine Kommune zu einem „markanten Punkt“ im Freistaat gemacht, so Dietmar Buchholz.

Welche Ziele Meißen mit einem „Tag der Sachsen“ verbinden würde, ist offen. Ebenso, wie man mit der zeitlichen Nähe zum Weinfest umgehen würde. Der Sachsen-Tag findet stets am ersten September-Wochenende statt, das Meißner Weinfest am letzten. Ob der Aufwand, in Meißen das Landesfest abzuhalten, überhaupt zu stemmen wäre, müsse nun „intensiv geprüft“ werden, so Oberbürgermeister Olaf Raschke. Das Für und Wider sei zu erwägen und dann zu entscheiden, ob die Stadt als Bewerberin antritt.