Einspruch gegen geplanten Ausbau am Plossen

Steil, eng, gefährlich: In Meißen soll die Auffahrt zum Plossen samt Haarnadelkurve umgebaut werden Foto: Grau

Die zuständige Landesbehörde hat ihre Pläne für den Bau an der Meißner Plossen-Auffahrt vorgelegt. Es regt sich Widerstand: Bürger fordern Umplanungen und sammeln Unterschriften.

Der Widerstand gegen den geplanten Ausbau am Plossen sammelt sich in der Rosengasse. Dort herrscht in der Nummer 7 volles Haus: Die Initiative „Bürger für Meißen - Meißen kann mehr“ hat eingeladen. Erschienen sind trotz der wochentäglichen Mittagsstunde um die 40 Leute. Es sind Anwohner vom Plossen, aber auch aus der Innenstadt. Ihr gemeinsames Ziel: Die aktuellen Planungen zum Um- und Ausbau der Plossen-Auffahrt sollen geändert werden.

Dafür drängt die Zeit. Zwar wird das Bauvorhaben bereits seit Jahren diskutiert. Doch nun drückt das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV) aufs Tempo – für die in der Rosengasse versammelten Meißner überraschend. Ihre Meinung ist eindeutig: Über Jahren seien alle, die nach konkreten Planungen fragten, hingehalten worden. Jetzt sei man plötzlich schon mitten im Planfeststellungsverfahren. Die Unterlagen sind nur noch bis zum 26. Juli im Meißner Bürgerbüro in der Burgstraße öffentlich ausgelegt. Bis zum 28. August können Einwendungen dagegen erhoben werden.

Und die wird es geben. Das LASuV hat Gegenwind zu erwarten: In Meißen werden Unterschriften gegen die aktuellen Pläne zum Plossen-Ausbau gesammelt. Die Stimmung ist gereizt. Die Organisatoren der Sammlung erheben Vorwürfe gegen das Landesamt, die Meißner Stadtverwaltung und den Stadtrat.

Walter Hannot von den „Bürgern für Meißen“ fasst die Kritik am geplanten Straßenbau zusammen. Den derzeit ausgelegten Plänen sei zu entnehmen, dass die Trasse inklusive Fuß- und Fahrradwegen auf eine Breite von über elf Metern ausgebaut werden soll. Das entspreche nahezu einer Verdoppelung gegenüber den heutigen Dimensionen. Am Berg entstünde ein Beton-Monstrum, das Schwerlastverkehr geradezu in die Stadt locke. Die Bauzeit sei mit „mindestens zwei Jahren“ angegeben. Weil in dieser Zeit eine Vollsperrung geplant sei, solle eine bis zu sechs Meter breite Umleitungsstrecke durch den geschützten Siebeneichener Park asphaltiert werden. „Das geht so nicht. Brauchen wir wirklich solche Bauwerke? Mit der Auslegung versucht man, Fakten zu schaffen und erst danach zu kommunizieren.“ Apropos Fakten: Eine aktuelle Verkehrszählung oder eine Simulation künftiger Verkehrsflüsse liege trotz Ankündigungen nicht vor.

Ohne Zweifel sei die Plossen-Auffahrt sanierungsbedürftig. Bauarbeiten ja, aber nicht in den derzeit geplanten Dimensionen: So formulieren es die Anwohner vom Plossen und aus der Altstadt. „Wir fordern eine Neuplanung“, sagt Ingolf Brumm von den „Bürgern für Meißen“. „Eine vernünftige Planung würde darauf zielen, Verkehr aus der Stadt zu halten. In Meißen macht man aber das Gegenteil.“ Meißen habe bereits zwei in wichtigen Teilen ausgebaute Bundesstraßen, die Durchgangsverkehr aufnehmen. Damit Schwerlastverkehr nicht mehr über den Plossen rollt, müsse es eine Tonnagebegrenzung auf der Staatsstraße geben: „am besten schon ab Wilsdruff“, sagt Ingolf Brumm. „Außerdem wollen wir eine Reduzierung der geplanten Sperrzeit am Plossen erreichen. Wenn eine vernünftig dimensionierte Planung umgesetzt wird, genügt auch eine einseitige Sperrung während der Bauzeit.“ Damit könnte auf den Bau der Umleitungsstrecke durch den Siebeneichener Park verzichtet werden.

Vorwürfe machen die Organisatoren der Unterschriftensammlung nicht nur dem LASuV. Das agiere zwar, ohne auf Bedenken und Wünsche der Meißner Rücksicht zu nehmen. Möglich sei das aber nur, weil Stadtverwaltung und Stadtrat dieses Vorgehen duldeten. „In Meißen herrscht in Sachen Verkehrsplanung wohl Ratlosigkeit“, sagt Frank Thieme aus Siebeneichen. „Die Stadt reagiert nur und agiert nicht.“ Man lasse den Ausbau des Plossens zu, ziehe Schwerlastverkehr auf diesem Wege in die Stadt und schicke ihn an den schon jetzt zeitweise überlasteten Neumarkt. „Dort trifft er sich mit den Verkehrsströmen aus dem Rauhental und dem Triebischtal. Das ist Wahnsinn an einer Straße, an der man eine Ballung von Supermärkten mit ihren Zufahrten zugelassen hat.“

Der Stadtrat habe bislang die Planungen zum Plossen-Ausbau nur durchgewinkt, so Walter Hannot. Bei den Planungen für die Umleitungsstrecke durch den Siebeneichener Park agiere er aber auch selbst in unheilvoller Weise. Ursprünglich seien mehrere Varianten in Betracht gezogen worden: von einer nur leichten Befestigung des Weges bis hin zum Bau einer Asphaltpiste. Die Stadt tendiere nun zum massivsten möglichen Eingriff. „Wir befürchten, dass das der Einstieg zur Einrichtung einer dauerhaften Abkürzungsstrecke zur B6 wird“, sagt der Siebeichener Frank Thieme. Mit dem Bau der Piste würden die Lebensgebiete von Eisvogel und seltenen Fledermäusen zerstört.

Nach den aktuellen Planungen würden die Bauarbeiten am Plossen rund 8,5 Millionen Euro kosten. Der Freistaat bezahlte für den Ausbau der Staatsstraße 6,5 Millionen Euro, die Stadt für Anlagen an der Straße zwei Millionen. Meldet die Stadt keine Änderungswünsche an, weil sie fürchtet, bei anderen Planungen finanziell schlechter zu fahren? Immer wieder sei die Rede davon, dass der Plossen-Auffahrt der Status einer Staatsstraße entzogen würde, wenn man dort den Schwerlastverkehr begrenzte, sagt Walter Hannot. „Das ist aber Angstmacherei. Die Straße würde nicht automatisch ihren Status verlieren.“

Viel wichtiger sei es, jetzt die richtigen Weichen für das Straßenbauvorhaben zu stellen, dass Meißens innerstädtische Verkehrsströme für Jahrzehnte prägen werde. Pünktlich Ende August sollen die Unterschriftenlisten als Einwendungen an das LASuV übergeben werden. Auch danach werde man noch weiter Unterschriften sammeln. „Hier hat eine große Zahl größeren Einfluss“, erklärt Frank Thieme. „Wir müssen zeigen, dass nicht nur wenige, sondern viele Meißner gegen den Ausbau in der jetzt geplanten Form sind.“