Für Landschaft, Kultur und Geschichte

Regelmäßig findet unweit von Meißen der "Heimattag des Wilsdruffer Landes" statt. Auch beim jüngsten Treffen in Dorfhain war die Palette der Themen breit.

Das Bändchen mit „Geschichten und Geschichte in und um Wilsdruff“ ist heute sehr gesucht. Hergestellt wurde es anno 1930 von Arthur Kühne und Alfred Ranft in der Wilsdruffer Buchdruckerei von Arthur Zschunke. Herausgeber war der „Verein für Natur- und Heimatkunde“.

Dessen Aufgabe hat heutzutage der „Arthur-Kühne-Verein“ übernommen, der zugleich als Wilsdruffer Ortsgruppe im Landesverein Sächsischer Heimatschutz fungiert. Regelmäßig richtet er mit der Ortsgruppe Gompitz des Heimatvereins den Heimattag des Wilsdruffer Landes aus. Vor zwei Jahren traf man sich dazu im Bürgersaal von Dresden-Cossebaude. Der sechste Heimattag des Wilsdruffer Landes unter dem Motto „Verein(t) für Sachsens Mitte“ fand nun am 14. April in Dorfhain auf dem Gelände der „Georado-Stiftung“ statt.

Die Gastgeber von der Stiftung erinnerten an die Industriegeschichte des Versammlungsortes. Der Name „Georado“ knüpft an die hier produzierte Marke „Elrado“ des „VEB Elektro- und Radiozubehör Dorfhain“ an. Der 2013 aufgelöste Betrieb hatte eine lange und bedeutende Geschichte. Unter dem Namen „Ellinger & Geißler“ wurde die Firma 1900 in Dorfhain gegründet. Der sächsische Radiopionier Hermann Mende arbeitete hier vor der eigenen Firmengründung als Prokurist.

Geschichte spielte im Programm des Heimattages ebenso eine Rolle wie Kultur und Landschaftsschutz. Zu den Rednern gehörte unter anderem Leo Lippold. Der Hausherr von Schloss Scharfenberg hatte Anfang 2017 einen offenen Brief an Sachsens Landwirtschaftsminister gerichtet. Sein Thema: die Verantwortung für die zunehmende Verödung der Kulturlandschaft. Nun veranschaulichte Lippold noch einmal mit Bildern, wie zum Beispiel im Meißner Land die Abholzung der Hecken und Alleebäume fortschreitet. Der Landesverein Sächsischer Heimatschutz hatte den Brief in seinem Mitteilungsheft nachgedruckt. Leo Lippold nannte Beispiele, wo sorgsamer mit der Landschaft umgegangen wird – zum Beispiel in Franken.

Redner Michael Beleites sah die Verwahrlosung schließlich in größerem Zusammenhang. Sie habe ihre Gründe in der Preisgabe der landwirtschaftlichen Versorgungssouveränität. Doch zuvor stellte Dr. Mareike Eberlein das Konzept eines Nationalen Geoparks in Sachsens Mitte rund um den Tharandter Wald vor. Denn zu den Besonderheiten dieser Region zählt die Möglichkeit, auf einer Wegstrecke von 20 Kilometern die gesamte Erdgeschichte Sachsens anschaulich nachzuvollziehen.

Michael Beleites trug dann schließlich einen Text mit dem Titel „Sachsen 2030 – Wir haben gelernt“ vor. Die Schrift war 2013 auf Einladung der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung entstanden. Er betonte, dass die Globalisierung keine Zauberei sei. Auch vor Ort auf dem Lande zeige sie sich ganz konkret. Vielen dortigen Problemen wäre mit einer Regionalisierung und Stärkung der Zuständigkeit vor Ort beizukommen.

Auch die Lokalhistoriker kamen beim Treffen zum Zuge. Die Palette der Themen war breit. Sie reichte von den Ereignissen am Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Bedeutung der Windbergbahn als erster Gebirgseisenbahn Deutschlands. Zum Programm des Heimattages gehörten auch Exkursionen und Führungen. Besichtigt wurden unter anderem ein Kunstpark mit Metallskulpturen, Aquarellen und Gemälden, eine Firma für Geotechnik und ein Bergbaulehrpfad. Vorgestellt wurden auch geführte Wanderungen im Tharandter Wald.

Der Heimattag des Wilsdruffer Landes zeigte, dass die Gefühle von Liebe und Verbundenheit immer auch von Sorge um und Verantwortung für die Heimat begleitet ist. Manche Teilnehmer bedauerten, dass ein solcher Heimattag nur alle zwei Jahre stattfindet.