Mit Porzellan und weniger Mitarbeitern zum Gewinn

Mode und Möbel sind passé: Die Blauen Schwerter der Manufaktur sollen künftig wieder vor allem auf Porzellan zu sehen sein Foto: Meissen

Der Aufsichtsrat der Meißner Porzellan-Manufaktur hat eine neue Unternehmensstrategie beschlossen. Man konzentriert sich wieder aufs Porzellan und kündigt Stellenabbau an.

Mit Stellenabbau und der Konzentration aufs Porzellangeschäft will die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen aus der wirtschaftlichen Krise kommen. Das sieht die neue, langfristig angelegte Unternehmensstrategie vor, die der Aufsichtsrat jetzt gebilligt hat. Europas älteste Porzellanmanufaktur solle damit ein nachhaltig wirtschaftendes und selbsttragendes Unternehmen werden, so die Geschäftsführer Dr. Tillmann Blaschke und Georg Nussdorfer. Überkapazitäten und Ineffizienzen sollen abgebaut, der Produktionsstandort durch „umfangreiche Investitionen“ gestärkt werden.

Die schlechte Nachricht für die Beschäftigten: In der Meißner Manufaktur sollen circa 60 der aktuell rund 660 Stellen wegfallen. Diese Kürzungsvorgaben will man vor allem durch Altersabgänge und Altersteilzeitregelungen erreichen. „Notwendige Arbeitszeitverkürzungen sollten auf freiwilliger Basis angestrebt werden“, erklärt Unternehmenssprecherin Sandra Jäschke eine Forderung des Aufsichtsrats. Man setze auf Sozialverträglichkeit, fairen Interessenausgleich und den Dialog.

Bei der Produktion legt die Manufaktur den Schwerpunkt wieder aufs Porzellan. Man wolle sich dabei zukünftig deutlich mehr an den Bedürfnissen der Märkte und Kunden orientieren, so Sprecherin Sandra Jäschke. Das Sortiment werde neu gestaltet, bereinigt und modernisiert. Vor allem auf den ausländischen Märkten sehe man großes, noch unerschlossenes Potenzial. Eine gute Basis für internationales Wachstum sei die grundsätzliche Bekanntheit der Marke.

Nach wirtschaftlich nicht ertragreichen Versuchen, „Meissen“ als Marke für luxuriöse Mode, Schmuck und Möbel zu etablieren, betont man jetzt wieder das traditionelle Kunsthandwerk der Manufaktur. Die kunsthandwerkliche Kompetenz müsse langfristig gesichert werden. Gerade die steigende Nachfrage nach Produkten, die nur Meissener Manufakturisten können, mache dies notwendiger denn je. „Dieses kunsthandwerkliche Können in höchster Präzision und Qualität ist eines unserer wertvollsten Alleinstellungsmerkmale“, so die Geschäftsführer Tillmann Blaschke und Georg Nussdorfer.

In diesem Zusammenhang steht auch die Ankündigung, die eigene Berufsausbildung der Manufaktur zu erhalten. Geplant sei, sie weiter zu entwickeln. In der Ausbildung solle zum einen der Kreativität der Manufakturisten mehr Raum gegeben werden, heißt es im Strategiepapier. Zum anderen wolle man mehr Breitenqualifikation vermitteln.

Die neue Unternehmensstrategie wird dem Freistaat Sachsen als Eigentümer voraussichtlich auch Geld kosten. Die Rede ist davon, dass man in der Manufaktur „Instandhaltungs- und Investitionsstau“ beseitigen werde. Die Strategie, die „auch mit zusätzlichem Kapitalbedarf verbunden“ sei, werde nun dem Freistaat vorgelegt, um bald mit der Umsetzung beginnen zu können.

In nur wenigen Jahren will man die wirtschaftlich angeschlagene Manufaktur wieder in sicheres Fahrwasser bringen. Das Ziel nennen die Geschäftsführer: „Im Zusammenspiel der geplanten Maßnahmen soll der operative Break-Even 2020 erreicht werden.“