Sanierungspläne für Baudenkmale nahe des Bahnhofs

Die Gründerzeitbauten an der Bahnhofstraße prägen das Meißner Stadtbild. Sie sollen bald saniert werden. Foto: Grau

Seit Jahren verfällt das Meißner Häuserkarree an Bahnhofstraße und Elbberg. Jetzt werden Sanierung und Neubau geplant.

Prominente Lage, desolater Zustand: Seit Jahren ist das Häuserkarree an Meißens Bahnhofstraße und Elbberg dem Verfall überlassen. Die Gründerzeitbauten stehen zum größten Teil leer. Bröckelnde Fassaden, blinde Fenster und morsche Dächer sind ein abschreckender Anblick in einer der schönsten Meißner Lagen, nahe der Elbe und mit Blick zum Dom.

Doch bald soll sich das Blatt wenden. Für das Karree an Bahnhofstraße und Elbberg sind Sanierung und Neubau angekündigt. Das Meißner Unternehmen „Dr. Maier Immobilien“ ist seit einigen Monaten Besitzer der Häuser und Grundstücke. In seinem Auftrag hat das Radebeuler Architekturbüro „aT2“ die Neugestaltung geplant. Bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses wurde das Vorhaben den Meißner Stadträten vorgestellt.

„Seit ungefähr anderthalb Jahren beschäftigen wir uns mit dem Projekt Bahnhofstraße/Elbberg“, so Christa Maier, Geschäftsführerin von „Dr. Maier Immobilien“. Eine der größten Hürden sei es gewesen, alle Grundstücke des Karrees zu kaufen. Bisherige Planungen für eine Sanierung waren unter anderem am Streubesitz gescheitert. „Dr. Maier Immobilien“ habe die Häuser Bahnhofstraße 6 bis 9 aus einer Hand erwerben können. Um die Bahnhofstraße 11 musste jedoch hart verhandelt werden. „Das Haus benötigen wir aber unbedingt, um ein schlüssiges Gesamtkonzept entwickeln zu können.“ Eigentümer sei ein sehr betagter Mann gewesen: Erst nach vielen Gesprächen und einigem Hin und Her sei der Verkauf auch dieser Immobilie zustande gekommen.

Das weitere Vorgehen der neuen Besitzer des Karrees nennt Marina Jach, Stadtplanerin im Meißner Bauamt, „vorbildlich“. Für das Sanierungsvorhaben müsse kein Bebauungsplan aufgestellt werden. Die Stadt könne die Bauherren bei ihren Planungen nur beraten. Doch die initiierten in Abstimmung mit der Stadtverwaltung selbst einen Gestaltungswettbewerb. Vier Architekturbüros lieferten Entwürfe für die Sanierung und Neugestaltung. „Ich hoffe, dass dieses Verfahren Schule macht“, so Marina Jach. „So kann man die beste Lösung für einen Standort finden.“

Der Sieger-Entwurf wurde von „Dr. Maier Immobilien“ gemeinsam mit Mitarbeitern der Bauverwaltung und des Denkmalschutzes ausgewählt. „Alle Beiträge waren eigenständig und in sich schlüssig“, so Christa Maier. Der Entwurf von „aT2“ habe aber am Ende überzeugt. Die Radebeuler wollen in dem Karree die Altbausubstanz erhalten und mit Neuem ergänzen.

Architekt Frank Mehnert erklärte die Planungen. Rund 7.600 Quadratmeter Brutto-Geschossfläche biete das Immobilien-Ensemble. Entstehen sollen 28 Wohnungen, rund 480 Quadratmeter Gewerbefläche und bis zu 37 Tiefgaragen-Stellplätze. Größte Neuerung in dem Karree wird ein Neubau an der Bahnhofstraße sein. Er schließt die Lücke zwischen den Altbauten, die tatsächlich wohl schon seit der Gründerzeit besteht. Alt- und Neubau sollen durch Fahrstühle erschlossen werden.

Die Dachkonstruktionen der Bestandsgebäude müssen erneuert werden. „Dabei können wir die Dachgeschosse neu planen“, so Mehnert. Zeitgenössische Elemente sollen hier die Altbauten ergänzen. So lassen sich auch die Höhen der verschiedenen Häuser einander angleichen. Die Nebengelasse auf dem elbseitigen Teil des Karrees seien nicht mehr zu erhalten, so der Architekt. Die Denkmalschutzbehörde habe dem Abriss zugestimmt. An ihrer Stelle sind ein grüner Innenhof und ein kleinerer Neubau vorgesehen. Das künftige Doppelhaus hat zwei mal 225 Quadratmeter Wohnfläche.

Die neue Tiefgarage soll vom Elbberg befahren und unter den elbseitigen Neubauten angelegt werden. Die Hochwassersicherheit des Bauprojekts habe man ebenfalls überprüft, so Architekt Frank Mehnert. „Die Fußböden des Erdgeschosses liegen rund 1,30 Meter über der aktuell gültigen Hochwasserlinie HQ100.“

„Dr. Maier Immobilien“ wird am Karree Bahnhofstraße/Elbberg als Projektentwickler tätig sein. Die Wohnungen sollen nach Sanierung und Umbau verkauft werden. Den Antrag auf Baugenehmigung wolle man im Sommer einreichen, so Christa Maier. „Wenn wir die nötigen Genehmigungen haben, können wir noch in diesem Jahr mit Abbrucharbeiten beginnen. Eine Fertigstellung im Jahr 2019 ist dann realistisch.“