Stadtrat will zwei Varianten fürs Gymnasium

Erweiterung des Franziskaneums oder Gründung eines neuen Gymnasiums: Nach heftiger Kritik sollen nun beide Möglichkeiten geprüft werden.

Bekommt Meißen ein zweites städtisches Gymnasium? Die Antwort auf diese Frage bleibt vorerst offen. Der Stadtrat hat die Verwaltung zunächst mit einer Variantenuntersuchung beauftragt: Zu prüfen ist, ob Meißen zusätzliche Gymnasialplätze mit einer Erweiterung des Franzikaneums oder mit der Gründung eines zweiten städtischen Gymnasiums schaffen sollte.

Dass die Stadt dringend mehr Schulplätze für Gymnasiasten benötigt, ist unstrittig. Schon im Schuljahr 2018/19 kommen sechs fünfte Klassen neu ans Franziskaneum. Zu erwarten sei, dass die Anmeldezahlen in den kommenden Jahren ähnlich blieben, sagt Bürgermeister Markus Renner. Dennoch löste die überraschend auf die Tagesordnung der Juni-Stadtratssitzung gehobene Vorlage, mit der die Absicht zur Gründung eines neuen Meißner Gymnasiums bekundet wurde, heftige Kritik aus.

Wie kann die Verwaltung vom Anstieg der Schülerzahlen so überrascht werden? Könnte man die zusätzlich benötigten Klassen nicht doch am Franziskaneum unterbringen? Und vor allem: Wurde im Vorfeld überhaupt mit Lehrern und Elternvertretern der bestehenden Gymnasien gesprochen, um auszuloten, welche Konsequenzen eine Schulneugründung hätte?

Offenbar nicht. Der Gegenwind blies Stadträten und Verwaltung bei der Sitzung am 27. Juni heftig ins Gesicht. Vom Franziskaneum war eine Abordnung von Schülern, Lehrern und Elternvertretern erschienen. In Redebeiträgen erläuterten sie ihre Bedenken gegen die Gründung eines zweiten städtischen Gymnasiums. Schulleiterin Heike Zimmer erinnerte daran, dass ein neues Gymnasium mindestens mit drei Klassen pro Jahrgangsstufe geführt werden müsse. Liege der Bedarf in Meißen wie angenommen zukünftig bei sechs Gymnasialklassen pro Jahrgang, folge daraus, dass das Franziskaneum dann auch auf eine Dreizügigkeit gekürzt werden müsse.

Das habe Auswirkungen auf die finanzielle und personelle Ausstattung der Schule, so Heike Zimmer. Zu erwarten sei eine Verringerung des Angebots an Leistungskursen. Die Mittel für Ganztagsangebote würden geringer und man habe weniger Lehrer, was wiederum Einschnitte bei fakultativen Aktivitäten wie der Pflege von Schulpartnerschaften nach sich zöge. „Dabei ist unser großes Angebot ein Alleinstellungsmerkmal unserer Schule.“ Die vielen Anmeldungen für das Franziskaneum gründeten sich auf seinem guten Ruf.

Dazu kommt, dass der Schulstandort des Franziskaneums auf dem Ratsweinberg bisher nicht vollständig saniert ist. Das Hauptgebäude und ein Anbau sind auf zeitgemäßem technischen Stand. Die Weinbergschule, das „Haus B“ des Franziskaneums, harrt jedoch noch einer Sanierung. Angesichts der Pläne zur Neugründung eines Gymnasiums fürchte man, dass die Ertüchtigung der Weinbergschule auf der städtischen Prioritätenliste weit nach hinten geschoben werde, so Heike Zimmer. Zudem fehle dem Franziskenaum nicht nur ein modernes „Haus B“, sondern auch eine ausreichend große Sporthalle. Der Bau einer Zwei-Feld-Halle für die Schule kommt nicht voran.

Der Appell der Schulleiterin für das Franziskaneum war eindringlich. „Bitte prüfen Sie alle Möglichkeiten für eine standortnahe Erweiterung, die zeitnah umzusetzen ist.“ Die Mitglieder des Stadtrats-Ausschusses für Soziales und Kultur hatten da schon die Richtung des Einlenkens vorgegeben. Ihrem Votum, den Beschluss zur Gründung eines zweiten Gymnasiums in den Auftrag zur Variantenuntersuchung umzuwandeln, folgte das Stadtrats-Plenum einstimmig.

Bürgermeister Markus Renner und mehrere Stadträte versuchten, die Lehrer, Schüler und Eltern zu beruhigen. Die Idee zur Neugründung eines Gymnasiums sei nicht gegen das Franiskaneum gerichtet gewesen. „Es geht stattdessen um die Entwicklung einer wachsenden Stadt“, so Renner. Stadträtin Dorothee Finzel von den Freien Bürgern schilderte, dass man mit der Ankündigung der Gymnasiums-Neugründung Bewegung in ein festgefahrenes Thema bringen wollte. Die Schulnetzplanung für den Landkreis sei veraltet. Nach dem diesjährigen Andrang an den Gymnasien in Meißen und Coswig bestehe dringender Handlungsbedarf. Das sei nun offenbar überall durchgedrungen. Noch in diesem Jahr soll die Fortschreibung der Schulnetzplanung beginnen.

Die Stadträte waren auch selbstkritisch. Es habe „geknallt“, weil die Betroffenen nicht schon im Vorfeld einbezogen worden seien, sagte Heiko Schulze, Fraktionschef von Grünen, SPD und Freien Bürgern. „Wir müssen mit den Akteuren handeln und sie nicht nur über Entscheidungen informieren.“ Ähnlich äußerte sich Martin Bahrmann von der FDP: „Wir sollten nicht immer wieder Probleme provozieren. Wir dürfen uns nicht scheuen, die Betroffenen einzubeziehen.“ Falk Werner Orgus, Fraktionschef der CDU, forderte eine Sondersitzung des Stadtrats, bei der ausschließlich das Thema „städtische Schulentwicklung“ diskutiert werden soll. Als Termin dafür schlug er den 29. August vor.