Ein Pfarrer verlässt die Meißner Afra-Kirchgemeinde

Pfarrer Bernd Oehler in der Meißner Afrakirche: Anfang August wechselt er vom Gemeindedienst an die Schulen der Region Foto: Grau

Fast 20 Jahre lang hat Bernd Oehler das Leben in der Kirchgemeinde, aber auch in vielen Vereinen der Stadt mitgeprägt. Jetzt wechselt er sein Aufgabenfeld.

Es ist ein halber Abschied und ein Einschnitt. Pfarrer Bernd Oehler verlässt die Afra-Kirchgemeinde, für die er 18 Jahre lang Seelsorger war. In der Stadt ist Oehler auch durch sein Engagement für das Kinder- und Jugendhaus „KAFF“ und Bürgerinitiativen wie „Brücken bauen“ oder „Buntes Meißen“ bekannt.

Dass der Pfarrer Anfang August sein Aufgabenfeld wechseln wird, ist wohl auch eine Folge des Mitgliederschwunds der deutschen Kirchen. Erkennbar an der Afra-Kirchgemeinde: „Ende der 1990er Jahre hatten wir rund 3.000 Mitglieder“, sagt Bernd Oehler. „Heute sind es noch knapp 2.000.“ Die Evangelische Landeskirche Sachsens verordnet sich wegen dieses Trends eine – durchaus umstrittene – Strukturreform. Sie macht sich auch in Meißen bemerkbar. Die Afra-Gemeinde wird eine ihrer bislang drei Pfarrer-Stellen abgeben müssen. Bernd Oehler verlässt den Gemeindedienst, wechselt zur Landeskirche und gibt ab August ausschließlich Religionsunterricht an Schulen der Region.

Die Arbeit mit Schülern war bislang schon ein Teil seiner Aufgaben. Sie gefällt ihm. „Die meisten jungen Menschen kommen heute von außen zur Kirche“, sagt der Pfarrer. Für sie sei der Religionsunterricht oft der erste Kontakt mit religiösen Themen. „In diesem Unterricht gibt es die Chance, junge Menschen zu prägen. Wir Pfarrer können dabei gesellschaftliche Begegnungen unterschiedlicher Art ermöglichen.“ So hat es Bernd Oehler schon in den vergangenen Jahren gehalten. Er brachte Schüler und ältere Meißner in Kontakt. Die Senioren berichteten aus ihrem Leben und von ihren Erfahrungen. Die Jungen verarbeiteten das Gehörte in einem Buch unter dem Namen „Spuren auf dem Kopfsteinpflaster“.

Die Kinder- und Jugendarbeit sei für ihn schon in den ersten Meißner Arbeitstagen wichtig gewesen, sagt Bernd Oehler. Im September 1999 kam der Pfarrer aus Wermsdorf in die Stadt. „Meine erste Meißner Wohnung war im Triebischtal. Wenn ich dort noch spätabends arbeitete, klopften immer wieder Kinder ans Erdgeschossfenster.“ Neugierig seien sie gewesen, erinnert sich Oehler. „Und ich als Vater habe mich gefragt, was diese Kinder noch so spät allein auf der Straße machen.“ Die offensichtlichen sozialen Probleme in dem Stadtteil brachten den Pfarrer dazu, sich für das Kinder- und Jugendhaus „KAFF“ in der ehemaligen Lutherkirche einzusetzen. Noch heute wird es von der Afra-Gemeinde betrieben.

Dabei hatte die Gemeinde zu Oehlers Dienstantritt noch jede Menge andere Aufgaben zu bewältigen. Zum Beispiel die erst kurz zuvor stattgefundene Fusion zu verarbeiten: Aus drei Kirchgemeinden war eine geworden. Afra-, Luther- und Frauenkirchgemeinde brachten jeweils eigene „Kulturen“ und Prägungen ein. Heute sieht Bernd Oehler den Fusionsprozess als geglückt an. „Wir sind eine bunt gemischte Gemeinde. Wir sind genauso städtisch wie dörflich geprägt.“ Er wird Gemeindemitglied bleiben.

Im Jahr 2000 übernahm Oehler die Leitung der Afra-Kirchgemeinde. Für Rechtliches und Kirchenbau war er nun zuständig, ebenso für die Seelsorge, Landbibelstunden, Gottesdienste, Konfirmationsunterricht. 2002 waren der Pfarrer und seine Gemeinde besonders gefordert. Nach der Flut an Elbe und Triebisch mussten sie nicht nur die eigenen Gebäude retten. Sie standen auch den anderen betroffenen Meißnern bei. Da passte es, dass sich Bernd Oehler schon in der Notfall-Seelsorge engagierte.

Die Leitung der Gemeinde übergab er nach einer Krankheit an Pfarrer Uwe Haubold. Bernd Oehler übernahm andere Aufgaben. Er knüpfte Kontakte zu anderen christlichen Gemeinden Meißens. Die Initiative „Brücken bauen“ entstand. Die Verlegen von „Stolpersteinen“, die Erinnerung an vertriebene und ermordete jüdische Meißner, die Friedensdekade, die Jubiläumsveranstaltungen zur Friedlichen Revolution: All das ist eng mit Oehlers Namen verknüpft.

Engagiert wird er weiter bleiben, sagt der Pfarrer, der nun mit 57 Jahren beruflich nochmal umsattelt. Meißner bleibt er ebenfalls: „Ich habe mich für diese Stadt entschieden. Meißen ist ein Ort, an dem ich gern noch ein bisschen älter werden möchte.“