Schatz für Meißen: 22 Entwürfe für die Triebisch

Landschaftsarchitekten aus dem In- und Ausland haben beim "Lenné-Wettbewerb" Ideen für die Gestaltung des Flusslaufs durch Meißen entwickelt. Die Pläne werden jetzt ausgestellt.

Für junge Landschaftsarchitekten ist der „Peter-Joseph-Lenné-Preis“ so etwas wie olympisches Gold. Seit 1965 alljährlich vom Berliner Senat ausgelobt, gilt das Rennen um die renommierte Auszeichnung als weltweit größter Ideen-Wettbewerb für Stadt- und Landschaftsplanung. Mit dem „Lenné-Preis“ schmücken sich aber nicht nur die Gewinner, sondern auch die Orte, die für die Wettbewerbsaufgaben ausgewählt wurden. Zum Beispiel Meißen: 2016 sollten die Teilnehmer hier Pläne für eine Neugestaltung des Stadtraums an der Triebisch entwickeln. Die Entwürfe sind derzeit im Meißner Rathaus zu sehen.

Einen „großen Schatz für die Stadt“ nennt Katrin Diersche die Planungen. Schon dass Meißen für eine Aufgabenstellung ausgewählt wurde, sei ein großer Erfolg, so die Stadtplanerin im Meißner Bauamt. „Wir haben Anregungen und Ideen in Hülle und Fülle bekommen.“ 22 Wettbewerbsteilnehmer aus dem In- und Ausland bearbeiteten 2016 die „Aufgabe national: Meißen – Neue Impulse für die Stadtentwicklung: Objektplanung für ein Freiraumsystem mit Parklandschaft entlang der Triebisch“.

Dass bei der Attraktivität des Triebisch-Areals noch „Luft nach oben“ ist, lässt sich nicht bestreiten. Eingezwängt in ein steinernes Korsett fließt der Fluss durch Meißen. Unzugänglich sind seine Ufer. Wo nicht die Häuser bis an das Wasser gebaut sind, versperren Geländer den Weg. Dann und wann bringt sich der Fluss durch Hochwasser den Meißnern in Erinnerung.

„Platz da für die Triebisch“ heißt der Entwurf der Dresdner Landschaftsarchitekten Christoph Odenthal und Marcel Götz, der ihnen die „Peter-Joseph-Lenné-Anerkennung“ – sozusagen den zweiten Preis des 2016er Wettbewerbs – einbrachte. Zwei ihrer Ideen: der begehbare Triebischsteg wird von der Flussmündung bis in den Kollwitz-Park verlängert, auf den ehemaligen Kohlelagerplatz im Triebischtal kommt ein vom Flusswasser gespeistes Freibad.

Eine „Karl-Foerster-Anerkennung“ gab es für einen Entwurf, der die Landschaft von den Hängen des Triebischtals bis an den Fluss stärker begrünen will. Der „Stadtteilpark“, der so entstünde, könne auch als Retentionsraum für Hochwasser dienen. An der Fährmannstraße bliebe die Bebauung erhalten. Dort würde jedoch eine Terrasse zum Fluss gebaut.

„Die Entwürfe werden nicht eins zu eins umzusetzen sein“, so Katrin Diersche bei der Vorstellung vor Stadträten. „Aber wir können aus dem, was hier geplant wurde, allgemeine Grundsätze für unsere Planungen übernehmen. Einige Ideen ziehen sich durch alle Wettbewerbsbeiträge.“ Zum Beispiel, dass die Triebisch mehr Raum braucht. Schaffen ließe er sich durch das Anlegen von Terrassen und flachen Böschungen oder durch die Aufweitung der Wasserflächen. Die Meißner sollen besseren Zugang zu „ihrer“ Triebisch bekommen. Promenaden, Terrassen, Uferwege und Treppen haben die Teilnehmer des „Lenné-Wettbewerbs“ dazu geplant. In der derzeitigen Realität versperren noch Hindernisse wie eine Fernwärmetrasse den Weg ans Wasser.

Den Hautpreis für die Lösung der Meißner Aufgabe gewann der Berliner Landschaftsarchitekt Marcel Tröger. Er schlägt vor, an der gesamten Triebisch in Meißen ein „Parkband“ mit Feuchtwiesen, Galeriewäldern, Wegen, Terrassen, Sitzstufen und Balkonen anzulegen. Kultur käme an der Porzellan-Manufaktur, an der Talstraße und in der Altstadt ins Quartier.

Wie geht es mit den Planungen weiter? Der Meißner Kulturverein, der die Triebisch-Aufgabe bei den Wettbewerbsorganisatoren bekannt gemacht hatte, macht sich nun für die Planung und Umsetzung in städtischer Regie stark. Die Stadtverwaltung solle jetzt vor allem die Pläne für die Fährmannstraße und den alten Kohlelagerplatz konkretisieren, fordert SPD-Stadtrat Matthias Rost. Doch gerade dort offenbart sich schon eine erste Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Noch immer bemüht sich die Stadt um den Kauf des alten Kohlenplatzes von der Deutschen Bahn. Bisher hatte sie das Areal jedoch nur für einen Park-and-Ride-Parkplatz für die benachbarte S-Bahn-Station vorgesehen.

Der Kulturverein macht in Zusammenarbeit mit der Stadt öffentlich, welche Möglichkeiten die Planer für die Gestaltung der Triebischlandschaft in Meißen sehen. Alle Beiträge zu Meißen aus dem 2016er „Lenné-Wettbewerb“ sind vom 28. April bis zum 1. Mai im Rathaus ausgestellt. In dieser Zeit können sie täglich von 11.00 bis 17.00 Uhr im Großen Ratssaal angesehen werden.