Stützen und Stahlseile für die Jahnhalle

Die Spuren des jahrelangen Verfalls sind zu sehen, die des Wiederaufbaus aber auch: In der Meißner Jahnhalle hat die Notsicherung begonnen Foto: Stadt Meißen

Die Meißner Bürgerstiftung legt bei der Sanierung der Jahn-Sporthalle Tempo vor. Derzeit wird das Gebäude gesichert, die Bekämpfung des Hausschwamms soll bald beginnen.

Jahrelang war die Jahnhalle am Meißner Jüdenberg ein sehr stiller Ort. Innen verlassen und staubig, von außen zugewuchert: Seit die Sporthalle 2005 wegen Schwammbefall geschlossen worden war, verfiel sie.

Doch seit wenigen Monaten herrscht Aufbruchstimmung an der Jahnhalle. Die Wege zum Gebäude sind ebenso mustergültig aufgeräumt wie das Außengelände. Und auch im Inneren der Halle hat sich viel getan. Statt gelegentlicher Vandalentreffen gibt es hier nun Tag für Tag Baugeräusche. In einem ersten Schritt wird die als Denkmal geschützte Halle gesichert.

Denn ihr momentaner Zustand sei schlecht, bestätigt Zimmerermeister Glen Heinitz, der die Notsicherung leitet. „Gehen Sie nicht über die roten Markierungen“, warnt er die Journalisten, die sich bei einem Baustellenrundgang in der Jahnhalle umschauen dürfen. Die Zimmerleute haben sich die Balken und die hölzernen Fußböden genau angeschaut und etliche morsche Stellen entdeckt. In manchen Winkeln könnten Unvorsichtige bis in die darunterliegende Etage oder das Kellergeschoss durchbrechen.

Noch bedrohlicher sei derzeit aber der Zustand der Tragstützen, die das imposante Tonnengewölbe der Halle halten, sagt Heinitz. Ihr Holz sei vor allem an den Fußpunkten verrottet. Glen Heinitz und seine Zimmerer haben deshalb die Stützen mit großen Balkengerüsten unterfangen. Ein weiteres Problem für die Jahnhalle seien die Kräfte, die die Wände nach außen drücken. Bei einem maroden Tragwerk könnten schon schwere Stürme die Standsicherheit der Halle bedrohen. Um dem Gebäude Stabilität zu geben, hat man deshalb sechs Stahlseile von Wand zu Wand durch die Halle gespannt.

Die Notsicherung sei damit aber noch nicht abgeschlossen, sagt Ina Heß von der Meißner Bürgerstiftung. Die Stiftung hat die Jahnhalle im vergangenen Jahr für einen symbolischen Preis von der Stadt gekauft. Ihr Ziel ist es nun, das Gebäude zu sanieren und in eine öffentlich zugängliche „Bewegungslandschaft“ umzuwandeln, in der alle Meißner sich treffen, spielen und Sport treiben können. Dazu muss aber zunächst einmal der Hausschwamm in Gebälk und Gemäuer beseitigt werden: der nächste große Schritt zur Sanierung.

Die Schwammbeseitigung in der Jahnhalle wird rund 40.000 Euro kosten, sagt Ina Heß. Für diese Sicherungsmaßnahme gibt es zwar Fördermittel. Am benötigten finanziellen „Eigenanteil“ fehlen der Stiftung aber noch rund 10.000 Euro. Die Spendensammlung unter dem Titel „Der Schwamm muss raus“ ist deshalb zurzeit eines der wichtigsten Anliegen der Bürgerstiftung. Hilfe bei der Schwammsanierung hat bereits der Verein „Internationaler Bauorden“ zugesagt. In seinem Auftrag werden im August acht Jugendliche aus verschiedenen Ländern in Meißen zu Gast sein. In der Jahnhalle werden sie an vom Schwamm befallenen Wänden Holzpaneele abnehmen, Putz abschlagen und befallene Teile des Fußbodens entfernen.

Auch die Unterstützer der Bürgerstiftung werden „Eigenleistungen“ bei der Schwammsanierung erbringen. Bislang gab es schon zehn Arbeitseinsätze, bei denen freiwillige Helfer die Halle und das angrenzende Gelände beräumten. „Der Zuspruch ist groß“, sagt Ina Heß. „Jedes Mal kommen auch neue Helfer dazu.“ Viele berichteten von ihren Erinnerungen an Sportstunden in der Jahnhalle. „Das Gebäude ist in Meißen noch gut bekannt. Das hilft uns natürlich.“

Auf dem früheren Sportplatz hinter der Halle sieht man schon, wie die Pläne der Stiftung Schritt für Schritt umgesetzt werden. Seit einigen Tagen gibt es da nun eine neue Slackline-Anlage. Auch die Planungen für die Umgestaltung der Halle seien jetzt fast abgeschlossen, sagt Ina Heß. „Wir wollen die Unterlagen in den nächsten Tagen zur Genehmigung einreichen.“ Geräte zum Klettern und Turnen, ein Café, Räume für Gesundheitsdienstleister soll es in der Jahnhalle geben. Nach derzeitigen Schätzungen liegen die Kosten für den entsprechenden Umbau des Gebäudes und des Außengeländes bei rund zwei Millionen Euro.

Die Bürgerstiftung wirbt dafür um Spenden. Um die Pläne bekannter zu machen, wird die Halle schon jetzt hin und wieder für Besucher geöffnet: das nächste Mal zur Meißner „Langen Nacht“ am 18. August.

Die IBAN-Nummer des Spendenkontos lautet DE218505 5000 0500 1385 91, die BIC-Angabe ist SOLADES1MEI. Inhaber des Kontos ist die Bürgerstiftung Meißen.