Neue Pläne für die Meißner Fährmannstraße

Derzeit noch kein Idyll an der Triebisch: die Fährmannstraße in Meißen Foto: Archiv

In den vergangenen Jahren plante die Stadt den Abriss der Häuserzeile an der Triebisch. Jetzt sollen die Gebäude erhalten werden, sogar ein Neubau könnte entstehen.

„Italienischen Charme“ bescheinigte Landschaftsarchitektin Christine May der Meißner Fährmannstraße. Schöne Fassaden, Nähe zum Wasser – wenn nur der Verfall nicht wäre. „Die Straße hat Potenzial. Aber ich kann auch verstehen, dass man den jetzigen Zustand nicht mehr sehen kann.“

Der jetzige Zustand ist über lange Zeit entstanden. Seit Jahren stehen mehrere der großen Gründerzeitbauten der Fährmannstraße leer. Mittlerweile ist ihnen deutlich anzusehen, wie marode sie sind. Im Auftrag der Stadt entwarf das Dresdner Landschaftsarchitekturbüro May Pläne für den Abriss der Häuserzeile an der Triebisch und den Neubau einer Uferpromenade.

Nach Widerstand gegen die Variante „tabula rasa“ lenkt die Stadt nun jedoch ein und lässt umplanen. Im Bauausschuss des Stadtrats stellte Landschaftsarchitektin Christine May Ende November neue Entwürfe für die Fährmannstraße vor. Die Häuserzeile an der Triebisch soll erhalten werden. Die Idee der Uferpromenade will man dennoch umsetzen.

Planungen für eine Neugestaltung der Fährmannstraße gibt es bereits seit 2012. Die Stadt erwarb seither mehrere Häuser an der Straße. Die Wohnungen wurden allerdings nicht vermietet, die Gebäude – sofern noch genutzt – nach und nach leergezogen. Stadtverwaltung und Stadtrat sicherten den Zugriff der öffentlichen Hand mit einem Vorkaufsrecht und einer Veränderungssperre für das Gebiet. 2015 wurden erstmals die Pläne zum Abriss der uferseitigen Häuserzeile vorgestellt.

Kritisiert wurden sie nicht nur von Bürgern, sondern auch von Denkmalschützern. Deren Behörden verweigerten die Zustimmung zum Abriss und machten Forderungen auf. Wenn schon der bestehende Kopfbau zur Martinsbrücke nicht erhalten werden könne, solle dort ein neues Gebäude entstehen.

Mit diesen Vorgaben plante nun Landschaftsarchitektin Christine May: langfristiger Erhalt der uferseitigen Häuserzeile, Ersatz des eventuell abzureißenden Kopfbaus durch einen möglichst hochwassersicheren Neubau. Die bestehende Freifläche an der Martinsbrücke könne höchstens geringfügig erweitert werden. Das Resultat sind „Triebischterrassen“, die den Meißnern an der Fährmannstraße einen Weg zum Fluss bahnen.

Auf dem kleinen Platz soll es nach dem Umbau mehrere Geländeebenen geben. Vom Niveau der künftig von Bäumen gesäumten Straße gelangte man auf eine 1,50 Meter tiefer liegende begrünte Fläche mit Spielgeräten. Über eine Rampe wäre sie behindertengerecht erreichbar. Zur Triebisch führte von dort eine Treppe. Das I-Tüpfelchen wären eine Art Aussichtsbalkon über dem Fluss und ein Steg zwischen dem Wasser und den Häusern.

Zustimmung dafür von den Stadträten im Bauausschuss, aber auch Fragen: „Wie wird der Umbau finanziert? Wann kann er umgesetzt werden?“, wollte Nico Riefling (CDU) wissen. „Uns nutzt das schöne Konzept nichts, wenn wir es nicht bezahlen können.“

Dass nach langem Stillstand nun Bewegung in die Sache kommt, bewies aber nicht nur der überarbeitete Entwurf, sondern auch eine Wortmeldung von Birgit Richter, Geschäftsführerin der stadteigenen Wohnungsgesellschaft SEEG. „Wir begrüßen, dass die Fährmannstraße aufgewertet wird, und wollen unseren Teil dazu beitragen. Die SEEG ist bereit, einen neuen Kopfbau für die Häuserzeile mitzuentwickeln und in seinen Bau zu investieren.“

Die Fährmannstraße sei eigentlich eine gefragte Wohngegend, so Birgit Richter. Nur der marode Zustand der leeren Häuser schrecke derzeit ab. „Alle warten darauf, dass dort etwas passiert.“