Von Stimmung, Lage und Herausforderungen

Beim Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft spielte Politik eine große Rolle. Zum Auftakt des Wahljahrs war unter anderem der Bundesinnenminister zu Gast.

Liegt es am Wahljahr? Die Kreishandwerkerschaft konnte bei ihrem 2017er Neujahrsempfang im Meißner „Burgkeller“ mit einer außergewöhnlichen Dichte politischer Prominenz aufwarten. Deutschlands Innenminister Thomas de Maiziere (CDU), der für den Landkreis Meißen im Bundestag sitzt. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Susann Rüthrich. Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU). Landtagsabgeordnete, Landrat, fast alle Bürgermeister des Kreises: Sie alle waren erschienen. Die Handwerker sind eine Wirtschaftsmacht und Wahlvolk.

Und sie sehen offenbar einigen Anlass, auf sich und ihre Anliegen aufmerksam zu machen. „Auf ein Handwerkerwort“ bat Mario Scholz, Innungsobermeister der Maler und Lackierer, die Anwesenden beim Empfang. „So wie es der kleine Mann sieht“, schilderte Scholz seine Eindrücke der vergangenen Monate. Zum Thema Migration: „Ich denke, dass es sehr schwierig wird, Menschen aus anderen Kulturkreisen hier so zu integrieren, dass sie nichts anderes mehr möchten“, so der Handwerker. Also solle sich die Politik viel stärker darum bemühen, die Herkunftsländer der Migranten so zu stärken und aufzubauen, dass es keine Gründe zur Flucht nach Europa geben muss. Ein Stopp von Munitionslieferungen in Krisengebiete dieser Welt könnte ein Anfang sein: „Auch unser Land verdient gut daran.“

„Sorgenfalten“ habe er auch, wenn er an Entwicklungen vor der Haustür denke, so Innungsobermeister Scholz. Die Vorfälligkeit der Sozialabgaben, die für Unternehmen eine Mehrbelastung sei? Die Einsprachen der Handwerkerschaft hätten keine Änderungen gebracht. Der versprochene Bau an der B169 bei Riesa? Bis heute sei nichts passiert. Die Ansiedlung von Berufsschulen im ländlichen Raum? Die Maler- und Lackiererlehrlinge werden heute nicht mehr in Meißen, sondern in Dresden unterrichtet. Kurz und knapp: Der Frust bei den Handwerkern scheint groß.

Eine Antwort für die anwesenden Politiker gab Thomas de Maiziere. Der Minister ging auf die Weltlage und Deutschland im Allgemeinen sowie auf Sachsen und die Rolle der Handwerker im Besonderen ein. „Wir müssen uns auf erhebliche Veränderungen einstellen“, so de Maiziere. „Aber das in einer Zeit, in der es uns so gut geht, wie nie zuvor.“ Unsicherheit und Ängste löse da die Frage aus, ob es so bleiben könne, wie es ist. „Wir brauchen einen klaren Blick auf die anstehenden Veränderungen, wir müssen sie annehmen und das Beste daraus machen. Einfach so Traditionen konservieren oder sich die Bettdecke über den Kopf ziehen: Das ist etwas für Kinder. Ein Land wie Deutschland kann das nicht tun.“

Folgt man Thomas de Maiziere, wird das Jahr 2017 ein herausforderndes. Die Bund-Länder-Finanzverteilung sei geklärt. Sachsen müsse nun überlegen, was es mit dem ihm zur Verfügung stehenden Geld machen will. „Welche Vorhaben wollen wir im nächsten Jahrzehnt umsetzen?“ Die Steuerung von Wanderungsbewegungen zwischen Stadt und Land sei gerade in Sachsen ein Thema. Die Großstädte boomen, das Land verliert. Fachkräftegewinnung, Internet-Anbindung: Das beschäftige vor allem die Wirtschaft in den ländlichen Gebieten. An Geld für Investitionen mangele es nicht. Die öffentliche Hand komme derzeit aber mit dem Planen nicht nach.

Auch Jörg Dittrich, Präsident der Dresdner Handwerkskammer, wollte lieber von Herausforderungen als von Frust reden. Die Lage des Handwerks sei gut: ein Widerspruch zur gefühlten schlechten Stimmung. Qualifizierte Zuwanderung werde durchaus gebraucht. Bei der Digitalisierung sei Sachsens Handwerk weit besser aufgestellt, als oft berichtet. Das Thema berge Chancen, aber auch Risiken für die Betriebe: Die Politik müsse die Rahmenbedingungen auf diesem Feld mit Bedacht setzen.

Alles schlecht im Handwerk? Nein. Nachwuchsmangel für die Handwerksberufe gibt es. Doch den Gegentrend eben auch. Jörg Dittrich: „Im vergangenen Jahr hatten wir im Kammerbezirk ein Plus von zwei Prozent bei den Lehrverträgen. Im Kreis Meißen fiel der Zuwachs sogar überdurchschnittlich hoch aus. Er lag hier bei vier Prozent.“