Vom Neubau-Viertel zur Meißner "Gartenstadt"

Der Mücke-Ring 8 wird in diesem Jahr saniert: SEEG Chefin Birgit Richter (Mi.) mit den Mietern Monika Rudolph und Claus Holler Foto: Reso

Das Plattenbau-Quartier am Albert-Mücke-Ring hat Potenzial, heißt es beim kommunalen Vermieter SEEG. Ein erster Wohnblock wird nun saniert.

An der Fellbacher Straße ist es auch gelungen, sagt Birgit Richter. Die Chefin des kommunalen Meißner Wohnungsunternehmens SEEG meint den „Fellbacher Bogen“. Im vergangenen Jahr hatte man dort einen Neubaublock von Grund auf umgebaut. Das Ergebnis: Der Leerstand im einstigen Problemblock sank auf Null.

Geht es nach Birgit Richter, ist der Erfolg von der Fellbacher Straße ein Vorbild für die Aufwertung des benachbarten Neubauviertels. Der Albert-Mücke-Ring könnte mit Umbau und Sanierung zu einer Art „Gartenstadt“ werden. „Licht, Luft, Ausblick: Das gibt es hier“, sagt Birgit Richter. Es gelte nun, das Potenzial der Neubausiedlung besser auszuschöpfen. In diesem Jahr geht es damit los: Die SEEG lässt am Albert-Mücke-Ring einen Neubaublock sanieren.

Derzeit stehen in dem Viertel 60 Wohnungen leer. Das seien etwa 25 Prozent des gesamten Bestandes, so die SEEG-Chefin. Ein Teil des Leerstandes sei strategische Vorsorge, erklärt Birgit Richter. 40 der leeren Wohnungen stünden aktuell nicht zur Vermietung. Sie sollen möglichst „in einem Rutsch“ saniert und modernisiert werden, bevor neue Bewohner einziehen.

Neue Bewohner für den Mücke-Ring zu gewinnen, ist das Ziel der SEEG. Doch wie sehen die jetzigen Mieter die geplanten Sanierungen? Für sie bringen die Baumaßnahmen zwar mehr Wohnkomfort, aber auch steigende Mieten. Monika Rudolph und Claus Holler waren Anfang Januar bei der „Bauanlaufberatung“ dabei. Sie sind „Mieter der ersten Stunde“ im Albert-Mücke-Ring 8 – dem Block, der nun als erstes komplett saniert wird. Erste Arbeiten an der Bodenplatte ihres Hauses seien schon eine Zerreißprobe für die Nerven gewesen, sagen sie. In diesem Jahr werden sie noch einiges an Baulärm und -staub zu hören und zu sehen bekommen. Trotzdem – und trotz steigender Mieten – haben sich die beiden für die Modernisierung ausgesprochen.

Ihr Viertel werde sich nach und nach beleben, hoffen Monika Rudolph und Claus Holler. Mehr Wohnqualität gäbe es auch. Für die Modernisierung des Mücke-Rings 8 mit seinen drei Aufgängen gibt die SEEG rund 1,7 Millionen Euro aus. Dafür bekommt das 1978 gebaute Haus Aufzüge, Balkons auch vor den Ein-Raum-Wohnungen, Wärmedämmung, Brandschutzanlagen und Waschautomaten in den Kellern. Letzteres soll vor allem den Mietern der Ein-Raum-Wohnungen mehr nutzbare Wohnfläche verschaffen.

Die Mieten lägen derzeit bei durchschnittlich fünf Euro pro Quadratmeter, sagt Birgit Richter. Nach der Bauzeit werden es dann voraussichtlich über sechs Euro sein. Natürlich gäbe es Staffelungen. Neumieter sollen mehr zahlen als Altmieter. Wohnungen in Aufgängen mit Fahrstuhl sind teurer. Außerdem werde die SEEG nicht alle Kosten der Modernisierung auf die Mieten umlegen, sondern nur 40 Prozent davon. Dennoch sei es richtig, dass sich nicht alle Mieter auf die Aufwertung ihres Hauses freuten.

Gemischte Gefühle angesichts des beginnenden Umbaus bestätigen auch Monika Rudolph und Claus Holler. Lob haben sie aber für die Informationspolitik der SEEG. „Wir Mieter werden gut eingebunden.“ Zufriedene Mieter sind Mieter, die bleiben.

Neue sollen dazukommen. Der Mücke-Ring als beliebte „Gartenstadt“? „Perspektivisch planen wir für das gesamte Viertel Modernisierung und Aufwertung“, sagt Birgit Richter. Meißen hat Zuzug. Davon profitieren auch die Neubau-Quartiere. Das Stigma der „Platte“ soll allerdings weichen. Die SEEG wünsche sich eine gut gemischte Bewohnerschaft, so die Chefin. Alle Generationen, verschiedene soziale Schichten: auch Wohnungen, für die das Amt die Mietkosten trägt, soll es hier weiter geben. Von Kita, Nahverkehrsanbindung und Geschäften, die es am Mücke-Ring in fußläufiger Nähe gibt, profitieren alle.