Stadtwerke bauen schneller als geplant

So soll der neue Hochbehälter am Kynastweg einmal aussehen: Die Fassade wird vom Vorgänger-Bauwerk übernommen Foto: Grau

Am Kynastweg entsteht ein neuer Trinkwasser-Hochbehälter für die Meißener Stadtwerke. Er soll schon ab Herbst das bislang genutzte Reservoir ersetzen.

Bevor das Trinkwasser in den Meißner Haushalten aus dem Hahn fließt, hat es schon einen weiten Weg hinter sich. Aus den Talsperren des Erzgebirges nach Dresden, wo es im Coschützer Wasserwerk aufbereitet wurde. Weiter durch die Leitungen der Wasserversorgung Brockwitz-Rödern nach Meißen. Und hier dann in Hochbehälter, aus denen es über die Leitungen in die Wohnungen gelangt. Fünf solcher Hochbehälter gibt es in den höher gelegenen Stadtteilen, drei davon gehören den Meißener Stadtwerken (MSW). Und einer wird gerade neu gebaut: Die Hülle des Hochbehälters „Meißen-Kynast“ ist schon fertig.

Von außen ist der Neubau am Kynastweg unscheinbar: zweckmäßiger Beton, die Wände niedrig. „Die Fassade wird sich noch deutlich verändern“, sagt Frank Dittrich, der bei den MSW für das Bauvorhaben zuständig ist. Auf dem Grundstück stand früher ein Wasser-Hochbehälter für die Felsenkeller-Brauerei. Das Denkmal musste nun dem neuen und deutlich größeren MSW-Behälter weichen. Jedoch nicht ohne Reminiszenz: In Abstimmung mit dem Denkmalschutz werden die MSW die Schmuckfassade des alten Gebäudes originalgetreu auf ihren Neubau übertragen, kündigt Dittrich an.

Tatsächlich ist der Neubau auch deutlich größer, als es die Ansicht von der Straße vermuten lässt. Trinkwasser hält sich am besten in Kühle und Dunkelheit. Die zwei jeweils 500 Kubikmeter fassenden Wasserkammern des neuen Gebäudes sind vor allem „unter die Erde“ gebaut. Drei Meter hoch sind ihre Wände. Das Gebäude hat schon sein Dach und ist komplett gegen äußere Einflüsse abgedichtet. Der Innenausbau hat begonnen. „Anfang September werden die Pumpen eingebaut“, sagt Frank Dittrich.

Einen Hochbehälter für Trinkwasser zu bauen, ist eine Wissenschaft für sich. Die Kammern müssen so gestaltet sein, dass es beim Abfluss möglichst keine Druckschwankungen im Wasserleitungsnetz gibt. Beim Neubau am Kynastweg musste die Form der Kammern an den Zuschnitt des Grundstücks angepasst werden. Da sei einiges Tüfteln nötig gewesen, sagt Frank Dittrich. Dabei wird man den Bau auf dem Areal später kaum ausmachen können. Der vor allem in die Tiefe gebaute Behälter wird in den nächsten Wochen noch von außen begrünt: Zu sehen ist dann kaum mehr als eine Art Hügel.

Die Inbetriebnahme des neuen Hochbehälters sei für den November geplant, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Frank Schubert. Deutlich eher als ursprünglich vorgesehen: Zu Beginn des Projekts sei mit einer Inbetriebnahme im zweiten Quartal 2019 gerechnet worden, so der MSW-Chef. „Die Baufirmen haben aber gut gearbeitet. Auch der milde Winter ist uns zugute gekommen.“

Wenn der neue Behälter ans Netz geht, wird der bislang genutzte „Hochbehälter Kynast“ außer Betrieb genommen. Er liegt ebenfalls am Kynastweg, ist aber mit einem Fassungsvermögen von rund 1.400 Kubikmetern deutlich größer als der Neubau. Droht mit dem Wechsel eine Trinkwasserknappheit in den vom Kynast versorgten Stadtteilen? „Nein, wir haben ja vorab den Verbrauch gründlich analysiert“, sagt Projektleiter Frank Dittrich. „Unsere Behälter werden auf einen möglichen Maximalverbrauch ausgelegt.“ Als Maßstab dienen heiße und trockene Tage, wie es sie zum Bespiel in diesem Sommer gab. „Dann bemerken wir deutliche Abnahmespitzen in den Morgenstunden und wieder ab dem späten Nachmittag bis in den Abend“, so Dittrich. In ganz Meißen werden nach Angaben der MSW pro Tag durchschnittlich rund 3.500 Kubikmeter Trinkwasser verbraucht.

Insgesamt speisen auf Meißner Stadtgebiet fünf Hochbehälter Trinkwasser ins MSW-Netz ein. Neben der Anlage am Kynastweg gibt es weitere in Bohnitzsch, an der Bosel, auf dem Plossen und in Lercha. Die Behälter in Lercha und auf dem Plossen gehören der Wasserversorgung Brockwitz-Rödern. Die Anlagen in Bohnitzsch und an der Bosel haben die Meißener Stadtwerke schon in den vergangenen Jahren neu gebaut. Für den dritten Neubau am Kynastweg, der unter anderem die Stadtteile Questenberg, Kynast, Korbitz, Rotes Haus und Obermeisa versorgt, investiert das Unternehmen gut 1,3 Millionen Euro.

Zwischen Fertigstellung und Inbetriebnahme dürfen auch Besucher den neusten Hochbehälter in Augenschein nehmen. „Das ist eine einmalige Gelegenheit“, wirbt MSW-Geschäftsführer Frank Schubert. „Wir planen einen 'Tag der offenen Tür' voraussichtlich im Oktober.“ Danach werden die Wasserkammern gründlich gereinigt, keimfrei gemacht und versiegelt: Das Trinkwasser kann kommen.