Immobilienfachleute entdecken das "Schwarmstädtchen"

Beim städtischen "Immobiliensymposium" wurde die Werbetrommel für Meißen gerührt. Zu Gast war auch ein Fachmann, der der Stadt hervorragende Chancen attestiert.

Es gibt „Schwarmstädte“ und es gibt „Schwarmstädtchen“, sagt Harald Simons. In die erste Kategorie ordnet der Professor und Chef des Beratungsinstituts „empirica“ Dresden und Leipzig ein. In die zweite Meißen: nicht schlecht für eine Stadt in einem Bundesland, das in vielen Regionen mit Einwohnerverlusten zu kämpfen hat.

Folgt man den Untersuchungen von „empirica“, liegt Meißen bei den Entwicklungschancen, die sich durch Bevölkerungswanderung ergeben, unter den sächsischen Kommunen auf einem hervorragenden fünften Platz. Was bedeutet es für Meißen, ein „Schwarmstädtchen“ zu sein? Darüber tauschten sich gut 120 Immobilienfachleute beim diesjährigen „Meißner Immobiliensymposium“ aus. Im Ratssaal diskutierten sie einen Vormittag lang über die Trends auf dem hiesigen Wohnungs- und Grundstücksmarkt.

Stadtverwaltung, das kommunale Wohnungsunternehmen SEEG und die Meißen-Großenhainer Volks- und Raiffeisenbank hatten zum Fachtag eingeladen. Das Zielpublikum seien vor allem Investoren, die Immobilienprojekte für den eigenen Bedarf oder für Dritte entwickeln, sagt Volksbank-Vorstand Claus-Michael Zwiebel. Die Veranstaltung soll davon künden, dass sich das in Meißen lohnt. „Aber wir sehen das Symposium auch als ein Mittel, um die Stadt selbst zu aktivieren“, sagt SEEG-Geschäftsführerin Birgit Richter. „Unser Ziel ist es, in Meißen den Wettbewerb anzuschieben. Alle Marktteilnehmer sollten in die Attraktivität unserer Stadt investieren.“

Um zu zeigen, dass diese Anstrengung in Meißen gute Früchte tragen kann, war „empirica“-Vorstand Harald Simons nach Meißen eingeladen worden. Sein Institut hatte im vergangenen Jahr in einer Studie das „Schwarmverhalten in Sachsen“ untersucht. Betrachtet wurden die Muster der Bevölkerungswanderung im Freistaat. Bekannt ist, dass Dresden und Leipzig deren große Gewinner sind. Doch neben den beiden wachsenden Halbmillionenstädten gibt es weitere sächsische Kommunen, die ihre Bevölkerungszahl stabil halten oder sogar steigern konnten. Zu diesen Gemeinden gehört Meißen.

Harald Simons referierte, dass Meißen nicht etwa durch Zuwanderung aus dem zunehmend teuren Dresden wachse. „Schaut man sich die Bevölkerungsbewegungen an, verliert Meißen an Dresden.“ Dagegen gewinne die Stadt Einwohner aus ihrem eigenen ländlichen Umland – immerhin so viel, dass in den vergangenen Jahren ein deutlicher Wanderungsgewinn zustande kam. Meißen sei aus eigener Kraft ein anziehendes regionales Zentrum – eben ein „Schwarmstädtchen“.

Das Wachstum macht sich auf dem Meißner Immobilienmarkt bemerkbar. Das bestätigen SEEG-Chefin Birgit Richter und Volksbank-Vorstand Claus-Michael Zwiebel. Die SEEG wagt sich nach Jahren des Rückbaus inzwischen wieder an Neubau-Projekte. Die Volksbank hat mit dem „Quartier Neumarkt“ erst vor wenigen Wochen Meißens größtes Neubauvorhaben seit Jahren abgeschlossen: Dort sind bereits alle Wohnungen vermietet. Für den Trend spricht auch das Interesse am „Immobiliensymposium“. In diesem Jahr habe man etwas mehr Gäste als im vergangenen gezählt. Die Resonanz des Fachpublikums sei sehr positiv, so Claus-Michael Zwiebel.

Als Wohnorte begehrt seien Städte mit gut erhaltenem Stadtbild, mit Flair und Kultur, so Harald Simons. Meißen könne das bieten. Damit diese Vorzüge erhalten bleiben, müsse aber vor allem in die Stärkung der Innenstadt und nicht in den Ausbau von Wohngebieten am Stadtrand investiert werden. Oberbürgermeister Olaf Raschke betont, dass man in Meißen vor allem auf die Verdichtung der zentrumsnahen Stadtteile setze. Man wolle in den in den inneren Stadtteilen Lücken bebauen und marode Häuser sanieren lassen. „In der Innenstadt haben wir noch um die 35 unsanierte Gebäude. Aber auch dieser Bestand wird jetzt nach und nach angefasst.“

Dennoch hat die Stadt in den vergangenen Monaten auch neue Baugebiete in Randlagen ausgewiesen. Diskussionen gab es um das Wohnbauvorhaben am Stadtblick. Die neu ausgewiesenen Bauflächen an der früheren Ziegelei am Roten Haus seien sehr stark nachgefragt, so der OB. Ähnliches gelte für die Erweiterung des Baugebiets an der Niederauer Straße. Dennoch: „Wir weisen neue Baugebiete nicht auf Teufel komm raus aus.“

In der Innenstadt gibt es schließlich noch Sanierungsbedarf. Fährmannstraße, Görnische Gasse und das Gebiet um die Bienenwirtschaft sind Beispiele dafür. Dort wäre noch Platz für neue Bewohner. Die Stadt will die vor drei Jahren aus der Taufe gehobene Werbekampagne um Zuzügler fortsetzen. „Ein Plakat allein bringt uns sicher noch keine neuen Bewohner“, sagt SEEG-Chefin Birgit Richter. „Wir wollen aber mit der Kampagne Meißen in die Köpfe von Umzugswilligen bringen.“ Und in die der Einheimischen, ergänzt Stadtmarketing-Chef Christian Friedel: Die Plakatmotive führten auch den Meißnern selbst die Vorzüge ihrer Stadt vor Augen.