Gemeinsam wird die Prinzessin erweckt

Hier braucht es gleich zwei Helden, um das schlummernde Dornröschen (Hannah Hupfauer) zu wecken: Prinz (Moritz Gabriel) und Küchenjunge (Johannes Krobbach, re.) übernehmen das gemeinsam. Im Hintergrund schläft auch der Küchenchef (Julia Rani). Foto: Jungnickel

Die Landesbühnen Sachsen haben das Märchen von Dornröschen neu inszeniert. Das Stück ist ein Loblied auf die Kraft der Freundschaft.

Prinzessin zu sein, ist gar nicht so angenehm, wie sich das Außenstehende denken. Dornröschen darf zu ihrem 15. Geburtstag zwar nach Herzenslust schlemmen: Die königlichen Leibköche haben Torten, Pommes und Würstchen aufgefahren. Doch alles wissen darf sie noch längst nicht. Warum lässt ihr Vater, der König, jeden ihrer Schritte überwachen? Warum darf sie keine spitzen Gegenstände anfassen? Und was steht eigentlich in diesem kleinen, entlegenen Turmzimmer?

Die Landesbühnen Sachsen haben in ihrer neuen „Dornröschen“-Inszenierung unter Regie von Steffen Pietsch eine kindgerecht schöne und helle Prinzessinnen-Welt auf die Bühne gezaubert (Ausstattung: Katharina Lorenz). Dornröschen (Hannah Hupfauer) wächst behütet und liebevoll umsorgt auf. Sie ist ein freundliches, wenn auch manchmal ungeduldiges Mädchen. Aber kann man das nicht verstehen, wenn einen der – nicht minder freundliche – Vater (Matthias Henkel) kaum aus den Augen lässt, einem etwas trottelige Wachen hinterherschickt und selbst der dicke Chefkoch (Julia Rani) einem einfach so das Abhauen vermasselt? Dabei will Dornröschen doch eigentlich bloß wissen, was da alle vor ihr zu verstecken versuchen.

Na klar, den Fluch der bösen Fee. Doch die kommt natürlich trotzdem zum Zug: Ein Glück, denn sonst hätte die Inszenierung auf ihre heimliche Hauptdarstellerin verzichten müssen. Sophie Lüpfert macht aus der Herrin der Spindel eine Fürstin der Finsternis, die böse, liebesbedürftig und weise zugleich ist. Aufgeregtes Geschnatter im Zuschauerraum zeigt, dass diese böse Fee genau das richtige Maß an Schrecken verbreitet, um von den Kindern ernst genommen zu werden, ohne sie aber gleich zum Weinen zu bringen.

Die neue Radebeuler Märchen-Inszenierung wagt eine Erweiterung des klassischen Dornröschen-Stoffs. Sie konzentriert sich auf einen Küchenjungen (Johannes Krobbach), der vor einer Ohrfeige seines Chefs ausreißen will und dadurch dem Schlaf-Fluch entkommt. Die böse Fee nimmt ihn wider Willen einfach mit in ihr Reich.

Dort wird er mit Zaubern festgehalten und muss erleben, wie immer wieder Helden versuchen, die mittlerweile hinter einer dicken Dornenhecke vor sich hin schlummernde Prinzessin zu erwecken. Doch keinem ist das bisher gelungen. Bis ein Prinz (Moritz Gabriel) des Weges kommt, dessen Selbstbewusstsein allein die verzauberte Hecke sprengen müsste. Doch so großmäulig ist er dann doch gar nicht. Küchenjunge und Prinz werden Freunde und verbrüdern sich gegen die böse Fee.

So rückt das Märchenstück statt der einsamen Heldentat den Wert von Freundschaft in den Mittelpunkt. Gemeinsam gelingt die Befreiung der Prinzessin. Das machen auch von Sebastian Undisz geschriebene Lieder deutlich. Die Hexe muss verschwinden, Dornröschen darf sich an den Prinzen binden. So summt es sich vergnügt in die Vorweihnachtszeit.

Wieder am 14., 15., 20. und 22. Dezember im Radebeuler Theater