Wieder Hoffnung für die Bahn im Triebischtal?

Zwischen Meißen und Dresden sind die Züge voll. Zwischen Meißen, Nossen und Döbeln fährt man derzeit nur mit dem Bus. Erlebt die Strecke durchs Triebischtal nun aber die Wiederauferstehung des 2015 eingestellten Personenzug-Verkehrs? Foto: VVO

Weil der Freistaat mehr Geld für die ländlichen Regionen Sachsens ausgeben will, wird auch über die Wiedereinführung von Personenzügen zwischen Meißen und Döbeln diskutiert.

Spätestens seit das Wahlverhalten der dortigen Einwohner für Schlagzeilen sorgt, wendet sich Sachsens Landespolitik dem sogenannten „ländlichen Raum“ zu. Gute Lebensbedingungen auch abseits der Großstädte gelten als politisches Ziel – und das hat selbst auf den Nahverkehr Auswirkungen. Weil der Freistaat in der nächsten Haushaltsperiode mehr Geld für den „ländlichen Raum“ ausgegeben will, steht nun sogar die Wiederauferstehung des Personenzug-Verkehrs auf der Strecke Meißen – Döbeln zur Debatte.

Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) bereitet sich zumindest darauf vor. Vorausgesetzt, der Freistaat stelle zusätzliches Geld zur Verfügung, werde man die Bemühungen, wieder Personenzüge auf die Strecke zu bringen, unterstützen, so Verkehrsverbunds-Sprecher Christian Schlemper. Als 2015 die Regionalbahnen zwischen Meißen und Döbeln zum letzten Mal fuhren, sei die Lage eine andere gewesen. Der Verkehrsverbund Oberelbe war knapp bei Kasse. Der Freistaat wollte damals die Weiterleitung der Regionalisierungsmittel des Bundes an die sächsischen Verkehrsverbünde kappen. Der Abschnitt Meißen – Döbeln der Regionalbahnlinie Meißen – Leipzig geriet auf die Streichliste, weil hier bei erklecklichen Fixkosten durchschnittlich nur 13 Fahrgäste pro Zug gezählt wurden.

Die Debatte um Erhalt oder Schließung wurde über Monate geführt. Befürworter verwiesen auf die Kosten und ein verbessertes Bus-Angebot, das die Regionalbahn im Triebischtal ersetzen sollte. Kritiker sahen dagegen das Fahrgast-Potenzial der Bahnstrecke sträflich vernachlässigt. Ihr Argument: Mit besserem Takt und Durchbindung nach Dresden würden sehr wohl mehr Menschen in den Zügen mitfahren. Wie bekannt, setzten sich am Ende die Befürworter der Streichung durch.

Die Befürworter des Zugverkehrs gaben aber trotzdem nicht auf. Die private Nossen-Riesaer-Eisenbahncompagnie betreibt die Strecke Meißen – Nossen zumindest für den Güterverkehr weiter. Der Traum, auch wieder Personenzüge fahren zu lassen, konnte bisher aber nicht umgesetzt werden. Ein Knackpunkt ist nach wie vor die Finanzierung.

Die Landtagsfraktion der Grünen, die schon 2015 gegen das Aus für die Strecke mobilisierte, weist darauf hin, dass auch jetzt die Finanzen noch nicht verbindlich zugesagt seien. „Im aktuell vorliegenden Haushaltsentwurf finden sich bisher keine zusätzlichen Mittel für den VVO und den Verkehrsverbund Mittelsachsen, die diese Strecke bestellen müssen“, so Katja Meier, die verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion. Um tatsächlich Geld einzustellen, brauche es einen Änderungsantrag der Regierungsfraktionen von CDU und SPD. Zwar unterstützten einzelne Abgeordnete dieser Fraktionen die Wiederaufnahme des Personenzugverkehr im Triebischtal. Doch ihre Meinung müsse nun eben auch Fraktionsmeinung werden, damit das Ansinnen Aussicht auf Erfolg habe.

Zumindest der Verkehrsverbund Oberelbe hat sich inzwischen eindeutig zur Wiederaufnahme der Bahnverbindung bekannt. Dabei ist das entsprechende Votum der Verbandsversammlung das eine. Das andere sind neben der Finanzfrage aber auch praktische Hindernisse. Denn der VVO hat Wort gehalten: Als 2015 die Personenzüge eingestellt wurden, hob er ein rundum erneuertes „Busnetz Triebischtal“ aus der Taufe. Im Gebiet zwischen Meißen, Nossen, Lommatzsch und Döbeln wurden Bus-Linienwege zum Teil verändert und die Anzahl der Fahrten deutlich aufgestockt. Das hatte offenbar Erfolg: Der VVO berichtet von zusätzlichen 115.000 Fahrgästen, die man seit 2015 mit den neuen Busverbindungen gewonnen habe.

Wurde vor der Einstellung des Zugverkehrs von dessen Befürwortern die Verlängerung der Regionalbahnlinie bis nach Dresden gefordert, hat der VVO auch auf dieser Strecke Fakten geschaffen. Meißen und Dresden sind mit der S-Bahn verbunden, sie fährt inzwischen im Berufsverkehr im 15-Minuten-Takt. An dieser Veränderung, die ebenfalls viele neue Fahrgäste brachte, dürfte kaum gerüttelt werden.

Der VVO, der die Wiedereinführung von Personenzügen im Triebischtal nun unterstützen will, stellt also eine Bedingung für das Vorhaben: Auch wenn wieder Personenzüge fahren sollten, müsse das 2015 verbesserte Busnetz beibehalten werden. Es sei für die Feinerschließung der Region wichtig, so VVO-Sprecher Christian Schlemper. Die Konkurrenz von Bus und Bahn bliebe damit aber auch ein Thema.