"Jetzt sieht man, dass wir mit der Arbeit beginnen"

Drei der Meißner "Bürgerstifter" beim Arbeitstreffen an der verfallenen Meißner Jahnhalle: Leonore Jonasch (li.), Ina Heß und Martin Jonasch Foto: Grau

Die Meißner Bürgerstiftung setzt Zeichen für ihr erstes Projekt: Die Sanierung der Jahnhturnhalle wird vorbereitet.

Frische Luft, der Schatten großer Bäume, Vogelgezwitscher: Das Gelände an der Jahnhalle wirkt wie eine Oase am Rande der Meißner Altstadt. Und aufgeräumt wie schon lange nicht mehr. „Jetzt sieht man, dass wir mit der Arbeit beginnen“, sagt Ina Heß. Die Sprecherin der Meißner Bürgerstiftung zählt auf, was beim ersten Arbeitseinsatz am Jüdenberg erledigt wurde: Wildwuchs gerodet, Gras gemäht, Müll eingesammelt und abtransportiert. Auch die Treppenaufgänge zur Halle sind nun wieder freigelegt.

Und das sei nur der Anfang, sagt Ina Heß. In diesem und den nächsten Jahren werde es an der Jahnhalle noch etliche Arbeitseinsätze geben – zusätzlich zu den Bauarbeiten, die nötig sind, das verfallene Gebäude zu retten und für eine neue Nutzung flott zu machen.

Den Schlüssel zur Halle habe man schon von der Stadtverwaltung ausgeliehen, sagt Leonore Jonasch. Die Hochbau-Ingenieurin gehört zu den Stiftern der Bürgerstiftung. Sie engagiert sich aber nicht nur finanziell. Derzeit vermisst sie die Jahnhalle genau. Detailgetreue Pläne werden als Grundlage für die Sanierungsarbeiten gebraucht.

Zwar hat Meißens Stadtrat die Übergabe der über 100-jährigen Turnhalle an die Bürgerstiftung jüngst beschlossen. Noch ist die Stiftung aber nicht Eigentümerin. „Gemeinsam mit der Stadt arbeiten wir noch am Vertrag“, sagt Ina Heß. Solange der nicht abgeschlossen und in Kraft sei, werde man nicht mit Arbeiten am Gebäude beginnen. „Das ist schon eine Frage der Haftung.“ Allerdings will die Stiftung vor dem Baustart auch noch andere Dinge auf den Weg bringen. „Sehr wichtig ist uns zum Beispiel, dass unsere Stiftung selbst rechtsfähig wird“, so Ina Heß.

Derzeit ist die Bürgerstiftung Dresden Treuhänderin der Meißner Bürgerstiftung. Die organisatorische Erfahrung der Dresdner sei eine wichtige Starthilfe gewesen, sagt Ina Heß. Doch das erste große Meißner Projekt wolle die hiesige Stiftung eigenständig angehen. Es wird nach aktueller Schätzung rund 1,8 Millionen Euro kosten, die Jahnhalle und einen Teil von deren Außengelände zu einer öffentlich zugänglichen „Bewegungslandschaft“ zu machen. Zwar sei die erst im Herbst 2016 gegründete Stiftung derzeit schon finanzkräftiger als erwartet, sagt Heß. Doch ein größeres Polster ist dringend erwünscht.

„Bis jetzt haben 31 Stifter Geld gegeben. Die Beträge lagen zwischen 50 und 10.000 Euro. Daran erkennt man, wie breit das Engagement gestreut ist.“ Knapp 25.000 Euro an Stiftungskapital habe man derzeit beisammen. „Der Betrag soll noch wachsen. Dafür suchen wir nach wie vor weitere Stifter.“ Viele Meißner interessierten sich, bei manchen sei aber Zurückhaltung zu spüren. „Sie fragen dann zum Beispiel, ob der Betrag, den sie stiften wollen, einmalig ist, oder ob sie sich damit zu regelmäßigen Gaben verpflichten.“ Die Antwort: Der Betrag, den man stiften will, wird einmalig gegeben.

Neben weiteren Stiftern sucht die Meißner Bürgerstiftung auch Spender und Helfer. Dem Aufruf zum ersten Arbeitseinsatz folgten rund 40 Meißner. Das sei eine positive Überraschung gewesen, sagt Ina Heß. Viel Unterstützung komme vom Freundeskreis der Bürgerstiftung Meißen. „Die ersten Spendenzusagen haben wir auch schon. Uns wird finanzielle Hilfe angeboten, aber auch Leistungen für Arbeitseinsätze und den geplanten Bau.“

Mit Bau-Angelegenheiten kennt sich Leonore Jonasch aus. Die Bausubstanz der Jahnturnhalle sei trotz jahrelangem Leerstand noch recht solide, sagt sie. „Es gibt natürlich gefährdete Bereiche. Positiv ist aber, dass erst vor kurzem weiterer Hausschwamm entfernt wurde.“ Das größte Problem für das Gebäude sei zurzeit der Vandalismus. Seit der Sperrung der Halle vor zwölf Jahren werden immer wieder Türen aufgebrochen, Müll im Haus und auf dem Gelände verteilt und Wände beschmiert. Kaum ein Fenster der Jahnhalle ist noch heil. „Das schadet dem Haus sehr stark“, sagt Leonore Jonasch.

Die Halle steht zwar mitten in Meißen. Dennoch ist das Gelände am Jüdenberg abgeschieden. Deshalb soll es nach der Sanierung auch eine ständige Aufsicht auf dem Areal geben. Die Wohnung im Seitenflügel der Halle bleibe erhalten, sagt Ina Heß. „Dort kann ein Hausmeister wohnen oder Leute, die Bundesfreiwilligendienst leisten.“

Im Konzept für den späteren Betrieb der Jahnhalle spielen Hauptamtler ohnehin eine Rolle. Wenn die Halle für alle Meißner geöffnet sei, brauche es Mitarbeiter vor Ort. Doch bis solche Dinge zu klären sind, hat es noch Zeit. Für den Seitenflügel der Halle gibt es aktuell mehrere Nutzungsvorschläge. Die Bürgerstiftung wolle Arbeits- und Besprechungsräume anbieten, die Unternehmen und Vereine kurzfristig mieten können, sagt Ina Heß. Einziehen könnten auch Gesundheitsdienstleister, etwa für Physiotherapie oder Ernährungsberatung. Interesse angemeldet habe bereits eine Elterninitiative für einen Waldkindergarten: Sie sucht einen passenden Raum für witterungsunabhängige Kinderbetreuung.

Doch bevor die Jahnhalle für solche Zwecke genutzt werden kann, muss gebaut werden. Der Stadtrat macht der Bürgerstiftung dazu detaillierte Vorgaben. Bis Ende 2022 soll die Stiftung mindestens 75 Prozent der geplanten Investitionen an der Halle tätigen. Das heißt: Rund 1,4 Millionen Euro müssen bis dahin in die Sanierung geflossen sein. „Das schaffen wir“, sagt Ina Heß. So viel wie möglich auch aus eigener Kraft: „Der nächste Arbeitseinsatz an der Jahnhalle wird bald stattfinden.“