Nächster Anlauf zum Kauf an der Höroldtstraße

Wieder einmal ist der geplante Grundstückskauf Thema im Meißner Stadtrat. Die "Bürger für Meißen" fordern unterdessen ein Gesamtkonzept für die Entwicklung des Triebischtals.

Eigentlich sollte das Geschäft schon im vergangenen Herbst vollzogen sein. Doch noch immer stockt der Grundstückskauf im Triebischtal. Für 200.000 Euro will die Stadt Meißen aus privater Hand das ehemalige Firmengrundstück in der Höroldtstraße 3 erweben. Erst hinterfragten Stadträte Sinn und Zweck des Vorhabens. Dann fehlte ihnen Einblick in ein Umweltgutachten für die Industriebrache. Bei der nächsten Ratssitzung soll nun aber der Vollzug des bereits ausgehandelten Kaufvertrags beschlossen werden – im dritten Anlauf.

Damit das auch klappt, hat die Stadtverwaltung das Umweltgutachten für die Immobilie bereits weit vor dem Termin der Ratssitzung veröffentlicht. Auch auf der städtischen Internetseite kann es eingesehen werden. Das Fazit der Experten: Obwohl in der früheren Autowerkstatt auf dem Gelände über Jahrzehnte mit Ölen und anderen umweltschädlichen Stoffen hantiert wurde, geht aktuell keine Gefahr von der Fläche aus. Ob das bei einer künftigen neuen Nutzung anders sein wird, ist derzeit nicht klar. Sollte an der Höroldtstraße 3 neu gebaut werden, müssten vorab genauere Untersuchungen vorgenommen werden, so die Fachleute. Für die Stadt bleibt also das Risiko einer eventuellen Altlastenbeseitigung.

Stellt sich damit wieder die Frage, ob der Kauf des Grundstücks überhaupt sinnvoll ist? Erst vor wenigen Wochen hatte der Stadtrat beschlossen, dass die Höroldtstraße 3 kein neuer Standort für die Grundschule des Stadtteils wird: Die bleibt auf dem Questenberg. Die Stadtverwaltung argumentiert, dass der Kauf dennoch sinnvoll sei. Wie schon beim Erwerb der Alten Molkerei, der vor wenigen Tagen von den Stadträten beschlossen wurde, gewinne man hier Flächen, auf denen Projekte zur Aufwertung des Stadtteils möglich seien.

Das stellen selbst Kritiker der derzeitigen Stadtpolitik nicht in Frage. So meldet sich nun die neue Initiative „Bürger für Meißen“ zu Wort: Eine Aufwertung des Triebischtals sei „unbedingt wünschenswert“, so Walter Hannot, einer der Sprecher der Initiative. Man erkenne aber kein Gesamtkonzept für den Stadtteil.

Gibt es ein öffentlich zugängliches Konzept zur Entwicklung des Triebischtals in den nächsten Jahren? Wie sollen die Ideen des Lenné-Preises für das Triebischtal weiter genutzt werden? Was plant die Stadt auf dem alten Kohleplatz, um dessen Kauf man seit langem mit der Deutschen Bahn verhandelt? Diese Fragen stellen die „Bürger für Meißen“ nun dem Oberbürgermeister und den Stadträten.

Die Initiative schlägt vor, Gesprächsrunden mit den Einwohnern zu organisieren. Dort sollte es zum Beispiel um Wünsche für die soziale Entwicklung des Stadtteils, aber auch um den Umgang mit Industriebrachen und um Flächen gehen, auf denen neu gebaut werden kann. „Wenn diese Zusammenhänge hergestellt sind, Ziele und Maßnahmen vereinbart sind, dann können aus Grundstückskäufen geplant erfolgreiche Aufwertungsmaßnahmen werden“, so Walter Hannot. Zuerst ist jedoch der Stadtrat gefragt: Zum Kauf der Höroldtstraße 3 längst nicht zum ersten Mal.