Nach über 25 Jahren: SEEG wagt wieder Neubau

Im Grundstein für den Neubau auf dem Kalkberg wurde eine "Zeitkapsel" versenkt. SEEG-Geschäftsführerin Birgit Richter und OB Olaf Raschke befüllten sie mit Dokumenten. Foto: Grau

Am Kalkberg wurde der Grundstein für den Bau von zwei Mietshäusern gelegt. Damit entstehen in Meißen nach langer Pause wieder neue kommunale Wohnungen.

Großer Bahnhof am Kalkberg: Bauleute, Firmenchefs, Meißens Oberbürgermeister und die Mitarbeiter des kommunalen Wohnungsunternehmens SEEG trafen sich hier am 12. April. An der Ecke zur Berglehne, wo einst die Gaststätte „Bergkeller“ stand und nun schon seit geraumer Zeit eine Brachfläche war, feierten sie eine Grundsteinlegung. Die SEEG lässt auf dem Areal zwei neue Mietshäuser errichten. Neun Wohnungen werden entstehen.

„Vielleicht findet mancher die Feier ein bisschen groß für neun Wohnungen“, so SEEG-Chefin Birgit Richter. „Ich finde aber, dass wir Grund zum Feiern haben: Schließlich ist das unser erster Neubau seit 26 Jahren.“ Die Grundsteinlegung kündige einen Zeitenwechsel an: „Wir leiten eine neue Phase in der Entwicklung der SEEG ein.“

In den letzten zwei Jahrzehnten hatte Meißens kommunales Wohnungsunternehmen zunächst den Abriss von Häusern gemanagt, dann den verbliebenen Immobilienbestand Schritt für Schritt saniert. Angesichts vieler Jahre mit sinkenden Meißner Einwohnerzahlen ging es der SEEG nicht anders, als anderen ostdeutschen Wohnungsgesellschaften. Schwarzmalen will Birgit Richter diese Zeiten nicht: „Es waren auch erfolgreiche Jahre für die SEEG. Wir haben in dieser Zeit über 100 Millionen Euro in unseren Bestand investiert.“

Inzwischen hat sich in Meißen aber einiges geändert. Die Stadt hat wieder Zuzug, der Wohnungsmarkt lebt auf. Damit wird auch hier möglich, was in den wachsenden Großstädten schon seit Jahren im Trend liegt: Neubau.

„Die Sanierung von alten Häusern ist eine schöne Sache. Neubauten bieten aber doch noch andere Möglichkeiten“, so Birgit Richter. Die Grundrisse der Wohnungen könnten passend für die Wünsche der avisierten Mieterklientel gestaltet werden. Im Falle der neuen Häuser auf dem Kalkberg sind das Menschen, die große und komfortable Wohnungen schätzen und dafür auch einen entsprechenden Mietpreis zahlen wollen. Rund 1,8 Millionen Euro investiert die SEEG in den Bau der neun Wohnungen. Man strebe Kostendeckung an, wie Architekt Dr. Knut Hauswald sagt, und werde dafür Mieten kalkulieren, „die für Meißen so kein Standard sind“, wie SEEG-Chefin Birgit Richter bestätigt.

Dafür will man den künftigen Mietern auch einiges bieten. Zum Beispiel großzügige Küchen und Wohnräume sowie „Wellness-Bäder“ mit Tageslicht. Die 109 Quadratmeter großen Vier-Raum-Wohnungen werden jeweils auch Gäste-WCs bekommen. Gebaut wird teils mit ökologisch verträglichen Materialien und Methoden.

Warum baut die SEEG neu, während es im Wohnungsbestand durchaus noch Leerstand gibt? Geschäftsführerin Birgit Richter beantwortet das so: „Wir spüren die Nachfrage nach individuell gestalteten Wohnungen.“ Mit Angeboten wie dem auf dem Kalkberg könne man neue Mieter gewinnen. Für die SEEG lasse sich das erste Neubau-Vorhaben nach über 25 Jahren gut an: „Obwohl die Häuser voraussichtlich erst im Sommer 2018 fertig sind, haben wir schon jetzt zwei ernstzunehmende Mietinteressenten.“