Doch noch Chance auf Gewerbe in "Meißen-Nord"?

Seit Jahren ist das Bohnitzscher Kasernengelände zugesperrt und dem Verfall preisgegeben. Jetzt nimmt der Eigentümer Planungen für das Areal auf: Ein neues Gewerbe- und Industriegebiet soll entstehen. Foto: Grau

Das frühere Kasernengelände in Meißen-Bohnitzsch soll ein Standort für Industrie und Gewerbe werden. Nach langem Stillstand werden jetzt die Planungen dafür wieder aufgenommen.

Es war still geworden um das frühere Kasernengelände in Meißen-Bohnitzsch. Doch nach Jahren von Leerstand und Verfall wird dem Areal im Norden der Stadt jetzt wieder Aufmerksamkeit gewidmet. Der Eigentümer, ein Immobilienunternehmen mit Sitz in Magdeburg, will die Fläche in neue Nutzung bringen: als „Gewerbegebiet Meißen-Nord“.

Über vier Jahre ist die letzte Einweihung auf dem früheren Kasernengelände her. Der „Solarpark Meißen-Bohnitzsch“ ging Ende 2011 ans Netz. Die Solarmodule, die von der Firma „Linden Energy“ auf einem Teil des Areals aufgebaut wurden, erzeugen seither jährlich über 7,5 Millionen Kilowattstunden Strom. Nach der 16-Millionen-Euro-Investition war aber vorerst Schluss mit der weiteren Entwicklung des Areals. Im vorderen, an der Bundesstraße 101 gelegenen Teil rotten die alten Kasernengebäude weiter vor sich hin.

Die in Magdeburg ansässige „Grundstücksgesellschaft Meißen-Bohnitzsch GmbH & Co. KG“ hat nun bei der Stadt Meißen die Aufstellung eines Bebauungsplans auch für den vorderen Teil der Fläche beantragt. Auf gut 16 Hektar möchte sie dort Platz für die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie schaffen. Das „Gewerbegebiet Meißen-Nord“, das der städtische Flächennutzungsplan schon seit 2006 auf dem ehemaligen Militärareal vorsieht, könnte damit Realität werden. Der Stadtrat hat dem neuen Planungsanlauf bereits zugestimmt. Die Kosten trägt der Grundstückseigentümer.

Auf Nachfrage betont man in Magdeburg, dass die Aufstellung des Bebauungsplans und später dessen Umsetzung Zeit brauchen. Das neue Gewerbegebiet werde nicht in wenigen Monaten entstehen. Bevor auf dem Gelände überhaupt neu gebaut werden könne, müsse viel investiert werden.

Bis 1992 nutzte die sowjetische Armee das Kasernenareal. Es handelt sich um sogenannte „Konversionsflächen“, auf denen noch militärische und umweltschädliche Altlasten vermutet werden. Erst nach deren Beseitigung ist Neubau möglich. „Altlasten“ sind auch die verfallenen Kasernen, die noch immer auf dem Gelände stehen. Bevor das Gewerbegebiet entsteht, müssen sie wahrscheinlich abgerissen werden.

Der Stadt Meißen sind die Planungen für das Bohnitzscher Gebiet willkommen. Seit Jahren galt die Lage im Norden der Stadt als Hindernis für seine Entwicklung. Zwar liegt das Gelände an der Bundesstraße 101, doch fern der Autobahn. Der Weg zur A4 führt über die stauanfällige Meißner Innenstadt. Die Stadt setzte vor allem auf ein anderes Industrie- und Gewerbegebiet. „Meißen-Ost“ soll in einigen Jahren über die neue rechtselbische Elbtalstraße komfortabel an Dresden und die Autobahn angeschlossen sein.

„Dem Eigentümer ist es unbenommen, sein Grundstück zu entwickeln und selbst zu vermarkten“, sagt Stadt-Sprecher Philipp Maurer über die Planungen für Bohnitzsch. Die Gewerbe- und Industrienutzung in „Meißen-Nord“ entspreche jedenfalls genau dem gültigen Flächennutzungsplan. Doch braucht die Stadt derzeit überhaupt neue Flächen für Gewerbe und Industrie? „Ein möglicher Bedarf wird auch mit Angeboten geweckt“, sagt Maurer. Und wenn Interessenten an die Tür klopfen, sei es besser, vorbereitet zu sein.

„In Meißen-Ost gibt es noch ein paar Restflächen“, so der Stadt-Sprecher. Zuletzt hatten dort der DRK-Landesverband und der Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal Flächen gekauft und neu bebaut. Eine große, neu gebaute Halle an der Ziegelstraße steht schon wieder leer. Das Unternehmen „Pfrang Tec“, das den millionenteuren Bau als Produktionsstätte für hochpräzise Großteile errichten ließ, ging in die Insolvenz.

Benachbart steht das Hauptgebäude der früheren Schuhfabrik. Die Nebengelasse wurden bereits abgerissen. Bald könnten auch die Tage des leer stehenden Haupthauses gezählt sein. Schon vor Monaten hatte die Stadt angekündigt, den Abriss vorantreiben zu wollen.

Auch die Flächen der Schuhfabrik zähle man zu den Meißner Grundstücken, auf denen neue Industrie- und Gewerbeansiedlungen möglich seien, sagt Sprecher Philipp Maurer. Wird dort aber zuvor Abriss mit Fördermitteln bezahlt, gilt eine Sperrfrist, in der keine Neubebauung möglich ist.