Interesse an der "Bürgerstiftung" wächst

Meißner Bürger wollen eine Stiftung gründen, die zunächst die Jahnturnhalle retten soll. Für diese noch junge Idee gibt es schon rund 80 Unterstützer.

Aus der „Initiative“ ist die „Bürgerstiftung Meißen in Gründung“ geworden. Der neue Name kommt nicht von ungefähr. Er soll zeigen, dass man es ernst meint mit dem Vorhaben, in Meißen eine „Bürgerstiftung“ einzurichten. „Wir reden nicht nur darüber, wir sind schon auf dem Weg“, sagt Bill Quaas.

Der Meißner Malermeister gehört zu den Unterstützern der Stiftungsgründung. Die soll zunächst einem Ziel dienen: der Erhaltung und dem Umbau der Jahnturnhalle am Jüdenberg zu einem jedermann zugänglichen Sport- und Bewegungsraum. Dauerhaftes Engagement für die Stadt gegen Nutzungsrecht für ein verfallenes Baudenkmal: So wollen die stiftungswilligen Meißner Bürger mit Verwaltung und Stadtrat ins Geschäft kommen.

Was eine „Bürgerstiftung“ leisten kann, sieht man in Dresden. Dort gibt es seit 1999 eine Stiftung, in die Bürger Geld einzahlen. Das Kapital ist seit dem Start von 51.000 auf über 3,1 Millionen Euro gewachsen. Mit den Erträgen initiiert und unterstützt die Stiftung ehrenamtliches Engagement, fördert Denkmalschutz-Projekte und Kultur. Ähnliches wollen nun gut 80 Meißner in ihrer Stadt auf die Beine stellen. Hier soll die Rettung der verfallenen Jahnhalle das erste Projekt einer künftigen „Bürgerstiftung“ sein.

Die „Bürgerstiftung Meißen in Gründung“ ist Bewerberin bei der aktuellen Ausschreibung der Jahnhalle. Nach einem gescheiterten Sanierungsanlauf ist die Zukunft des seit zehn Jahren leer stehenden Baudenkmals wieder völlig offen. In Rede stand bereits die Nutzung des Jahnhallen-Geländes als Baugrund für neue Wohnhäuser. Die Bewerbungsfrist ist seit Ende September abgelaufen. Die Meißner Stadtverwaltung hüllt sich seither sowohl zur Zahl der Bieter, als auch zu deren Konzepten und zum Auswahlprozedere in Schweigen.

Die „Bürgerstiftung Meißen in Gründung“ wirbt offensiv für ihr Konzept. Ende November dürfe man die Pläne den Stadträten vorstellen, heißt es von der Gruppe. Das Anliegen ist klar: „Wir wollen die Jahnhalle als einen öffentlich zugänglichen Ort erhalten“, sagt Bill Quaas. Die nahe der Innenstadt gelegene Turnhalle mit ihrem großen Außengelände sei ein Schatz für Meißen. Den solle man nicht einfach für private Wohnbebauung aufgeben. Auch Katrin Witte, Chefin der Meißner „Herberge Orange“ und ebenfalls im Kreis der Stiftungsgründer, pflichtet dem bei. „Wir können eine Sporthalle gut gebrauchen, die jeder auch ohne Vereinsbindung nutzen kann. In anderen Städten gibt es Ähnliches. Das schaffen wir also auch.“

Rund 80 Meißner und mit Meißen Verbundene haben sich mittlerweile als Unterstützer der Bürgerstiftungs-Gründung gemeldet. „Das sind Leute jeden Alters und aus allen Schichten“, sagt Ina Heß, die zu den Ideengebern gehört. Auch Stadträte seien darunter.

Die Vorteile einer Stiftung gegenüber einer einfachen Spendensammelaktion lägen auf der Hand, sagt Heß. Das von den Bürgern eingezahlte Geld bleibe dauerhaft als Stiftungskapital erhalten. Eine Stiftung sei steuerlich begünstigt und könne noch weit mehr Zwecke haben, als nur die Sanierung eines Bauwerks. „Die Unterstützung von Kultur, Jugend, Bildung, Sozialem und Denkmalschutz: Das sind einige übliche Zwecke einer Bürgerstiftung.“

Die Meißner würde zunächst als treuhänderische Stiftung der Dresdner Bürgerstiftung starten. Mehrere Meißner hätten bereits Startkapital zugesagt: Rund 10.000 Euro bekäme man zusammen, so Ina Heß. Gegründet werden soll aber nur, wenn die Stadt der Gruppe tatsächlich die Jahnhalle zuspricht. Das versteht man als Ansporn: „Wir müssen die Stadträte für unsere Idee begeistern“, sagt Katrin Witte.

Klar ist aber auch, dass die Sanierung der Jahnhalle nur aus dem Stiftungsertrag nicht zu schaffen ist. Laut dem Konzept der Gruppe kosten Erhalt und Umbau zum öffentlichen „Bewegungsraum“ rund zwei Millionen Euro. Um diesen Betrag zusammenzubekommen, würde die Bürgerstiftung auch Fördermittel beantragen, Spenden sammeln und um weitere Stifter werben.

Von jetzt auf gleich hätte man also noch keine restaurierte Jahnturnhalle. „Aber Haus und Gelände haben so lange brach gelegen“, sagt Bill Quaas. „Für einen guten Ausgang sollte man sich jetzt noch ein wenig Zeit lassen.“ Dass engagierte Bürger in Meißen etwas bewegen können, zeige schließlich die Geschichte der Halle selbst. 1895 wurde sie gebaut: nicht von Stadt oder Staat, sondern von den Mitgliedern des Meißner Turnvereins „Frisch auf“.

Wer Interesse an der Gründung einer Meißner „Bürgerstiftung“ hat, kann sich per E-Mail an die Organisatoren wenden. Die Adresse lautet Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .