Bis Jahresende noch einmal weniger Plätze

Der Landkreis Meißen passt die Zahl der Asylbewerber-Unterkünfte weiter der Nachfrage an. Zwar kommen weniger Asylbewerber, doch deren Verfahren dauern wieder länger.

Noch etwa 1.650 Unterkunftsplätze für Asylbewerber soll es Anfang 2019 im Landkreis Meißen geben – fast 200 weniger als noch ein Jahr zuvor. So sieht es die jüngste Überarbeitung des „Konzepts zur Unterbringung von Asylbewerbern“ im Landkreis vor: Mit ihr wollen Verwaltung und Kreistag die Kapazitäten an die weiterhin vergleichsweise niedrigen Zuweisungszahlen anpassen.

Im Jahr 2015 kamen noch insgesamt gut 2.000 Asylbewerber neu in den Landkreis: also rechnerisch je Monat über 160. In diesem Jahr sollen dem Kreis nach den Prognosen des Freistaats monatlich circa 38 Personen zugeteilt werden. Tatsächlich waren es bislang aber teils noch deutlich weniger. So kamen zum Beispiel im Februar nur acht Asylbewerber an.

Das ist nicht nur auf die politische Großwetterlage zurückzuführen. Auch im Freistaat gibt es Neuregelungen. So hat die Landesregierung angekündigt, nur noch Asylbewerber mit guten Chancen auf Anerkennung in die Landkreise und Städte zu schicken. Dafür sollen Bewerber mit geringen Aussichten auf Gewährung von Asyl die entsprechenden Verfahren vor allem in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Freistaats durchlaufen.

Die Anerkennungsquoten sind gesunken. Bekamen 2016 noch rund zwei Drittel der Bewerber Flüchtlings- bzw. Asylstatus zugestanden, galt das ein Jahr darauf für weniger als die Hälfte. Gleichwohl dauern die Verfahren länger: Das sorgt wiederum dafür, dass der Landkreis doch mehr Asylbewerbern eine Unterkunft stellen muss. Mit der neuesten Fortschreibung des Unterbringungskonzeptes bleiben deshalb auch größere Gemeinschaftsunterkünfte bestehen.

Zum Beispiel die Heime in Riesa und Radebeul. 130 Plätze bietet die Unterkunft am Riesaer Birkenwäldchen, 48 die in der Nickritzer Straße. Das nach einem Brand modern wiederaufgebaute Radebeuler Asylbewerberheim hat Platz für bis zu 110 Bewohner.

Neu ist, dass auch das eigentlich zur Schließung vorgesehene Heim am Großenhainer Kupferberg nun doch „am Netz“ bleibt. Seine 50 Plätze sollen Asylbewerbern zur Verfügung stehen, die minderjährig und unbegleitet nach Deutschland kamen und nun ihre Volljährigkeit erreicht haben. Sie wechseln damit aus der Zuständigkeit des Jugendamts in die reguläre Asylbewerber-Unterbringung. Das Großenhainer Heim bietet Nähe zur Berufsschule, was den jungen Migranten eine Ausbildung erleichtern soll.

Die Mehrzahl der Asylbewerber im Landkreis Meißen lebt aber nach wie vor in vom Kreis angemieteten Wohnungen. Im Frühjahr 2018 gab es 1.347 Plätze in der „dezentralen Unterbringung“. Am Jahresende sollen es noch 1.304 Plätze sein. Die meisten Plätze in der „dezentralen Unterbringung“ bietet dann nach wie vor die Stadt Meißen: Geplant sind 380. Nur knapp weniger sollen es in Riesa sein – nämlich genau 362 Plätze.

Vier Gemeinschaftsunterkünfte hält der Landkreis derzeit noch im „Standby-Betrieb“. Sie können genutzt werden, wenn die Zuweisungszahlen wieder stark ansteigen sollten oder ein anderes Heim ausfällt. Die „Standby-Heime“ in Naunhof, Klipphausen und Volkersdorf sollen nun jedoch aufgegeben werden. Der Kreis sucht nach neuen Nutzungsmöglichkeiten. Als Reserve behält der Landkreis nur das Heim in Moritzburg mit 85 Plätzen, das noch bis Ende 2017 regulär betrieben worden war.

Eine ehemalige Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber nutzt der Landkreis bereits jetzt anderweitig. Im Heim am Großenhainer Remonteplatz können bis zu 55 anerkannte Flüchtlinge untergebracht werden.

Sobald der Asylantrag eines Migranten genehmigt ist, muss er oder sie aus den vom Landkreis gestellten Bewerberunterkünften ausziehen und sich eine eigene Wohnung suchen. Doch auf dem freien Markt finden die anerkannten Flüchtlinge oft nicht schnell genug eine Wohnung. Hier springt der Landkreis ein und bietet gegen Zahlung einer Nutzungspauschale Unterkunft am Großenhainer Remonteplatz.

Bislang wanderten viele anerkannte Flüchtlinge aus dem Landkreis in die Großstädte ab. Doch nun gilt für sie in Sachsen zunächst eine Wohnsitzauflage. Die Migranten sollen damit gleichmäßiger in allen Regionen des Freistaats verteilt werden. Auch aus diesem Grund rechnet der Landkreis Meißen mit steigender Nachfrage in der Unterkunft am Großenhainer Remonteplatz.