Hahnemannzentrum setzt auf einen Neustart

Weil die Finanzierung platzte, muss das Meißner Hahnemannzentrum den Bau des Veranstaltungshauses verschieben. Vor einem neuen Anlauf plant man Veränderungen.

Das Meißner Hahnemannzentrum wolle sich neu erfinden, sagt Vereinsvorsitzender Helge Landmann. Der Anlass dafür ist ein Scheitern: Der seit längerer Zeit geplante Bau eines neuen Veranstaltungshauses auf dem Gelände des Klosters Heilig Kreuz liegt vorerst auf Eis. „Der Darlehensvertrag mit der Bank ist geplatzt“, berichtet Landmann. „Jetzt steht alles wieder auf Null.“

Dass die Finanzierung des Bauvorhabens nicht funktionierte, habe seine Gründe in der komplizierten Eigentumsstruktur des Klostergeländes, sagt Helge Landmann. Vor rund 15 Jahren bekam sein Verein von der Stadt das Erbbaurecht zunächst für einen Teil, schließlich für das gesamte Areal. Doch mit der rechtlichen Konstruktion sind Probleme verbunden. Seit langer Zeit schwelen zwischen Stadt und Hahnemannzentrum Konflikte. Gestritten wird um finanzielle Erblasten und um Bestimmungen für den Fall eines Rückfalls in städtisches Eigentum.

Problematisch sei zudem, wie die Mitbestimmung der städtischen Gremien bei geplanten Veränderungen auf dem Klosterareal ausgeübt werde, meint Helge Landmann. Zu langwierig sei das Prozedere, bis der Stadtrat Beschlüsse über seine Zustimmung fasse. Eine Kombination all dieser Probleme habe nun dazu geführt, dass die Bank-Finanzierung des geplanten Neubaus platzte. Der Stadtrat habe zwar seine Zustimmung erklärt, doch letztlich zu spät, sagt Landmann. Zudem seien mit der städtischen Zustimmung die Bedingungen der Bank nicht erfüllt worden.

Ohne Geld von der Bank kein Neubau: „Wir müssen uns nun neue Wege suchen“, sagt Helge Landmann. Der erste Schritt weg vom Scherbenhaufen soll eine neue Organisationsform für das Hahnemannzentrum sein. Landmann und seine Mitstreiter wollen eine Stiftung gründen, die den Erhalt der historisch wertvollen Klosterruine und die Pflege von Homöopathie und Hahnemann-Gedenken trägt. Zugleich wollen sie dafür kämpfen, dass die Stadt jener neuen Stiftung das Eigentum am Klostergelände überträgt. Das Modell soll Sicherheit für das kulturelle Erbe mit der Freiheit für organisatorische Prozesse verbinden. Seine Vorbilder sind die Übernahme der Jahn-Turnhalle durch die Bürgerstiftung und die des Roten Hauses durch die Stiftung Soziale Projekte. „Bei diesen Objekten ging es ja auch“, sagt Landmann. An beiden Beispielen lasse sich erkennen, dass Stiftungsmodelle in Meißen funktionierten.

Stiftungsgründung und Eigentumsübertragung gingen aber nicht von heute auf morgen. „Die Stadt darf Besitz nicht einfach so abgeben und muss sich in dieser Frage rückversichern.“ Die Mitglieder des Hahnemannzentrums müssten also ein tragfähiges Konzept vorlegen. Die Arbeit daran beginne jetzt, sagt Helge Landmann. Man gehe jedoch durchaus mit einem Zeitplan ans Werk. „Wir hoffen, alle Vorbereitungen bis Ende dieses Jahres abzuschließen. Wenn das gelingt, könnten wir eventuell im nächsten Jahr die Stiftung gründen.“

„Die Erweiterung bleibt Thema, auch wenn zurzeit nicht absehbar ist, wann wir sie umsetzen können.“ Trotz des Problems wird es auch 2018 wieder Veranstaltungen auf dem Klostergelände geben. Am 9. Juni feiert man beim „Rosenfest“ den mittelalterlichen Meißner Dichter und Komponisten Heinrich Frauenlob. Die Neu-Komposition seines „Kreuzleichs“, das 2017 in Heilig Kreuz seine Uraufführung erlebte, wird auch in diesem Jahr wieder dort zu hören sein. Am 12. August gastiert das Jenaer Ensemble „Octavians“ damit in Heilig Kreuz.

Der Namensgeber des Hahnemannzentrums, der in Meißen geborene Arzt und Homöopathie-Begründer Samuel Hahnemann (1755 – 1843), bestimmt ebenfalls das 2018er Jahresprogramm. Die „Meißner Hahnemanntage“ mit Vorträgen fürs Fachpublikum finden vom 13. bis 15. April erstmals in Hahnemanns früherer Schule, dem heutigen Landesgymnasium Sankt Afra statt.