Das Meißner Prälatenhaus steht zum Verkauf

Eine Landmarke der Meißner Altstadt: der Giebel des Prälatenhauses Foto: Grau

Über Jahre engagierte sich ein Verein für die Restaurierung des wertvollen Baudenkmals. Die Stadt will es nun abgeben, setzt Käufern aber Bedingungen.

Das Haus ist eine Augenweide. Beste Lage in der Meißner Altstadt, wunderschöne Fassade: Das könnte auch darüber hinwegtrösten, dass es vor der Haustür keinen Parkplatz gibt. Doch die Eigentümerin will verkaufen. Die Stadt Meißen bietet das Prälatenhaus an den Roten Stufen an. Einen „Sachzeuge(n) einer längst vergangenen Epoche“ für mindestens 240.000 Euro: So steht es in der Annonce, die die Stadt kürzlich auf Internet-Immobilienportalen veröffentlichte.

Dabei hat das Angebot durchaus einen Haken. Gut erhalten ist vom Prälatenhaus derzeit nur das Vorderhaus. Das Hinterhaus ist nach wie vor stark sanierungsbedürftig. Für einen möglichen Käufer noch schwerwiegender: Das Haus soll nach dem Willen der Stadt auch künftig öffentlich genutzt werden.

Bis jetzt kümmert sich vor allem das „Kuratorium Rettet Meißen – jetzt!“ um das Baudenkmal an den Roten Stufen. In fast abbruchreifem Zustand hatte der Verein zur Wendezeit die 1509 gebaute Immobilie übernommen. Die Rettung des Prälatenhauses wurde eines der ersten und erfolgreichsten, aber auch langwierigsten Projekte des Kuratoriums. Beharrlich und findig warben die Mitglieder dafür Fördermittel und Spenden ein. Alles in allem flossen seit der Wende rund eine Million Euro in die Sanierung und Restaurierung des Prälatenhauses. Bei den Restaurierungsarbeiten tauchten ungeahnt wertvolle Kunstschätze auf. Die aus der Erbauungszeit stammenden Wandmalereien in den Stuben des Hauses waren unter vielen Farbschichten verborgen. Sie gelten als einzigartig in Europa nördlich der Alpen.

Mit dem kunsthistorischen Wert des Prälatenhauses begründet die Stadt die angestrebte „Zweckbindung“ beim Verkauf. Schon die Anforderungen bei der Klimatisierung seien so hoch, dass sich eine privatwirtschaftliche Nutzung verbiete, heißt es im Angebotstext. Die Luftfeuchtigkeit in den Stuben muss dauerhaft zwischen 60 und 70 Prozent liegen, damit die restaurierten Malereien erhalten bleiben. Ein Gasthaus oder ein Hotelzimmer kann solche Bedingungen kaum bieten. Ein weiteres Manko für eine wirtschaftliche Nutzung: In dem Baudenkmal können die Räume nicht nach Belieben geteilt werden. Das ist ein Problem außerhalb der wertvollen Bohlenstuben. „Die bestehenden Raumstrukturen ermöglichen … für die restliche Nutzfläche keine Abgeschlossenheit oder Separierung“, heißt es dazu von der Stadt.

Der neue Besitzer müsste außerdem noch einiges in den Erhalt des Hauses investieren. Das Hinterhaus, ein immerhin dreigeschossiger Fachwerk-Anbau hinter dem repräsentativen vorderen Gebäudeteil, ist immer noch in schlechtem Zustand. Schwammbefall wurde zwar beseitigt. Fertig ausgebaut ist dieser Teil des Prälatenhauses aber nicht.

Nachdem in den ersten 15 Jahren nach der Wende viel geschafft wurde, um das Prälatenhaus zu erhalten, war das „Kuratorium Rettet Meißen – jetzt!“ später schwerer an Unterstützung für sein Vorhaben gekommen. Spenden für einzelne Sanierungsschritte, etwa von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, gab es. Eine stabile Förderung der öffentlichen Hand jedoch nicht. Auch das trug zum Entschluss des Kuratoriums bei, das Prälatenhaus wieder in die Verantwortung der Stadt zu übergeben.

Doch auch die hat kein Konzept, wie die schöne Immobilie in der Altstadt genutzt werden könnte. Bislang bieten Mitglieder des Kuratoriums auf Anfragen oder zu besonderen Anlässen wie dem „Tag des offenen Denkmals“ Führungen an. Der gesuchte Käufer soll nun neben einem Finanzierungs- auch ein Nutzungskonzept für das Prälatenhaus beibringen. Die Frist zur Abgabe ist knapp bemessen. Am 31. Januar endet die Ausschreibung. Die Stadt erhoffe sich von den Angeboten auch Ideen zur künftigen Nutzung des Hauses, so Oberbürgermeister Olaf Raschke.

Mit dem „Kuratorium Rettet Meißen – jetzt!“ habe es bereits im vergangenen Jahr Gespräche über den beabsichtigten Verkauf der Immobilie gegeben, heißt es von der Stadtverwaltung. Die endgültige Entscheidung über die Abgabe werde der Meißner Stadtrat treffen.