Die Epoche der Arnims auf Schloss Muskau

Juwel von Landschafts- und Schlossarchitektur mit Status eines UNESCO-Weltkulturerbes: Eine Ausstellung im Schloss Muskau zeigt, wie die Familie von Arnim das Ensemble und die Region prägte Foto: Schlösserland Sachsen/Sylvio Dittrich

Schloss und Park im Nordosten von Sachsen werden meist mit Fürst Pückler verbunden. Doch auch die letzten Schlossherren prägten das Ensemble - wie eine Ausstellung zeigt.

Das Schloss im nordostsächsischen Bad Muskau wird wegen seines berühmten Landschaftsparks stets im Zusammenhang mit Fürst Hermann von Pückler gesehen. Allein: Die Pückler'sche Epoche in Muskau währte vergleichsweise kurz. Der berühmte Landschaftsgestalter hatte das Schloss im Jahr 1811 aus dem Besitz seiner Mutter, einer Gräfin Callenberg, übernommen. Schon 1845 musste er es aber aus Geldnot wieder verkaufen.

Der nächste Eigentümer war Prinz Friedrich der Niederlande, dessen Tochter es zwei Jahre nach seinem Tod 1883 an Traugott Hermann von Arnim verkaufte. Drei aufeinander folgende Standesherren aus dem Geschlecht von Arnim sollten die letzten 62 Jahre der Muskauer Herrschaft prägen. In dieser Zeit entstand ein effizienter, vielfältig verflochtener Wirtschaftsbetrieb auf der Grundlage von ausgedehntem Waldbesitz und Kohlevorkommen. Schuldenfrei wurde das Ganze allerdings erst im Jahr 1944 – wenige Monate vor der Zerstörung und Enteignung. Im wieder aufgebauten Schloss von Bad Muskau kann man sich nun in einer Ausstellung ein Bild der Arnim'schen Epoche machen. Während der Laufzeit der Schau weht noch einmal die Fahne des märkischen Adelgeschlechts über dem Schloss.

Und am Muskauer Marktplatz steht heute noch der Rest eines Denkmals für Traugott Hermann von Arnim. Ein zum Ende des Zweiten Weltkriegs aufgenommenes Foto zeigt dessen Büste neben dem leeren Sockel im Gras der Schlosswiese liegend. Der übrig gebliebene Stein trägt eine Inschrift aus DDR-Zeiten: „Friede allen Völkern“. Der niederschmetternde Anlass für diese Beschwörungsformel wird auf den Fotos sichtbar, die jenes zeigen, was der Krieg auslöschte.

Viele Bauten zum Beispiel: Selbst vom Neuen Schloss standen jahrzehntelang nur die ausgebrannten Grundmauern da. Hermann und Alexandra, die hochbetagten Arnims, die als letzte auf Muskau residiert hatten, wurden nach der deutschen Wiedervereinigung noch in ihrer alten Heimat willkommen geheißen. Den Abschluss der Restaurierungsarbeiten am Schloss im Jahr 2011 konnten sie freilich nicht mehr erleben.

In der Ausstellung zeigen nun die Bildnisse des bulgarischen Porträtisten Nicola Michailow den Landwirt und die Pferdezüchterin in voller Größe und in ihren besten Jahren auf Muskau. Zwei Generationen zuvor verklärte Friedrich Kaulbachs Gemälde Karoline von Arnim zur Märchenschönheit im weißen Kleid mit vollem dunklem Haar. Die geborene Gräfin von Bismarck-Bohlen war unter Pseudonym auch als Schriftstellerin tätig und stand mit dieser Neigung unter den Muskauer Gräfinnen nicht allein. Ein Aquarell des Schlosses weist sie zudem als eine beflissene Freizeitmalerin aus.

Familienalben, Porzellan und Besteck mit den Markierungen der Besitzer, Kleidungsstücke, aber auch Produkte aus der Fabrikation der Arnim'schen Industrie zeigen alle Facetten des Lebens auf Muskau. Standesherrlich und unternehmerisch, privatim und repräsentativ, politisch und wirtschaftlich werden die Arnims sichtbar. Als der deutsche Kaiser 1893 Muskau besuchte, wurde im Park gegenüber der „Hermannseiche“ des Grafen Pückler ihm zu Ehren eine „Wilhelmseiche“ gepflanzt. Kampfhandlungen am Ende des Zweiten Weltkriegs besiegelten das Schicksal beider Bäume.

Bis 1945 hatte sich die Tatsache eines über mehrere Generationen anhaltenden Familienbesitzes günstig auf die Strukturentwicklung der gesamten Gegend ausgewirkt. Die Arnims führten ein umfangreiches Unternehmen zum Erfolg. Dazu gehörten die Glashütte Jämlitz, eine Dampfziegelei, ein Sägewerk, eine Papier- und Kartonagenfabrik, der Braunkohlebergbau und der Kurbetrieb. Die heute touristisch betriebene Waldeisenbahn von Weißwasser nach Bad Muskau und Kromlau geht auf die „Gräflich von Arnimsche Kleinbahn“ zurück, die den Kreislauf an Rohstoffen und Waren zwischen den einzelnen Betrieben abwickelte.

Die letzten Arnims hatten sich unter anderem für die Bedürfnisse der sorbischen Bevölkerung in ihrer Herrschaft eingesetzt. Doch auch die schillernden Facetten des Fürsten Pückler fanden unter den letzten Herren auf Muskau noch eine Entsprechung. Vor dem nüchternen Aufschwung des Industriestandorts hatte der Kavallerist Adolf Graf von Arnim-Muskau in Muskau einen Golfplatz und eine Reithalle errichtet. Der Sportsmann war Präsident des Automobilklubs und Mitglied des Olympischen Komitees. Er initiierte den Schlossumbau ab 1919. Seit 1925 war am Schloss dann wieder ein hellroter Anstrich wie zur Pückler-Zeit zu sehen.

Die Stiftung verweist darauf, dass ohne die anhaltenden Bemühungen seiner letzten Nachfolger „die flüchtigen Ideen und Fragmente Pücklers nicht manifestiert und in ein stimmiges Ganzes zusammengeführt worden wären“. Ergänzend zur Ausstellung hat Kai-Uwe Kohlschmidt das Hörspiel „Jedem Haus ein Geist soll bleiben. Das Ende einer Standesherrschaft“ produziert. Dieses akustische Panorama wird am 9. September ab 15.00 Uhr auf der Muskauer Schlosswiese noch einmal live entfaltet.

„Die Grafen Arnim als Muskauer Standesherren“ bis zum 9. September 2018, täglich 10 bis 18 Uhr im Schloss Muskau