Historische Wandmalereien jetzt in 3-D

Die blinde Meißnerin Sigrid Wünsche ertastet das neue 3-D-Druckmodell

Ein neues Angebot für Blinde und Sehbehinderte wurde in der Albrechtsburg Meißen vorgestellt

„Es ist das erste 3-D-Wandbild, das in Deutschland, ich vermute sogar weltweit, für einen Museumsbereich entwickelt wurde“, freute sich der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsens, Dr. Christian Striefler. Gemeinsam mit Projektleiterin Tina Richter aus seinem Hause, dem Leiter der Albrechtsburg Meißen, Uwe Michel, und Vertretern des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Sachsen stellte er dieser Tage das erste von insgesamt sechs geplanten historischen Wandbildern der Albrechtsburg Meissen in Form eines 3-D-Modells für sehbehinderte und blinde Burgbesucher vor.

„Wir haben damit Neuland beschritten. Das Ziel war klar, der Weg dahin musste erst gefunden werden. Was für sehende Menschen im Schloss wahrnehmbar ist, wollen wir auch für Blinde und Sehschwache erfühl- und erlebbar machen. Wir sind gespannt, ob uns das mit unserer Premiere gelingt“, so Dr. Christian Striefler. Auch Burgchef Uwe Michel ist vom Ergebnis begeistert: „Inklusion ist bei uns zunehmend ein Thema. Wir wollen niemanden in unserem Haus ausschließen. So werden die Gebäude des Schlösserlandes derzeit so barrierefrei wie möglich erschlossen. In der Albrechtsburg gibt es schon einen Aufzug, barrierefreie Zugänge und eine behindertengerechte WC-Anlage. Per iPod ist eine Gebärdenführung für Taube und Schwerhörige möglich. Darüber hinaus bieten wir spezielle Führungen sowie Lesungen am Kamin für Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen an. Nun sind wir mit dem neuen Angebot für Sehschwache und Blinde wieder einen Schritt weiter“.

Dafür kam innovative 3-D-Druck-Technik zum Einsatz. Damit können zweidimensionale Motive dreidimensional in DIN-A3-Größe dargestellt werden. Entstanden ist ein erstes detailreiches Modell mit reliefartiker Haptik, das es so vorher noch nicht gegeben hat, wie auch André Brendle vom Landesvorstand des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Sachsen hervorhob. Mitglieder des Verbandes hatten das Projekt mit ihren Anregungen in den vergangenen Monaten sehr unterstützt. So wurden auf ihre Empfehlung die Testmodelle, die anfangs nur weiß gefärbt waren, mit intensiven, kontrastreichen Farben versehen. „Wichtig war uns vor allem, die räumlichen Ebenen und Details des zwei Meter großen Originalwandbildes korrekt in Tiefe und Dynamik zu erschließen und herauszuarbeiten, ohne zu übertreiben“, erklärte Projektleiterin Tina Richter. Das war mit dem bisher üblichen Schaumdruckverfahren nur begrenzt möglich.

Der erste gelungene Test, der in Zusammenarbeit mit den Firmen „rapidobject“ aus Leipzig und „graphicus“ aus Chemnitz entwickelt wurde, zeigt die dreidimensionale Darstellung des Motivs „Die Gründung der Burg Meißen durch Heinrich I. im Jahr 929“ von Anton Dietrich aus dem Jahr 1877. Das Originalgemälde hängt im Großen Saal im ersten Obergeschoss der Albrechtsburg. Ergänzt werden soll das 3-D-Modell in nächster Zeit noch durch eine angepasste Bildbeschreibung als Audioguide. Das findet die 78-jährige, blinde Sigrid Wünsche aus Meißen hilfreich, die zur Modellpräsentation in der Albrechtsburg mit ihren Händen das 3-D-Modell als eine der ersten ertasten durfte. „Große Details sind für mich gut erfühl- und damit erkennbar, aber Kleinigkeiten, wie beispielsweise den Schuh, hätte ich ohne begleitende Erläuterung allein nicht herausgefunden. Daher wäre ein Audioguide sinnvoll“, sagt sie.