Eine Stadt, die Stoff für Bilder bietet

Meißen, gemalt von Alexander Dettmar Foto: Albrechtsburg

Der Künstler Alexander Dettmar stellt derzeit seine Werke in der Albrechtsburg und der Evangelischen Akademie aus - und kommt immer wieder nach Meißen, um die Stadt zu malen.

Meißen reizt ihn, sagt Alexander Dettmar. „ Es gibt hier so viele interessante Blickwinkel.“ Wenn er von der Altstadt auf den Burgberg schaue, frage er sich, wie die Menschen vor hunderten Jahren ohne ausgefeilte technische Hilfsmittel die riesigen Bauten von Dom und Albrechtsburg errichtet hätten. „Und wenn ich vom Burgberg auf die Stadt schaue, gefällt mir die Sicht auf die Dächer der Altstadt. Dieser Anblick hat etwas Heiteres und Fröhliches.“

Der Maler Alexander Dettmar nimmt sich Zeit, seine liebsten Blicke auf Meißen zu entdecken und sie dann auf Gemälden festzuhalten. Seit er im Frühjahr zwei Ausstellungen seiner Werke in der Albrechtsburg und in der Evangelischen Akademie eröffnen konnte, kommt er immer wieder in die Stadt. Ein temporäres Meißner Atelier hat der 65-jährige Wahl-Berliner derzeit in einem der Domherrenhäuser am Domplatz.

Hier trocknet gerade auch sein jüngstes Gemälde: eine Stadtansicht von Meißen. Mit kräftigem Pinselstrich das Dächergewirr der Altstadt vor den Hängen des Triebischtals. Unterschiedlichste Schattierungen von Rot und Grün, markant in der Mitte der Turm der Frauenkirche. Das Bild ist stimmungsvoll, ohne kitschig zu sein.

Wie schafft es Dettmar, dem Bild eine Atmosphäre zu geben, auch wenn – wie immer bei seinen Stadtansichten – keine Menschen zu sehen sind? Doch, doch: Das menschliche Element spiele sehr wohl eine Rolle, sagt der Künstler. „Ich bin in der Stadt unterwegs und komme mit den Meißnern ins Gespräch. Die Stimmung, die mir das vermittelt, beeinflusst meine Bilder.“ Meißen, wie es Alexander Dettmar zeigt, ist eine fröhliche Stadt mit einigen melancholischen Untertönen.

Andere Meißen-Bilder des Künstlers finden sich in der derzeitigen Sonderausstellung der Albrechtsburg. Unter dem Titel „Zwiesprache“ werden dort Gemälde Dettmars zusammen mit Skulpturen von Ernst Barlach gezeigt. Was den norddeutschen Bildhauer und den „Stadt-Maler“ eint, ist der Anspruch, mit Kunst ein Abbild des Lebens zu schaffen. Barlach setzte die Menschen ins Bild, denen er zum Beispiel auf Reisen begegnete. Dettmar will die Atmosphäre jener Städte einfangen, die ihn faszinieren.

An der habe immer auch die Geschichte einen großen Anteil, sagt der Maler. Dicht bebaute Straßen und Gassen, Architektur aus früheren Jahrhunderten, die Erinnerung an Leben bewahrt, die einst hier gelebt wurden: „Die alten Städte haben ein menschliches Maß.“ So auch Meißen.

Noch macht Alexander Dettmar hier immer wieder neue Entdeckungen, findet interessante Blickwinkel, die er in seinen Bildern festhält. Der jetzige Arbeitsaufenthalt soll nicht der letzte gewesen sein. Seine Ausstellungen in der Albrechtsburg und der Evangelischen Akademie laufen noch bis zum 22. Juli. Vielleicht komme noch eine weitere Schau in der Stadt zustande, sagt Dettmar. Der Dom wäre ein idealer Ort, um seinen Blick auf Meißen zu zeigen.