Schmuck für die Fassade der Roten Schule

Handarbeit für den Schmuck der Roten Schule: Die Ziersteine wurden im Ziegelwerk Huber in Graupzig in Handarbeit hergestellt Foto: Grau

Der Umzug des historischen Archivs von Meißen steht bevor. Am neuen Domizil wird noch gearbeitet.

Sattes Rot, edle Formen, echte Handarbeit: Die neuen Ziersteine werden das I-Tüpfelchen für die Fassade der Roten Schule sein. Vorsichtig gehen die Handwerker mit ihnen um. Stein für Stein vervollständigen sie in diesen Tagen die neu gebauten Treppenanlage auf dem Schulplatz.

Es ist die letzte Etappe einer jahrelangen Sanierung. Depot und Verwaltungsräume des benachbarten Stadtmuseums bezogen bereits vor elf Jahren in zwei obere Etagen der Roten Schule. Dann tat sich lange nichts mehr an dem Gebäude im Meißner Zentrum. Erst um 2015 kam wieder Bewegung in die Sache. Jetzt wurden die bislang unsanierten unteren Etagen für den Einzug des Meißner Stadtarchivs umgebaut. Das Verwaltungsarchiv ist hier bereits eingezogen. In diesem Sommer folgt das historische Archiv der Stadt.

Bevor es so weit ist, beweisen Katja Lamnek vom Meißner Bauamt und Planer Jürgen Voigt Sinn für die Meißner Stadtgeschichte. Die Rote Schule zwischen Gerbergasse und Schulplatz wurde in den 1850er Jahren nach Entwürfen des Architekten Carl August Schramm gebaut. Der Schinkel-Schüler ließ die Fassade des Baus mit rot gebrannten Formsteinen verzieren. Sie waren Vorbilder für die Steine, die die neu errichtete Treppenanlage der Roten Schule zieren werden.

„Wir haben es uns damit nicht einfach gemacht“, sagt Katja Lamnek. Um die zum Gebäude passenden Formen zu finden, sei man „tief in die Historie und Architektursprache des Hauses eingestiegen“. Ausgehend von den schon vorhandenen Ziersteinen habe man zunächst ausführlich diskutiert, welche Formen die neue Treppe schmücken sollten. „Es gab Entwürfe für eher moderne und für traditionelle Muster. Schließlich haben wir uns für die Tradition entschieden“: hübsche Geometrie mit floralen Elementen.

Die alten Klinkerformsteine für die Schulfassade lieferte einst die Ziegelei Rudolph in Niederfähre. Die neuen fertigte das Ziegelwerk Huber in Graupzig bei Nossen in Handarbeit an. Erst das Gipsmodell, dann die Negativform, die mit Ton ausgestrichen wurde. Schließlich der Brand im Ofen: genau so lange und heiß, bis der gewünschte rote Farbton erreicht war. Viel Aufwand für genau 130 Steine, aber der habe sich gelohnt, findet Bauplaner Jürgen Voigt. Mit ihrer Hilfe ordne sich der neu gebaute Eingangsbereich der Roten Schule harmonisch in das Gefüge des Baus ein.

Darüber kann man fast übersehen, wie viel moderne Technik in dem Treppen-Anbau steckt. Er macht den Weg in die Rote Schule künftig barrierefrei. Über einen rollstuhlgerecht gebauten Durchgang gelangt man zum Fahrstuhl im Gebäude.

Für Katja Lamnek ist das Rot der neuen Ziersteine schon ein Vorgriff auf eine künftige Sanierung der Fassade der Roten Schule. Dabei würde auch die Farbe des Gebäudes geändert: weg vom heute dominierenden strahlenden Weiß, hin zu rötlichen Farbtönen. Seinen Namen hat das frühere Schulhaus nicht von ungefähr. Einst war die Fassade mit rötlichem Putz gestaltet.

Das ist Zukunftsmusik, anders als der Einzug des historischen Archivs und die Umgestaltung des Schulplatzes vor dem Gebäude, für die es schon feste Termine gibt. „Der Innenausbau läuft auf Hochtouren“, sagt Planer Jürgen Voigt. Im Haus wird gestrichen, Parkett geschliffen, Fußbodenbelag gelegt. Ende Juni sollen die neuen Rollregale für die Archivräume geliefert werden. Voraussichtlich im August ziehen die Dokumente ein.

Die Rote Schule ist dann fertig umgebaut und saniert, das Haus komplett genutzt. Das Ende der Bauarbeiten ist das aber noch längst nicht. Nach dem Weinfest startet die nächste Sanierungsetappe im Umfeld des Hauses. Dann wird der Schulplatz neu gestaltet: als regelmäßiger Austragungsort für die Meißner Grünmärkte, für Kulturveranstaltungen und einen Teil des Meißner Weihnachtsmarkts.