"Zurück auf Los" bei der Vergabe der Jahnhalle

Die als Baudenkmal geschützte Jahnsporthalle am Meißner Jüdenberg wurde 2005 wegen Schwammbefall geschlossen. Seither verfällt das Gebäude. Foto: Archiv

Wer bekommt die Immobilie am Meißner Jüdenberg? Die Stadt stoppt die laufende Ausschreibung. Die Vergabe soll unter geänderten Prämissen neu gestartet werden.

In Sachen Jahnsporthalle gibt es überraschende Neuigkeiten. Die Stadt Meißen will das seit Monaten laufende Ausschreibungsverfahren für die Immobilie ohne Ergebnis beenden. Das Grundstück soll geteilt und dann neu ausgeschrieben werden.

Auf Anfrage verweist die Stadtverwaltung auf eine entsprechende Entscheidung der Meißner Stadträte. „Die Mitglieder des Verwaltungsausschusses haben sich vor einiger Zeit darauf verständigt, das Grundstück zu teilen“, heißt es. Die Immobilie umfasst neben der seit Jahren wegen Schwammbefall gesperrten und verfallenen Sporthalle samt Nebengelassen auch ein unbebautes Außengelände.

Die über 100 Jahre alte Turnhalle in schöner Lage nahe der Altstadt ist als Baudenkmal geschützt. Alle Bemühungen um eine Sanierung endeten bisher ergebnislos. Nachdem ein Sportverein sich mehrere Jahre erfolglos um Fördermittel für das Bauvorhaben bemüht hatte, nahm die Stadt die Halle zurück. Eine erste Ausschreibung wurde bereits aufgehoben, weil nur ein Bewerber sein Interesse bekundete. Die aktuell noch laufende zweite Ausschreibung wurde im September 2015 gestartet.

Zwei Kandidaten waren bislang im Rennen um die Jahnhalle. Bauunternehmer Uwe Risse kündigte an, in der Halle und auf der angrenzenden Fläche Wohnungen schaffen zu wollen. Eine Initiative von Meißner Bürgern will dagegen eine Bürgerstiftung gründen, die die Halle restauriert und allen Meißnern als „Sport- und Bewegungslandschaft“ zugänglich macht.

Unter Moderation der Stadtverwaltung wurde in den vergangenen Monaten versucht, beide konkurrierende Konzepte zu vereinen. Es gab Optimismus, dass das gelungen sei. Die Bürgerinitiative reichte bei der Stadt eine entsprechend geänderte Bewerbung ein. Die „Bewegungslandschaft“ sollte eingegrenzt und das Außengelände auch für andere Zwecke nutzbar werden.

Von der Ankündigung, dass die Ausschreibung nun ohne Ergebnis abgebrochen wird, ist Ina Heß, die Sprecherin der Initiative, überrascht. „Wir wurden darüber noch nicht offiziell informiert.“ Angesichts dessen könne man auch nicht sagen, wie und unter welchen Umständen man sich an der offenbar geplanten Neuausschreibung beteiligt.

Die Stadtverwaltung kündigt an, dass das gesamte Prozedere zur Vergabe der Jahnhallen-Immobilie noch einmal von Null startet. Durch die geplante Teilung des Grundstücks seien die Voraussetzungen der bisherigen Ausschreibung geändert: „Die Ausschreibung aus dem Jahr 2015 muss daher aufgehoben werden.“ Die Bewerber würden darüber „in Kürze“ in Kenntnis gesetzt. Derzeit bereite man eine neue öffentliche Ausschreibung vor.

Die kann sich wieder über Monate hinziehen. Am Ende entscheidet der Stadtrat, wer die Halle bekommt. Das Baudenkmal verfällt unterdessen weiter. Zum jahrelangen Leerstand kommt ein Vandalismus-Problem. Trotz Sicherung durch die Stadt wurde erst jüngst wieder ein Zugang zur Jahnhalle aufgebrochen.