Lange Liste von Aufgaben für den Verband

Sachsens Weinbauverband hat einen neuen Vorstand. Nach den Querelen der Vergangenheit will der die Verbandsarbeit neu aufstellen.

„Weichen stellen für Zukunft“ wollen die frisch gewählten Vorstände des Weinbauverbands Sachsen. Unstimmigkeiten unter Sachsens Winzern, Kritik an der Verbandsarbeit: Was den alten Vorstand im Frühjahr zum Rückzug bewog, soll Vergangenheit sein. In Meißen stellten die drei neuen „Chefs“ des Verbands, Michael Thomas, Konrad Seifert und Felix Hößelbarth, nun ihr „Arbeitsprogramm“ für die nächsten Monate vor.

Dessen erster Punkt gilt dem Zusammenhalt der sächsischen Winzerschaft. Nicht alle namhaften Weinerzeuger des Anbaugebiets sind Mitglied im Weinbauverband. Schmerzlich vermisst wird zum Beispiel Sachsens größter Weinbaubetrieb, die Winzergenossenschaft. Sie war 2016 aus dem Verband ausgetreten. Anlass für diesen Schritt sei mangelnde Unterstützung des Verbands bei der Bewältigung des damals akuten Skandals um Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in sächsischen Weinen, hatte Genossenschafts-Geschäftsführer Lutz Krüger gesagt.

Damit sich Probleme wie 2016 nicht wiederholen, hat Sachsen inzwischen das System der Weinkontrollen verändert. Am Weinbauverband ist es nun, die durch den Ärger abgerissenen Kommunikationsfäden neu zu knüpfen. „Die aktuellen Herausforderungen für die sächsischen Winzer können nur gemeinsam und mit einem starken Weinbauverband gemeistert werden“, sagt der Vorsitzende Michael Thomas. Aus diesem Grund habe der neue Vorstand nach seinem Amtsantritt schon Gespräche mit Mitgliedern, aber auch mit weiteren Winzerkollegen aufgenommen. Man lade alle ein, sich künftig wieder stärker im Weinbauverband einzubringen und die Verbandsarbeit aktiv mitzugestalten. Das betrifft natürlich auch die Winzergenossenschaft, ohne deren hunderte Mitglieder im Anbaugebiet wenig geht.

Die sogenannten „Kleinwinzer“, die den Weinbau auf kleinen Parzellen in ihrer Freizeit betreiben, stehen denn auch bei weiteren Bemühungen des neuen Weinbauverbands-Vorstands im Mittelpunkt. Vor allem Konrad Seifert, Bürgermeister der Gemeinde Hirschstein und in seiner Freizeit selbst Mitglied der Weinbaugemeinschaft Meißen, kennt die Nöte der „Kleinwinzer“.

Für Ärger sorgt bei denen zum Beispiel die neue Abgabenpflicht für die Sozialversicherung der Landwirte. Dem Anbaugebiet Sachsen gehen die „Kleinwinzer“ verloren: Etliche Freizeit-Winzer geben ihre Parzellen aus Altersgründen auf, weniger neue übernehmen. Das liegt nicht zuletzt an den Aufwendungen für den Erhalt der Weinberge. Wo professionelle Weinbaubetriebe Fördermöglichkeiten zum Beispiel für den Bau von Trockenmauern auftun, fehlt den „Kleinwinzern“ solches Know-how.

Den Anforderungen der Freizeit- und Nebenerwerbswinzer nimmt sich beim Weinbauverband nun eine neu gegründete Arbeitsgruppe an. Hier sollen zunächst die für „Kleinwinzer“ drängendsten Fragen benannt und nach Lösungen dafür gesucht werden. Die Gruppe diene auch als Plattform für den Austausch zwischen den einzelnen Kleinwinzern und Weinbaugemeinschaften, sagt Konrad Seifert.

Ein weiteres wichtiges Thema für den neuen Vorstand ist ebenso komplex. Es geht um die Umsetzung der neuen deutschen Weinrechtsprechung in Sachsen. Bisher werden in Deutschland Weine in Kategorien wie „Qualitäts-“ oder „Prädikatswein“ unterteilt. Zukünftig sollen bei der Bezeichnung die Herkunft der Trauben und damit einzelne Weinbergslagen hervorgehoben werden.

Im Zuge dieser Änderung will der sächsische Weinbauverband die Bildung einer Schutzgemeinschaft für den sächsischen Wein vorantreiben. „Sachsen“ soll zu einer geschützten Herkunftsbezeichnung für hiesige Weine werden. Das geht nicht ohne Politik. Der Weinbauverband starte einen intensiven Austausch mit Ministerien und Ämtern, mit anderen Verbänden und Winzern, um diesen für das Anbaugebiet wichtigen Prozess voranzutreiben.

Wichtig ist aber auch der Verkauf der sächsischen Weine. Der Weinbauverband will seinen Teil zur Absatzsteigerung beitragen. Der Aufbau einer starken Gebietsweinwerbung steht noch auf der Tagesordnung des Verbandes. Zunächst kommt aber zu den Werbe-Projekten, die es bereits in den vergangenen Jahren gab, eine weitere „Einzelmaßnahme“. Für die Kampagne des Freistaats unter dem Titel „So geht sächsisch“ wurde ein neuer Imagefilm produziert, der sich ganz dem sächsischen Weinbau widmet.

Werbung für Sachsens Weine soll zudem die jährliche Landesweinprämierung sein. Auch hier wird es Änderungen am Prozedere geben, kündigt der Weinbauverbands-Vorstand an. Fachlich anerkannt, glaubwürdig und transparent soll die Gebietsweinprüfung ablaufen. Dazu lehnt der Weinbauverband nun die hiesige Prüfung an die Regeln der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) an. Die DLG fungiert als Partner bei der sächsischen Gebietsweinprämierung und übernimmt die Leitung bei den Verkostungen.

Um den Anschein möglicher Mauscheleien zu vermeiden, gibt es eine Neuerung bei der Bewertung. Verkostet wird stets „blind“: Das heißt, die Prüfer erkennen Flasche und Etikett des zu prüfenden Weins nicht. Doch kann man die Weine des eigenen Guts nicht auch am Geschmack erkennen? Ab diesem Jahr gilt: Bewertet ein Prüfer Erzeugnisse des eigenen Betriebs, geht diese Wertung nicht in die Gesamtwertung für den jeweiligen Wein ein. Sie wird vorab gestrichen.