Rettet eine Bürgerstiftung die Jahnhalle?

Die Jahnhalle ist seit Jahren geschlossen und verfällt. Die Stadt sucht nun Interessenten für das marode Baudenkmal und das umgebende Grundstück. Foto: Archiv

Die Stadt Meißen hatte die marode Immobilie ausgeschrieben. Zu den Bewerbern gehört eine Gruppe, die die Sporthalle mit einer Bürgerstiftung sanieren und für die Meißner öffnen will.

Um die Meißner Jahn-Sporthalle wird es wieder spannend. Nachdem Ende September eine von der Stadt gesetzte Angebotsfrist für die Veräußerung des baufälligen Gebäudes und des umgebenden Areals endete, geht jetzt eine Bewerbergruppe mit ihrem Konzept an die Öffentlichkeit. Mehrere Meißner haben sich zusammengefunden, um eine „Bürgerstiftung“ zu gründen. Sie soll die Jahnhalle als „Bewegungslandschaft“ neu gestalten.

Die stünde allen Bewohnern der Stadt offen, sagt Ina Heß, die vielen Meißnern durch ihre Arbeit für die Afra-Kirchgemeinde bekannt ist. Das Konzept für die neue Nutzung der Jahnhalle hat sie gemeinsam mit einer Gruppe von Mitstreitern entwickelt, zu denen unter anderem die Sportwissenschaftlerin Johanna Heß, und Grit Hampel, Tochter des Sportlers Rainer Hampel und Übungsleiterin beim Turnverein „Frisch auf“, gehören. „Eine Bewegungslandschaft ist eine Zusammenstellung verschiedener Sportgeräte“, erklärt Johanna Heß. „Jeder kann sie selbstständig und ohne Anleitung nutzen. Sie sind für jedes Alter geeignet und trainieren unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten.“

Freiluft-Fitnessgeräte, Kletterparcours, Spielplatz und Hangelstange sollen auf dem Außengelände der Jahnhalle zur Verfügung stehen. Ähnliches ist auch im Inneren der Halle geplant. „Es geht um eine Anlage, die Eltern und Großeltern gemeinsam mit Kindern oder jeder für sich nutzen kann“, sagt Ina Heß. Die Jahnhalle wäre Treffpunkt für Meißner jeden Alters, die sich gern sportlich bewegen oder einfach nur austoben wollen. Das wäre noch nicht alles. In ihrem Konzept sieht die Gruppe auch ein Café in der Jahnhalle vor. Im Obergeschoss sollen Räume eingerichtet werden, die Meißner Vereine für Treffen oder Büroarbeiten nutzen können.

„Wichtig ist uns, dass die Halle ein öffentlich zugänglicher Ort bleibt, an dem sich Menschen gern bewegen“, sagt Grit Hampel. Denn solche Orte gäbe es vor allem im Meißner Stadtzentrum kaum. „Die Jahnhalle ist ideal an die Altstadt angebunden. Man kommt sehr schnell zu Fuß dorthin.“

Allerdings wird die „Wiedererweckung“ der über 100 Jahre alten Sporthalle nicht billig. Wegen Schwammbefall ist sie seit 2005 geschlossen. Trotz „Notsicherung“ hat die Bausubstanz schwer gelitten. „Wir reden über Sanierungskosten von gut zwei Millionen Euro“, sagt Ina Heß. „Das ist natürlich kein Pappenstiel und wir haben das Geld auch nicht auf irgendeinem Konto.“ Eine Meißner „Bürgerstiftung“ soll gegründet werden, die die Sanierung organisiert und einen Teil der Kosten trägt.

Was die Stiftungsgründung angeht, hat die Bewerbergruppe bereits in Dresden vorgefühlt. Die dortige Bürgerstiftung arbeitet seit Jahren mit Erfolg. Sie würde bei der Gründung einer zunächst unselbstständigen Meißner Bürgerstiftung Pate stehen. „Langfristig sollte die Meißner Stiftung selbstständig werden“, sagt Ina Heß. Vorteil der unselbstständigen Gründungskonstruktion wäre aber der geringere Finanzbedarf. 25.000 Euro müssten von den Stiftern eingesammelt werden.

Einige Meißner seien bereits bereit, Geld in eine zukünftige Stiftung einzuzahlen, sagt Ina Heß. Einer von ihnen ist der Mathematiker Dr. Norbert Herrmann. „Wenn die Bürgerstiftung die Jahnhalle saniert, unterstütze ich das gern“, sagt er. „Als Begegnungsstätte für die Meißner ist die Halle sehr interessant. Außerdem gibt es in der Altstadt für Kinder kaum Plätze zum Spielen.“

Der Stiftungsertrag würde kaum ausreichen, das Bauvorhaben umzusetzen. Man plane eine gemischte Finanzierung mit Geld von der Stiftung, Fördermitteln und Spenden, sagt Ina Heß. Das sei nicht von heute auf morgen erledigt und brauche auch Unterstützung von Stadtverwaltung und Stadtrat. „Die Stiftung würden wir gründen, wenn wir den Zuschlag für die Halle bekommen.“ Wenn die Halle saniert sei, könnte die Stiftung weitere Aufgaben in Meißen übernehmen. Kultur, Denkmalschutz, Sport und Jugendarbeit wären mögliche Felder für ihr Engagement.

Die Stadt hält sich zur Zukunft der Jahnsporthalle derzeit bedeckt. Aus Rücksicht auf jetzt anstehende Verhandlungen wolle man sich nicht dazu äußern, wie viele Bieter sich bis Ende September um die Übernahme der Immobilie beworben haben, heißt es von der städtischen Verwaltung. „Derzeit werden alle Angebote gesichtet und bewertet, bevor sie in den zuständigen Stadtratsgremien zu diskutieren sein werden.“