Wie der Domplatz barrierefrei werden soll

Ebene "Spuren" aus Granitplatten im Wildpflaster des Meißner Platzes könnten Fußgängern und Rollstuhlfahrern helfen. Doch wann sie verlegt werden, ist nicht klar.

Das Pflaster auf dem Domplatz ist ein Ärgernis. Dabei wurde es erst vor gut sechs Jahren neu verlegt. Das sogenannte „Wildpflaster“ passt aus Sicht des Denkmalschutzes hervorragend zum Platz und seiner historischen Bedeutung. Aus Sicht von Fußgängern, Kinderwagen schiebenden Eltern oder Rollstuhlfahrern ist es jedoch eine Zumutung.

Nach Jahren der Kritik tut sich nun etwas auf dem Domplatz. Vor einigen Tagen wurden Platten ausgelegt: Probeflächen, mit denen getestet wurde, wie sich der Domplatz in Zukunft fußgänger- und rollstuhlfahrerfreundlicher gestalten lässt. Meißens Stadträte haben sich offenbar auf eine Vorzugsvariante geeinigt.

Für Fußgänger sollen demnach auf dem Domplatz ebene Wege aus Granitplatten angelegt werden. Die Platten grau und „ohne Kreuzfuge verlegt“: So könnten sich die „Gehspuren“ über den Platz ziehen. Zuerst von der Aufzugsstation bis zum Eingang der Albrechtsburg.

Einig sind sich die Mitglieder des Stadtrats-Bauausschusses über die bevorzugte Gestaltungsvariante für die Fußgängerwege. Uneinigkeit herrscht jedoch über fast alle anderen Details des Projekts, den Domplatz endlich „barrierefrei“ zu machen. Welche Wege braucht es? Wann werden sie gebaut? Und wer bezahlt das alles?

Die Auslegung der Probeflächen bezahlt zumindest das zum Freistaat gehörende Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB), stellte Meißens Bauamtsleiter Dirk Herr klar. Dem Freistaat gehöre nicht nur die Albrechtsburg, sondern auch Teile der Platzfläche. Der 2011er Umbau des Domplatzes fand unter Regie des SIB statt.

Seit längerem diskutiere die Stadt mit dem Staatsbetrieb über Möglichkeiten, die Begehbarkeit des Domplatzes zu verbessern, so Dirk Herr. Anfang 2017 endlich mit Erfolg: Das SIB erklärte sich bereit, Varianten zu testen und eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. „Die Probeflächen sind Muster, anhand derer wir jetzt das weitere Vorgehen beschließen können.“

Doch viel mehr als die Muster gibt es auch noch nicht. Keine ausgearbeitete Bauplanung, sondern nur erste Überlegungen, wo gebaut werden könnte. Die 130 Meter vom Aufzug bis zur Burg seien der Favorit, erklärte der Meißner Bauamtsleiter den Stadträten. Am Rand des Platzes, eng am Kornhaus und am Verbinderbau vorbei: Dort gehörten die Flächen fast ausschließlich der öffentlichen Hand. „Hier sehen wir am klarsten den Freistaat in der Pflicht.“

Denn ums Geld muss noch verhandelt werden. Die Bauarbeiten werden teuer, vermutet Dirk Herr. „Man muss tief in den Platz eingreifen. Ich gehe davon aus, dass wir von Kosten in der Größenordnung um die 150.000 Euro reden.“ Dass allein der Freistaat diese Summe bezahlt, scheint unwahrscheinlich.

Gespräche über die Kostenaufteilung zwischen Stadt und SIB sind noch zu führen. „Ohne eine Beteiligung von uns wird es vermutlich schwer“, sagt Dirk Herr. Allerdings ist bei den aktuellen Planungen für Meißens Doppelhaushalt 2018/19 noch kein Geld für den Wegebau auf dem Domplatz reserviert. Wann das Vorhaben umgesetzt werden kann, ist damit noch völlig unklar.

Ist der Beschluss für eine Gestaltungsvariante also ohne Wert, wie ULM-Fraktionschef Wolfgang Tücks mutmaßte? Ohne städtische Entscheidung für eine Gestaltung keine weiteren Planungen mit dem SIB und damit auch keine solide Kostenschätzung für das Bauvorhaben, entgegnete der Bauamtsleiter. Erst dann könne die Stadt Geld für das Projekt in den Haushalt einstellen.

Der Weg vom Aufzug zur Burg gilt als „Bauabschnitt 1“ für die Umgestaltung des Domplatzes. Wann weitere folgen, steht in den Sternen. Die Strecke vom Aufzug bis zum Dom müsse ebenfalls für Fußgänger besser passierbar werden, so Dirk Herr. Doch dort seien zunächst Grundstücksfragen zu klären. Zudem läge diese Strecke vor Häusern, von denen die meisten auch nicht barrierefrei zugänglich sind.