Firmen im Wettbewerb um Azubis

Wenig Neues auf dem Ausbildungsmarkt im Landkreis: Auch 2015/16 blieben etliche freie Lehrstellen unbesetzt, darunter auch solche in einst sehr gefragten Berufen.

Die Lage ist angespannt, aber stabil: So lässt sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt der Region beschreiben. Firmenchefs, die im Landkreis Meißen neue Auszubildende suchen, haben es schwer. Das ist schon seit einiger Zeit so und hat sich auch in diesem Jahr nicht geändert. Ein wenig mehr Bewerber, ein paar Lehrstellen-Angebote mehr: Unterm Strich hat sich wenig getan, konstatiert die jüngste Ausbildungsmarkt-Bilanz der Riesaer Arbeitsagentur.

Von Oktober 2015 bis September 2016 hatten sich 1.733 Jugendliche bei Agentur und Jobcenter als Bewerber um eine Lehrstelle registrieren lassen. „Das sind 105 junge Menschen mehr als im Berufsberatungsjahr 2014/15“, sagt Berit Kasten, die Sprecherin der Arbeitsagentur Riesa. Doch auch die Unternehmen hatten mehr Bedarf nach neuen Azubis. Sie boten 1.374 Lehrstellen an: 71 mehr als im Vorjahr.

Dass der Riesaer Arbeitsagentur-Chef Steffen Leonhardi von einem „anhaltenden Wettbewerb um die besten Nachwuchskräfte“ spricht, liegt daran, dass längst nicht alle, die sich als Bewerber melden, am Ende auch in die klassische Berufsausbildung wollen. Von den gut 1.700 Bewerbern dieses Jahres hätten schließlich 956 eine duale Ausbildung begonnen, so Leonhardi. 764 Jugendliche seien nun in anderen Ausbildungen, besuchten weiter die Schule oder Berufsvorbereitungsmaßnahmen. Nur 13 der Bewerber waren Ende September noch nicht versorgt. Dem gegenüber standen zum selben Zeitpunkt 112 noch freie Lehrstellen im Landkreis.

Unter den offenen Stellen sind auch solche, auf die es noch vor wenigen Jahren einen Ansturm gegeben hätte. Winzer-, Zerspanungsmechniker-, Kfz-Mechatroniker- und Elektroniker-Nachwuchs wurde da von Unternehmen gesucht, aber nicht gefunden. Oftmals gäbe es mehrere Gründe dafür, warum Unternehmen Lehrstellen nicht besetzen können, sagt Agentur-Sprecherin Berit Kasten. Die Angebote träfen nicht das Interesse der Jugendlichen. Die schulischen Leistungen der Bewerber seien nicht ausreichend oder die Jugendlichen könnten nicht so mobil sein, wie von den Arbeitgebern benötigt.

Fast die Hälfte der Lehrstellenbewerber dieses Jahres hatte einen Realschulabschluss, geht aus der Statistik hervor. Etwas mehr als ein Viertel verfügte über einen Hauptschulabschluss. Rund zehn Prozent der Bewerber waren Abiturienten. Knapp sieben Prozent hatten dagegen überhaupt keinen Schulabschluss. Langsam, aber stetig sinkt der Anteil der sogenannten „Altbewerber“: Jugendliche, die schon länger aus der Schule und auf Lehrstellensuche sind. Auf ein Drittel der Bewerber dieses Jahres traf das zu.

Die Lehrstellen-Angebote im Landkreis kommen traditionell vor allem aus der Industrie und dem Handwerk. Gesucht wurden vor allem angehende Zerpanungsmechaniker, Lagerlogistiker, Mechatroniker und Industriemechaniker. Eher traditionell sind auch die Berufswünsche der Jugendlichen. Die Mädchen wollten in diesem Jahr vor allem Verkäuferinnen, Kauffrauen, Friseurinnen und medizinische Fachangestellte werden. Bei den Jungen führten der Fachlagerist, der Kfz-Mechatroniker und der Industriemechaniker die Liste der Wunschberufe an.