Weniger Straftaten und trotzdem Unsicherheit

Der Chef des Meißner Polizeireviers stellt die Statistik zur 2016 registrierten Kriminalität vor: vor allem Diebstähle, Sachbeschädigungen und sogenannte Rohheitsdelikte.

Kriminalitätsstatistik ist alle Jahre wieder ein heikles Feld. Und so wählte der Chef des Meißner Polizeireviers seine Worte mit Bedacht, als er vor wenigen Tagen die Zahlen zu den 2016 im Meißner Stadt- und Kreisgebiet registrierten Straftaten im Stadtrat vorstellte. Das Sicherheitsgefühl der Bürger habe in den letzten Jahren gelitten, sagte Hanjo Protze.

Allerdings: Von Zahlen gedeckt sei dieses Gefühl nicht. Die Statistik verzeichnete 2016 für den Landkreis Meißen so wenige Straftaten wie seit Jahren nicht mehr. Von rund 12.300 Fällen im Kreisgebiet sprach Hanjo Protze: „Im Vergleich der vergangenen zehn Jahre ist das ein Rekordtief.“ Wie gehen nun Gefühl und Statistik zusammen? Ist Meißen etwa doch eine „Kriminalitätshauptstadt“? Der Revierchef versuchte, mit Zahlen Antworten zu geben.

Exakt 2.397 Straftaten wurden der Polizei 2016 in der Stadt Meißen gemeldet: 72 mehr als 2015. Hanjo Protze sprach von einem „langjährig stabilen Niveau der Kriminalitätsbelastung“. Gewichte man die Zahlen anhand der Einwohnerschaft, ordne sich Meißen in einem Mittelfeld ein. In der Stadt sei die Kriminalitätsbelastung höher als im Durchschnitt des gesamten Landkreises, aber weniger hoch als in der Großstadt Dresden.

Diebstähle, Sachbeschädigungen, sogenannte „Rohheitsdelikte“: Mit solchen Straftaten hatte es die Polizei 2016 in der Stadt Meißen am häufigsten zu tun. Jeweils um die 300 Fälle seien registriert worden, so der Revierchef. Der Fachmann spricht von „Deliktgruppen“: Von allen dieser drei habe es 2016 in Meißen mehr gegeben, als im Jahr zuvor.

Ladendiebstähle: plus 33 Fälle, Sachbeschädigungen: plus 46 Fälle, Rohheitsdelikte: plus 20 Fälle, zählte Hanjo Protze auf. „Bei den Sachbeschädigungen hatten wir vor allem bei den Graffiti-Schmierereien einen deutlichen Anstieg um 57 auf 104 Fälle.“ In der gestiegenen Zahl von Rohheitsdelikten drücke sich ein gesellschaftlicher Trend aus. Konflikte würden häufiger gewalttätig ausgetragen. Offenbar ersetzen Schläge zunehmend das Nachdenken, Argumentieren und Deeskalieren.

Einen deutlichen Anstieg verzeichnete die Polizei in Meißen bei den Rauschgiftdelikten. Allerdings nicht unerwartet: Die verschiedenen Formen der Drogenkriminalität würden meist erst durch gezielte Polizeiarbeit entdeckt, sagte Revierleiter Hanjo Protze. „Etwa mit Kontrollen: Wir haben auf diesem Gebiet einiges getan.“ 120 Rauschgiftdelikte registrierte die Polizei im vergangenen Jahr in Meißen: 66 mehr als im Jahr zuvor. Nun solle der Verfolgungsdruck nicht nachlassen, so Protze. „Wir gehen den Weg, den wir im vergangenen Jahr eingeschlagen haben, weiter.“

Geht es um das Sicherheitsgefühl, wird in diesen Tagen häufig darüber diskutiert, wie viele Delikte von Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft begangen wurden. „Der Anteil der nicht-deutschen Tatverdächtigen lag im vergangenen Jahr in Meißen bei 19,3 Prozent“, sagte Protze. Diese Zahl umfasse aber eben nicht nur Asylbewerber. „Dort sind auch durchreisende Straftäter eingerechnet oder Touristen, die in einem Laden etwas gestohlen haben.“

Einfach machte es sich der Polizist vor dem Stadtrat mit diesem Thema nicht. „Da ist ein Trend spürbar“, sagte Protze. In der Stadt Meißen wirke sich positiv aus, dass fast alle Asylbewerber dezentral in Wohnungen untergebracht seien. Das schaffe im besten Fall stärkere soziale Einbindung und verhindere Konflikte, wie sie in großen Unterkünften oft gewaltsam ausgetragen würden. „Aber auch die zentrale Unterbringung kann Vorteile haben. Wenn wir zu Einsätzen kommen, wissen wir nicht, wie hinter jeder einzelnen Wohnungstür Integration gelingt.“

Und noch etwas gab der Meißner Revierleiter zu bedenken. Sprechen Zahlen und Sicherheitsgefühl wirklich gegeneinander? „Das Dunkelfeld ist ein Problem: Es kann durchaus so sein, dass Bürger kleinere Delikte nicht mehr bei uns anzeigen.“ Wartezeiten, bis die Polizei zum Tatort kommt, fehlende Aufklärung und die Einstellung von Verfahren: Solche Erfahrungen beeinflussten, wie viele Straftaten der Polizei gemeldet würden. „Wir bitten ausdrücklich darum, uns jedes Delikt anzuzeigen“, sagte Hanjo Protze. Nur so könne die Polizei Spuren sichern und nach Tätern fahnden.

In Meißen wurden 2016 die meisten der gemeldeten Straftaten aufgeklärt. 63,2 Prozent betrug diese Quote: 4,6 Prozent mehr als noch 2015.