In einem Jahr von der Ruine zum Schmuckstück

Die Sanierung der Stadtgärtnerei in Meißen-Cölln ist abgeschlossen Foto: Grau

Die Stadtgärtnerei an der Meißner Wiesengasse war nach Flut und Brand eine Ruine. Jetzt ist das Haus saniert: Neben den Gärtnern zieht die Stiftung "Soziale Projekte" ein.

Auf die Zukunft der Stadtgärtnerei in der Wiesengasse hätten vor drei Jahren die meisten Meißner keinen Heller mehr gewettet. 2013 war ein Katastrophenjahr für die Anlage: Im Juni überflutete die Elbe das Anwesen der Stadtgärtnerei. Nur ein paar Wochen später brannte das Haus komplett aus. Was sollte die Stadt mit der Ruine anfangen?

Der Abriss stand zur Debatte. Kaum noch vorstellbar, wenn man heute die Stadtgärtnerei in neuem Glanz sieht. Heller Putz und Lärchenholzverkleidung an der Fassade, neue Fenster, neues Dach und neues Innenleben: Nach einem Jahr Bauzeit ist das Gebäude an der Wiesengasse komplett saniert.

Neben den Mitarbeitern der Stadtgärtnerei wird die städtische Stiftung „Soziale Projekte“ (SoPro) einziehen. Schon jetzt arbeiten beide Institutionen an der Wiesengasse zusammen. Der öffentlich zugängliche Heil- und Kräutergarten auf dem unteren Teil des Grundstücks ist ein gemeinsames Projekt. Die SoPro kümmert sich um die Vermarktung der hier angebauten Pflanzen. Das Gemüse und die Kräuter werden auch für das Catering der Stiftung genutzt. Die SoPro beliefert unter anderem Meißner Kindergärten mit Essen.

Die Stiftung sichert auch die regelmäßigen Öffnungszeiten des Gartens: Von März bis Oktober ist er Besuchern zugänglich. Einmal wöchentlich wird in einem Ofen auf dem Freigelände frisches Brot gebacken und dann verkauft. Das lockt mittlerweile viele Meißner an die Wiesengasse. „Wir haben immer mehr Gäste, die den Garten und unsere Angebote entdecken. Inzwischen haben wir Stammkunden“, sagt Stiftungs-Geschäftsführerin Christine Hauke.

Das nun sanierte Gebäude der Stadtgärtnerei verbessert mit modernen Sanitär- und Aufenthaltsräumen nicht nur die Arbeitsbedingungen der Gärtner. Es ermöglicht auch neue Angebote. Es wurden Lager und Garagen, Büros und Räume für Versammlungen und Beratungen eingerichtet.

Die SoPro bezieht einen Flügel des Hauses. Die bei der Stiftung angestellte Streetworkerin Aliki Reyes wird hier ihr neues Büro bekommen. An der Wiesengasse ist sie für ihre jugendlichen Klienten besser erreichbar als im Roten Haus an der Nossener Straße. Die Streetworkerin wird Beratungen anbieten. Auch Kurse sind möglich. „Durch die Nähe zur Stadtgärtnerei bietet sich zum Beispiel das Thema ‚gesunde Ernährung’ an“, sagt Christine Hauke. Im Erdgeschoss des Hauses soll bald ein „Hofladen“ für die Produkte der Gärtnerei eröffnet werden. Ein Raum ist dafür bereits vorbereitet.

Sonst werde das Erdgeschoss in Zukunft nur noch eingeschränkt genutzt, erklärt Planer Jürgen Voigt, der im Auftrag der Stadt den Umbau leitete. Wegen der Hochwassergefahr sollten die unteren Räume möglichst schnell zu räumen und nach einer Flut leicht wieder herzurichten sein.

„Die Haustechnik haben wir unters Dach verlegt“, so Voigt. Installationen kamen auf den Putz, die Böden wurden gefliest. „Beim Umbau wurde Material verwendet, das durch Wasser möglichst keinen Schaden nimmt. Ziel ist es, dass wir nach einer Flut nur sauberzumachen brauchen und die Räume wieder in Betrieb nehmen können.“

Die Umbauarbeiten waren aufwendig. Ein Beispiel: Der Fußboden des Erdgeschosses musste über einen halben Meter angehoben werden. „Früher lief bei einer Flut das Wasser hier wie in ein Bassin und war nur schwer wieder aus dem Haus zu bekommen“, erklärt Planer Jürgen Voigt. Alles in allem gab die Stadt rund 780.000 Euro für die Sanierung der Stadtgärtnerei aus. „Finanziell war es eine Punktlandung“, so Voigt.

Genutzt wurden vor allem Fördermittel zur Hochwasserschadensbeseitigung und Geld, das die Versicherung nach Flut und Brand zahlte. Warum hat man die Flut- und Brandruine nicht doch einfach abgerissen? „Der Standort ist für die Stadtgärtnerei ideal“, sagt Oberbürgermeister Olaf Raschke. „Er liegt mitten in der Stadt. Hier gibt es alle Anschlüsse, die für die Arbeit der Gärtnerei benötigt werden.“ Die gute Lage wollte man nicht aufgeben. „Nach einem Abriss des alten Hauses hätten wir hier im Flutgebiet kein neues mehr bauen dürfen.“