Werkschule kooperiert und baut Angebot aus

Die Freie Werkschule Meißen hat ihr Domizil im ehemaligen Stadtkrankenhaus auf dem Crassoberg Foto: Grau

Die Meißner freie Schule knüpft Bande mit der Evangelischen Schule Coswig. Weil von dort mehr Absolventen kommen sollen, erweitert die Werkschule ihren gymnasialen Zweig.

Freie Schulen setzen auf verschiedene Lehr-Konzepte. Ähnliche Bedingungen schaffen aber gleiche Interessen. „Man ist untereinander vernetzt. Man kennt sich und arbeitet in einigen Punkten auch zusammen“, sagt Dorothee Finzel, die Geschäftsführerin der Freien Werkschule Meißen.

Ein gemeinsames Ziel von freien Schulen: Sie wollen ihren Schülern möglichst alle Bildungsabschlüsse anbieten. Die Freie Werkschule hat schon seit einigen Jahren neben einer Oberschule einen Gymnasial-Zweig. Die Evangelische Schule im benachbarten Coswig bietet indes nur den Oberschul-Abschluss an. Jetzt haben beide Schulen eine Kooperation beschlossen. Coswiger Schüler, die das Abitur machen wollen, können nach der zehnten Klasse unkompliziert und mit einem Vorrang bei der Platzvergabe an das Gymnasium der Werkschule wechseln. Dieser Schulzweig erweitert dafür sein Angebot.

Denn bisher bietet die Freie Werkschule die Abitur-Ausbildung nur in einem beruflichen Gymnasium mit wirtschaftlicher Ausrichtung an. Die Plätze seien begehrt, sagt Geschäftsführerin Dorothee Finzel. „Etwa zwei Drittel unserer Schüler wollen nach der zehnten Klasse das Abitur ablegen.“ Dazu kommen noch Quereinsteiger. Das sind pro Jahr insgesamt 23 bis 24 Schüler: jeweils eine sehr gut gefüllte Abiturklasse. „Wir teilen in der gymnasialen Oberstufe die Jahrgänge nicht.“

Wobei es sich in manchen Fächern durchaus anbieten würde. Wo experimentiert oder praktisch gearbeitet werden muss, geht es für über 20 Schüler in einem Raum recht eng zu. Die Kooperation hilft also nicht nur den Coswigern. Bekommt die Freie Werkschule dauerhaft mehr Schüler für ihren Gymnasial-Zweig, lohnt es sich, Klassen zu teilen und auch eine neue Fachrichtung zu eröffnen.

„Das haben wir jetzt beantragt“, sagt Dorothee Finzel. Neben dem Abi mit wirtschaftlicher Vertiefung will man das Abitur mit der Vertiefungsrichtung „Gesundheit und Sozialwesen“ anbieten. Die Genehmigung durch die Landesbehörden dürfte kein Problem sein, so die Geschäftsführerin. Die Meißner Werkschule beweise schon seit Jahren, dass ihre Schüler bei den sachsenweit einheitlichen Schulabschlüssen gut abschneiden.

Ein Problem muss man vor dem Start der neuen Gymnasial-Fachrichtung noch überwinden: Der sachsenweite Lehrermangel macht sich nicht nur an den staatlichen, sondern auch an den freien Schulen bemerkbar. Dorothee Finzel: „Es ist nicht leicht, Lehrer für die neue Vertiefungsrichtung zu finden.“ Dennoch sei man sehr zuversichtlich, dass das neue gymnasiale Angebot mit dem nächsten Schuljahr starten könne.

Derzeit werde schon an der Organisation gearbeitet. Es gehe dabei um die Frage, in welchen Fächern und Kursen man getrennten und wo man gemeinsamen Unterricht anbietet. Mehr Schüler und mehr Kurse fordern auch ein neues Raumkonzept. „Umbauen müssen wir aber nicht“, sagt Dorothee Finzel. „Unser Schulhaus hat die nötigen Reserven.“ Die Zielmarke sei klar: Rund 30 Plätze pro Jahrgang soll der gymnasiale Zweig der Werkschule ab dem nächsten Schuljahr anbieten.

Die vereinbarte Kooperation mit der Evangelischen Schule Coswig beschränkt sich aber nicht nur auf die Abiturjahre. Schon davor sollen sich Coswiger Schüler an der Meißner „Partnerschule“ umschauen können. „Wir werden gemeinsame Projekte anbieten. Ab der neunten Klasse sollen es eine ‚Schnupperwoche’ bei uns geben.“ Wer das Abi ablegen wolle, könne damit schon frühzeitig seine weiterführende Schule kennenlernen.

Erleichtert wird das nicht nur durch die räumliche Nähe. Man kennt sich recht gut. Dorothee Finzel: „Bei den Lehrern gibt es zwischen den Coswigern und uns auch personelle Überschneidungen. Jede Schule hat ihr eigenes Profil und wird es auch behalten. Aber beim Abitur kommen wir jetzt miteinander überein.“