Wissenswertes zu Waschbären und Wildkatzen

Das Moritzburger Wildgehege feierte in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen. Bei einer Festveranstaltung wurden auch Herausforderungen für die heimische Natur betrachtet.

Das Festjahr zum 60-jährigen Bestehen des Wildgeheges Moritzburg ist Ende November beinahe auf den Tag genau mit einer Festveranstaltung im Ballsaal von „Adams Gasthof“ zu Ende gegangen. Jagdgatter für die Versorgung der Hofküche mit Wildbret gab es in den Moritzburger Wäldern bereits im 16. Jahrhundert. Bevor sich sein Schicksal in Russland entschied, jagte hier 1812 Napoleon mit dem österreichischen Kaiser Franz, später dann auch der letzte deutsche Kaiser und der spanische König. Mit dem Ende der deutschen Monarchien vor hundert Jahren gehörten diese höfischen Jagdgesellschaften der Vergangenheit an.

Am 25. November 1958 wurde das Wildgehege neu gegründet und von der staatlichen Forstverwaltung betrieben. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Leiter des Forstbezirks Dresden, Dr. Markus Biernath, begrüßte zur Festveranstaltung die Naturfreunde, Interessenten, Weggefährten und Tierpaten des Geheges, die an zwei langen Tafeln Platz genommen hatten. Als bedeutendstes Ereignis des zurückliegenden Jubiläumsjahres wurde die Einweihung einer neuen Wildkatzenanlage erwähnt. Sie wurde im Oktober im Beisein des sächsischen Staatsministers für Umwelt und Landwirtschaft, Thomas Schmidt, begangen.

Doch die Festvorträge erschöpften sich nicht im Rückblick. Zwei Forscherinnen wussten Neues und Unerwartetes zu Themen mitzuteilen, denen das allgemeine Interesse sicher ist. Aus Berlin war Carolin Weh angereist, Doktorandin am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Sie informierte über den aktuellen Stand der Ausbreitung der Waschbären. Ihr Vortrag lief weitgehend auf eine Rehabilitierung des erfolgreichen Neozoons heraus.

Vor zwei Jahren wurde der Waschbär von der Europäischen Union zu einer „invasiven Art“ erklärt. Weh findet das nicht gerechtfertigt. Durch die Untersuchung von Kotproben und Darminhalten von Totfunden könne bisher eine Konkurrenz zu heimischen Arten ausgeschlossen werden. Der Rückgang heimischer Arten korreliere zwar mit der Ausbreitung der Waschbären, werde aber von dieser nicht verursacht.

In der anschließenden Diskussion führt der Kreisnaturschutzbeauftragte Matthias Schrack die Erkenntnisse mit einem entscheidenden Hinweis zusammen: Vor allem der Maisanbau mäste geradezu den Waschbären – wie auch den Marderhund und das Schwarzwild. Aus den gleichen Ursachen gingen die Vogelpopulationen zurück. Die Verbreitung des Allesfressers sei also lediglich ein Symptom für die Einseitigkeit unseres Feldanbaus. Selbst eine konsequente Bejagung stärke die Art nur in ihrem langfristigen Fortpflanzungsverhalten.

Theresa Warnk betreut für den BUND in Leipzig ein Wildkatzenprojekt und begleitete auch die Einrichtung des 500 Quadratmeter großen Moritzburger Wildkatzengeheges. Eine Überraschung war der erste zweifelsfreie Nachweis der Art 2013 im Leipziger Auwald. Aufgrund der geringen genetischen Variabilität wird eine Einwanderung aus dem östlichen Harz und Sachsen-Anhalt angenommen. Inzwischen leben ein dutzend Tiere im stadtnahen Lebensraum. Sie würden auch in den Moritzburger Wäldern ideale Lebensbedingungen vorfinden, wenn es ihnen gelänge, sich dorthin zu finden.

Doch die zunehmende Fragmentierung der Naturräume macht die Ausbreitung der scheuen Tiere unmöglich. Darum sollen nun in einem „Rettungsnetz Wildkatze“ grüne Korridore geschaffen werden. Der natürliche Bestand der Wildkatze könnte sich dann durch Wanderung in andere Gebiete weiter stabilisieren.

Der Vortrag von Matthias Schrack über den Naturraum „Moritzburger Kleinkuppenlandschaft“ und ein Abriss zur Geschichte des Wildgeheges rundeten die Festveranstaltung ab. Generationen wurden im Moritzburger Wildgehege wichtige Naturerfahrungen vermittelt. Auch in Zukunft werden dort die Besucher durch die Tiere angelockt, sie erfahren „ganz nebenbei“ Wissenswertes über ihre Lebensumgebung.