Grünes Licht für Kauf der Industriebrache

Mehrere Monate dauerte die Debatte um den Kauf des Grundstücks in der Meißner Höroldtstraße. Nun greift die Stadt doch zu. Foto: Archiv

Noch einmal debattierten Meißens Stadträte über den Erwerb des Grundstücks Höroldtstraße 3. Der OB bringt es als Standort für eine Containerschule ins Gespräch.

Meißens Stadträte haben sich entschieden: Die Stadt kauft das Grundstück an der Höroldtstraße 3 im Triebischtal. Der Beschluss für den Vollzug des eigentlich schon vor Monaten abgesegneten Kaufvertrags fiel bei der jüngsten Ratssitzung aber nicht ohne nochmalige Debatte.

Es ging um die altbekannten Fragen, die sich mit dem Grundstückskauf verbinden. Was, wenn in der Höroldtstraße 3 in Wänden oder Boden giftige Altlasten schlummern? Und wozu braucht die Stadt die Immobilie überhaupt?

Die zweite Frage veranlasste Grünen-Stadtrat und Fraktionschef Heiko Schulze zu einer Generalkritik an der Verwaltung. Die verweise stets darauf, dass die Fläche an der Höroldtstraße Potenzial für die Entwicklung des Stadtteils Triebischtal biete. „Aber da fehlt mir der Glaube.“ Die Stadt bringe derzeit mehrere solcher „Potenzialflächen“ in ihren Besitz. Schulze verwies auf den geplanten Erwerb der früheren Molkerei und des Kohlelagerplatzes im Triebischtal. „Wo es aber möglich und nötig gewesen wäre, fehlte dann der Impuls.“ Das münzte der Fraktionschef auf den „Hamburger Hof“, der jüngst bei einer Versteigerung angeboten wurde. An der hatte sich die Stadt nicht beteiligt. Für die Höroldtstraße 3 müsse es wenigstens den Hauch einer Nutzungsidee geben, wenn man dem Kauf für 200.000 Euro zustimmen wolle.

Den lieferte nun Oberbürgermeister Olaf Raschke. Die Höroldtstraße sei ein geeigneter Platz für die Containerschule, die die Stadt als Ausweichquartier für die ab 2018 anstehende Sanierung und Erweiterung der Questenbergschule bauen muss. Schon einmal war das Grundstück im Zusammenhang mit diesem Vorhaben im Gespräch. Im März hatte der Stadtrat zu entscheiden, wo künftig die Grundschule für das Triebischtal stehen soll. Die Höroldtstraße war damals als Standort für einen Schulneubau abgelehnt worden.

Die Frage nach Altlasten auf dem Gelände sollte ein Gutachten klären. Das Papier des Meißner Ingenieurbüros M.U.T. lässt jedoch noch keine konkreten Aussagen zu, ob in den Gebäuden oder im Boden giftige Stoffe stecken. Wie M.U.T.-Geschäftsführer Jörg Schneider den Stadträten erklärte, sei zunächst nur eine „historische Analyse“ vorgenommen worden. In der Nutzungsgeschichte des Grundstücks habe man Anhaltspunkte gesucht, ob Verunreinigungen mit Giftstoffen vorliegen können. Die Antwort: möglicherweise. An der Höroldtstraße 3 waren über Jahrzehnte Industriebetriebe und Autowerkstätten ansässig.

Klarheit über Altlasten bekommt die Stadt als neue Eigentümerin erst, wenn das Grundstück vor Baumaßnahmen genauer untersucht wird. Dann müssen Proben in Wänden und Böden genommen werden. Die Stadtverwaltung sicherte den Räten aber zu, dass auch die Altlastenbeseitigung über ein Programm des Freistaats zur „Brachflächenrevitalisierung“ gefördert werden könne. Schon in anderen Fällen hat Meißen davon profitiert. Bis zu 90 Prozent der Abrisskosten auf Industriebrachen wurden mit Landesmitteln bezahlt.

Noch einmal zur Sprache kam ein anderer Streitpunkt der Meißner Stadtentwicklung. Warum greift die Stadt an der Höroldtstraße zu, hielt sich aber bei der Versteigerung des „Hamburger Hofs“ in Cölln zurück? Dieser Bau prägt das Stadtbild, steht seit vielen Jahren leer und ist in desolatem Zustand. Auch der jetzige Besitzer kündigte Sanierung und Umbau an, doch etliche Monate nach dem Kauf ist noch immer nichts geschehen.

„Wer weiß, ob wir in fünf oder zehn Jahren noch einmal an das Grundstück im Triebischtal rankommen?“, fragte sich Dorothee Finzel von den Freien Bürgern. Besser also, man greife jetzt zu. Mit dem „Hamburger Hof“ sei der Fall nicht zu vergleichen. „Hätten wir den erworben, hätten wir ihn auch sanieren müssen.“ Diese Millionen-Investition könne die Stadt nicht stemmen. „An der Höroldtstraße spricht nichts gegen einen Abriss. Eventuell könnten wir dieses Grundstück auch weiterverkaufen.“

Finzels Fraktionskollege Holger Metzig plädierte ebenfalls für den Kauf. „Ich erinnere mich an das letzte Stadtteilgespräch im Triebischtal. Da wurden wir von den Bürgern aufgefordert, uns um genau solche Problemfälle wie die Höroldtstraße 3 zu kümmern.“ Das kann die Stadt nun tun. Der Vollzug des Kaufvertrags wurde bei fünf Gegenstimmen beschlossen.