Viele Wünsche, kaum Lösungen für den Plossen-Ausbau

Problemfall Plossen: Meißens Wilsdruffer Straße muss sanier werden - aber wie? Foto: Archiv

Der geplante Ausbau des Plossenaufstiegs sorgt in Meißen für Debatten und Proteste. Jetzt stand der Leiter der LaSuV-Niederlassung Rede und Antwort zum Stand der Planungen.

Die Planungen zum Ausbau des Plossenaufstiegs bewegen die Gemüter der Meißner. Eine Unterschriftensammlung und Anfragen an den Stadtrat gab es zu dem Thema bereits. Zahlreich war das Publikum, als am 11. Dezember Holger Wohsmann, Leiter der zuständigen Meißner Niederlassung des Landesamts für Straßenbau und Verkehr (LaSuV), im Rathaus den Stand der Vorbereitungen auf das Bauvorhaben vorstellte. Weit mehr als 100 Meißner folgten den Ausführungen und diskutierten mit dem obersten Verantwortlichen für das Projekt.

Dass der Auftritt in Meißen für ihn kein Spaziergang werden würde, dürfte Holger Wohsmann schon zu Beginn des Abends klar gewesen sein. Gereizt war die Stimmung vieler Gäste. Erste unsachliche Zwischenrufe gab es bereits, als der LaSuV-Niederlassungsleiter seinen Vortrag über das Bauvorhaben begann. In anderthalb Stunden stellte er die Planungen ausführlich dar, überforderte aber offenbar die Geduld einiger Zuhörer. Dennoch wich anfängliche Unruhe konzentriertem Zuhören. Die Meißner bekamen bestätigt, was sie ohnehin schon vermutet hatten: Die Arbeiten am Plossenaufstieg werden lang und kompliziert. Die verschiedenen Ansichten, wie die Straße ausgebaut werden sollte, scheinen kaum unter einen Hut zu bekommen.

Der heutige Zustand der Staatsstraße 177 auf dem Plossen

Holger Wohsmann beschrieb ihn als schlecht, aber noch nicht so gefährlich, dass unbedingt gleich gebaut werden müsste. „Die oberflächliche Hangsicherung im Jahr 2014 hat uns etwas Zeit gegeben, in der wir die dauerhafte Sanierung gründlich planen können.“ Dennoch: Der Plossenaufstieg ist dringend sanierungsbedürftig. Nicht nur, weil die enge Kurve für Lkw gefährlich ist: Die am steilen Hang gebaute Straße rutscht langsam Richtung Tal.

Wie soll der Plossenaufstieg ausgebaut werden?

Etliche Meißner nennen die Pläne für den Ausbau des Plossenaufstiegs „überdimensioniert“. LaSuV-Niederlassungsleiter Holger Wohsmann betonte, dass die Straße auch nach der Sanierung schmaler sein werde, als es die gängigen Richtlinien für Staatsstraßen vorgeben. „Wir haben dort gar nicht so viel Platz und die Planungen auf etwa zwei Drittel der üblichen Breite reduziert: das Minimum dessen, was realisiert werden sollte.“ Zur Fahrbahn käme auf der Hangseite ein kombinierter Fuß- und Radweg. Auch diese beiden Gruppen von Verkehrsteilnehmern bräuchten am Plossen mehr Sicherheit, so Wohsmann. Die Stützbauwerke am Hang müssten allerdings höher gebaut werden als heute. „Wir suchen nach Lösungen, wie wir deren massiven Eindruck noch reduzieren können.“

Wie viele Fahrzeuge nutzen heute die Plossenstraße? Wie viele werden es in den nächsten Jahren sein?

Dazu habe man bereits vor einigen Jahren Zählungen und Hochrechnungen angestellt, so Holger Wohsmann. Erst jüngst habe es neue Zählungen und Hochrechnungen gegeben. Das Ergebnis: Aktuell fahren täglich rund 8.500 Fahrzeuge auf der Strecke. Im Jahr 2030 werden es rund 8.100 sein. Den zukünftigen leichten Rückgang des Verkehrs hätten die Experten übrigens zu beiden Zählzeitpunkten prognostiziert. Meißen liege eher am Rand des Dresdner Ballungsgebiets, seine Bevölkerung altert. Zudem sollen neu gebaute Straßen wie die neue S84 Verkehr aufnehmen. Lautstark äußerten manche Gäste Zweifel. Unklar blieb allerdings, mit welchem Ziel. Befürchtet wird offenbar eine Zunahme des Schwerlastverkehrs auf der Strecke. Dennoch fordern etliche Meißner einen schmaleren Ausbau des Plossenaufstiegs.

Muss unter Vollsperrung gebaut werden? Wo sollen die Umleitungsstrecken sein?

Eine Vollsperrung lasse sich bei der schwierigen Lage der Straße am Hang nicht vermeiden. Bei der Errichtung neuer Stützbauwerke werde großes und schweres Gerät gebraucht, so Holger Wohsmann. Gleichwohl wolle sein Amt jede Möglichkeit nutzen, den Bau zu beschleunigen und die Sperrzeiten zu verringern. „Ich könnte mir zum Beispiel eine Baustelle im Zwei-Schicht-System vorstellen.“ Die Führung der Umleitungen sei ein großes Problem. Der Goldgrund sei zu viel zu schmal, um Zwei-Richtungs-Verkehr aufzunehmen. Ähnliches gelte für den Lerchaweg. Die Route über den Siebeneichener Schlossberg führe durch sensible Naturschutzgebiete. Nach derzeitigem Stand sei am ehesten folgende Lösung denkbar: über den Lerchaweg auf den Plossen, über Semmelsberg zu Tal, in Siebeneichen fahren nur Einsatz- und Versorgungsfahrzeuge. Der überörtliche Verkehr solle so gut wie möglich schon in Wilsdruff Richtung B101 gelenkt werden. In der Umleitungsfrage ging der LaSuV-Niederlassungschef auf die Meißner zu: „Wenn es eine bessere Lösung geben sollte, bekommen Sie eine bessere Lösung. Vielleicht finden wir gemeinsam einen Ansatz dafür.“

Würde eine ganz neue Verkehrslösung einen schmaleren Ausbau des Plossens erlauben?

Der jüngst wieder ins Gespräch gebrachte Tunnel zwischen der Bockwener Delle und der Elbe sei grundsätzlich geeignet, die Verkehrsprobleme des Plossens zu lösen, so Wohsmann. Aber sein Bau sei nach derzeitigem Stand nicht abzusehen. „Dazu müsste die Stadt zunächst ein Verkehrskonzept beschließen, in dem sie sich den Tunnel wünscht. Dann käme das Projekt vielleicht in den Regionalplan, dann in den Landesverkehrsplan. Erst dann könnten wir mit der Planung beginnen. Der Bau am Plossen kann aber nicht mehr so lange warten, bis ein Tunnel fertig wäre. Das ist illusorisch.“

Könnte eine Tonnagebegrenzung die Lkw vom Plossen fernhalten?

Eine Tonnagebegrenzung sei auf der Staatsstraße unter zwei Bedingungen möglich, so Holger Wohsmann. Sie könne angeordnet werden, wenn der bauliche Zustand der Straße zu schlecht sei. Mit der Hangsicherung des Jahres 2014, erst recht mit dem grundhaften Ausbau sei das aber hinfällig. Eine weitere Möglichkeit sei die Tonnagebegrenzung an Unfallschwerpunkten. Auch das sei der Plossen aber nicht, so Wohsmann: „Der Plossen ist ein Ärgernis.“ Im Übrigen sei der Schwerlastverkehr überall unbeliebt: Wenn es danach ginge, würden in allen Kommunen Bürger die Lkws von den Straßen verbannen.

Was geschieht, wenn der Verkehr auf den Neumarkt rollt?

Prognosen für den jetzt schon überlasteten Straßenzug, auf den der Verkehr vom Plossen einmündet, machte Holger Wohsmann nicht. Wohl aber bekam er den Protest von Neumarkt-Anwohnern mit. Sie verließen wütend die Veranstaltung, weil ihre Probleme mit Stau, Lärm und Abgasen so gut wie gar nicht behandelt wurden. Stadträte der Linken forderten jüngst Luftschadstoffmessungen am Neumarkt. Die Stadtratsmehrheit lehnte einen Beschluss dazu ab, weil unklar ist, wer die Messungen bezahlt, und welchen Einfluss sie auf die Bauplanungen für den Plossen haben sollen.