Grundschule bleibt am Questenberger Weg

Das Schulhaus am Questenberger Weg ist in die Jahre gekommen. Jetzt steht fest: Es wird saniert. Foto: Archiv

Meißens Stadtrat beschloss die Sanierung und Erweiterung am angestammten Standort. Die Baukosten werden auf rund neun Millionen Euro geschätzt.

Die Diskussionsbeiträge waren zahlreich, die Entscheidung schließlich deutlich: Die Grundschule für Meißen-Triebischtal und weite Teile der Altstadt bleibt am Questenberg. Mit 19 zu sechs Stimmen entschied sich der Stadtrat plus Oberbürgermeister am 29. März, den Standort der Schule am Questenberger Weg auch bei der nun geplanten Erweiterung beizubehalten. Ein Neubau in der Höroldtstraße ist damit vom Tisch.

Dem Beschluss war eine lange Debatte vorausgegangen. Zuerst meldeten sich die Vertreter von Elternrat und Lehrerkollegium der Questenbergschule vor den Stadträten zu Wort. Einen Tag vor der Stadtratssitzung habe sich die Schulkonferenz dafür ausgesprochen, den Schulstandort am Questenberger Weg zu belassen. „Wir stimmen dem Ausbau zu einer dreizügigen Schule zu“, so Elternratsvorsitzende Katharina Miersch. Von der Stadtverwaltung sei bestätigt worden, dass eine Sanierung nebst Vergrößerung der Schule am Questenberger Weg zu etwa den gleichen Kosten wie ein Neubau an der Höroldtstraße möglich sei. „Mit der Erweiterung hat die Schule beste Voraussetzungen. Auch der Ausbau der Zufahrt über den Wasserweg ist lösbar“, so die Elternvertreterin. „Dass es während der Bauzeit Einschränkungen geben wird, ist uns bewusst. Wir sind bereit, sie zu tragen.“

Katja Lamnek, Projektplanerin im städtischen Bauamt, stellte noch einmal die Voraussetzungen und die Alternativen für den Ausbau der Grundschule vor. Schon seit mehreren Jahren plant die Stadt die Sanierung der Schule. Neu ist aber die Notwendigkeit der Erweiterung: Die Schulverwaltungsbehörde des Landkreises habe die Stadt darauf hingewiesen, dass die Kapazitäten der Questenbergschule voraussichtlich schon ab etwa 2020 nicht mehr ausreichten, um die gestiegene Zahl von Kindern im Einzugsgebiet aufzunehmen. Aus der zweizügigen soll deshalb eine dreizügig geführte Grundschule mit dann bis zu 336 Plätzen werden.

„Das hat uns dazu gebracht, alle Planungen noch einmal auf den Prüfstand zu stellen“, so Katja Lamnek. Weil eine Erweiterung am Questenberger Weg andere Bedingungen stellt, als eine reine Sanierung, kamen Alternativen ins Spiel. Drei mögliche Standorte für einen Grundschul-Neubau im Triebischtal habe man überprüft, so Lamnek. Der frühere Kohlelagerplatz sei frühzeitig ausgeschlossen worden: „Er ist zwar unbebaut, liegt aber im Hochwassergebiet.“ Auf dem Gelände der früheren Molkerei an der Karl-Niesner-Straße sowie auf dem Grundstück einer ehemaligen Autowerkstatt an der Höroldtstraße 3 biete sich dagegen die Gelegenheit, mit einem Schulneubau auch der Entwicklung des Stadtteils neue Impulse zu geben.

Platz für eine dreizügige Grundschule gibt es sowohl am Questenberger Weg, als auch an der Höroldt- und an der Karl-Niesner-Straße. Am Questenberger Weg ist die Stadt bereits Eigentümerin aller benötigten Grundstücke. Dort müsste bei einer Erweiterung der Schule jedoch eine Gartensparte weichen. An der Höroldtstraße plant die Stadt bereits seit dem vergangenen Jahr den Kauf der ehemaligen Autowerkstatt. Das Geschäft ist vom Stadtrat bereits beschlossen. Der Vollzug des Kaufvertrags scheitert jedoch noch immer daran, dass den Räten ein Altlastengutachten für die Fläche nicht vorliegt. Für die Brache der ehemaligen Molkerei vermerkt die Stadtverwaltung unter dem Punkt „Verkaufsbereitschaft“ noch „offen“.

Der Vergleich der Baukosten ergibt für die drei Standorte jeweils eine ähnliche Summe. Rund neun Millionen Euro muss die Stadt für die dreizügige Grundschule einplanen. Am Questenberger Weg macht die Hanglage das Bauen etwas teurer. Die geplante Einfeld-Sporthalle muss aufwendiger ins Gelände eingepasst, das Außengelände terrassiert werden. Schon jetzt ist klar: Während der Bauarbeiten muss der Schulbetrieb komplett ausgelagert werden. Die Stadtverwaltung hat bereits Kostenangebote für eine zwei Jahre bestehende „Containerschule“ eingeholt und in den Variantenvergleich einbezogen.

An der alten Molkerei sowie an der Höroldtstraße sind etwaige Altlasten im Boden der größte Unsicherheitsfaktor für einen Schul-Neubau. Auf dem Molkerei-Gelände muss bis zu sieben Meter tief der Boden ausgetauscht werden. Damit beim schärfsten Konkurrenten des Questenberger Wegs, der Höroldtstraße 3, Fördermittel für den Schulbau fließen können, ist dort auch Altbausubstanz zu erhalten: „Werden dort Altlasten festgestellt, drohen uns Kostensteigerungen und Bauverzögerungen“, so CDU-Fraktionschef Falk Werner Orgus.

Das war für die gesamte CDU-Fraktion ein Argument, für den Verbleib der Grundschule am Questenberger Weg zu stimmen. Ein weiterer Grund sei der klare Beschluss der Schulkonferenz für den Standort, so Orgus. Ähnlich argumentierten die Fraktionen der Freien Bürger, SPD und Grünen und der ULM. „Wir stimmen für die Variante, bei der Eltern und Lehrer mitziehen“, so Dorothee Finzel (Freie Bürger). Ähnlich auch ULM-Fraktionschef Wolfgang Tücks: „Das Votum der Eltern und Lehrer bringt für uns die Entscheidung.“ Kritisiert wurde, dass die Stadtverwaltung die Schule erst spät in die Standortsuche einbezogen habe. „Das Votum der Schulkonferenz hätte man schon viel früher haben können“, so Falk Werner Orgus (CDU).

Die Fraktion der Linken stimmte geschlossen für die Höroldtstraße. Stadtrat Günter Jordan erklärte, warum: „Wir wollen zum einen künftigen Eltern lange Wege durch den Stadtteil ersparen.“ An der Höroldtstraße würde die Grundschule in Nachbarschaft zu einer Kindertagesstätte und nicht weit von der Triebischtal-Oberschule liegen. Zum anderen bleibe auch nach dem Ausbau des Wasserwegs die Zufahrt zur Questenbergschule ein Problem. Nur auf dieser Strecke können Fahrzeuge zum Schulhaus gelangen. Was geschähe in einem Notfall, bei dem viele Rettungswagen im Einsatz seien?

Oberbürgermeister Olaf Raschke gehörte schließlich zu den Befürwortern des Questenberger Wegs. Nach einer „politischen Pirouette“, wie Heiko Schulze, Fraktionschef von Grünen, SPD und Freien Bürgern, anmerkte: „Anfangs habe ich selbst für die Höroldtstraße plädiert“, so der OB selbst zu seiner Kehrtwende. „Aber wir müssen auch den Eltern und Lehrern zuhören. Ihre Meinung sollten wir nicht wegwischen.“

Weitere Diskussionen über die Meißner Schulnetzplanung sind möglich. Der Oberbürgermeister kündigte an, dass angesichts der wachsenden Kinderzahl in absehbarer Zeit auch im rechtselbischen Meißen eine neue zweizügige Grundschule gebraucht werde.